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Medizin

Studie: Redaktion und Peer Review verkannten Spitzenforschung

Dienstag, 23. Dezember 2014

Toronto – Auch in führenden medizinischen Fachjournalen können sich Redaktionen und externe Gutachter irren. Nach einer Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2014; doi: 10.1073/pnas.1418218112) haben drei medizinische Fachzeit­schriften in den letzten Jahren insgesamt 14 Arbeiten abgelehnt, die dann in anderen Fachzeitschriften publiziert wurden und am Ende häufiger zitiert wurden als die anderen von den drei Journals angenommenen Arbeiten.

Renommierte Fachzeitschriften veröffentlichen nur einen Bruchteil der zugesandten Arbeiten. Von 1008 bei den Annals of Internal Medicine, dem British Medical Journal und dem Lancet eingereichten Arbeiten, deren Schicksal die Soziologin Kyle Siler von der Universität Toronto nachging, wurden gerade einmal 62 zur Publikation akzeptiert. Insgesamt 722 schafften es nicht einmal bis zum Peer Review, der Beurteilung durch Experten aus dem gleichen Fachgebiet, auf die sich die Redaktionen häufig in ihren Entscheidungen stützen.

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Eine Zurückweisung durch ein Spitzenjournal ist jedoch selten das Aus für eine Arbeit. Immerhin 757 der von Redaktion oder Peers der drei Spitzen-Journals abgelehnten Arbeiten wurden später in anderen Fachzeitschriften publiziert. Der Erfolg gemessen an der Häufigkeit der Zitationen war allerdings geringer. Siler konnte hier die Erfahrung vieler Autoren und auch die Ergebnisse früherer Studien bestätigen. Die Publikation in einem renommierten Journal wirkt sich meist positiv auf die Zitationshäufigkeit aus, die bei Forschern karrierefördernd wirkt. Viel zitierte Forscher werden bei der Vergabe von Forschungsgeldern bevorzugt.

Siler stieß bei ihren Recherchen jedoch auf 14 Arbeiten, die von den drei Journals abgelehnt wurden und nach der Publikation in anderen Journals mehr Zitationen ernteten als alle von den Journals angenommenen Arbeiten: Zwölf Arbeiten waren gleich von der Redaktion abgelehnt worden, zwei weitere wurden von den Peers aussortiert. Dass gerade die einflussreichsten Arbeiten abgelehnt wurden, gibt Siler zu denken. Die Bedeutung von unkonventionellen Forschungen, die etablierte Denkweisen infrage stellen, hätten es häufig schwer, die Hürde des Peer Review-Systems zu nehmen, meint die Soziologin. © rme/aerzteblatt.de

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