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Medizin

Womit der Ebola-Ausbruch in Westafrika seinen Anfang nahm

Dienstag, 30. Dezember 2014

Berlin – Eine bestimmte Fledermaus-Spezies namens Mops condylurus, die in einem hohlen Baum nahe der Ortschaft Meliandou in Guinea lebten, sind wahrscheinlich der Ursprung für den Ausbruch des Ebolafieber-Ausbruchs in Westafrika. Das berichtet ein Team von Wissenschaftlern unter Federführung des Robert Koch-Instituts heute in der Zeitschrift EMBO Molecular Medicine.

Die Forscher waren in Guinea, um zu untersuchen, ob im Rahmen des aktuellen Ausbruch­geschehens auch Wildtiere von Ebola betroffen sind. Bei früheren Krankheits­ausbrüchen gab es auch zahlreiche Todesfälle unter Wildtieren. Betroffen waren dabei in der Vergangenheit vor allem Menschenaffen und kleine, im Wald lebende Antilopen, sogenannte Ducker.

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Bei der Verarbeitung des Fleischs tot aufgefundener Tiere kann das Virus auf den Menschen überspringen und so eine Infektionswelle auslösen. Aber diese Spur erwies sich diesmal als Irrweg: Die Wissenschaftler fanden in Guinea keine Hinweise auf eine erhöhte Sterblichkeit unter Wildtieren, die Populationen scheinen sich nicht verändert zu haben.

Das Team untersuchte auch die Umgebung des Indexpatienten, mit dem der Ausbruch begonnen hat: einem zweijähriger Junge in der Ortschaft Meliandou in Guinea. Die Umgebung dieser Ortschaft ist stark durch den Menschen geprägt, es gibt dort keinen tropischen Urwald wie bei den Orten in Zentralafrika, wo frühere Ebolafieberausbrüche begonnen hatten. Die Wissenschaftler fanden fünfzig Meter vom Wohnort des Jungen entfernt einen einzelnen hohlen Baum, in dem die Kinder vor Ort oft gespielt haben.

Obwohl der Baum kurz vor dem Eintreffen der Wissenschaftler gebrannt hatte, konnte das Team die Erbsubstanz der Fledermaus-Art nachweisen, die vor dem Brand auf dem Baum gelebt hatte. Gefunden wurde die Erbsubstanz in Boden und Ascheproben. Es handelte sich um Mops condylurus, eine Spezies, die schon bei früheren Ebola­aus­brüchen als mögliches Reservoir diskutiert worden ist und von der bekannt ist, dass sie Ebolavirus-Infektionen überlebt und in der Antikörper gegen Ebolaviren gefunden worden waren. Die Forscher vermuten daher, dass hier der Ursprung des Ebola­ausbruches liegt. „Die jetzige Arbeit ist vermutlich der bestmögliche Einblick, der in die Ursprünge des aktuellen Ausbruchs zu gewinnen ist“, kommentiert das Robert Koch-Institut die Ergebnisse. 

Neben dem Robert Koch-Institut haben sich das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig, die Wild Chimpanzee Foundation in Guinea, die Phillips Universität Marburg, das Institut für Tropenmedizin und internationale Gesundheit an der Charité Universitätsmedizin Berlin und die McGill University, Montreal, Canada, an den Forschungen beteiligt.

© hil/aerzteblatt.de

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