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Medizin

Bis zu zwei Prozent der deutschen Bevölkerung von Schlafmitteln abhängig

Freitag, 2. Januar 2015

Köln – Jährlich werden 230 Millionen Tagesdosen an Benzodiazepinen von den gesetz­lichen Kran­ken­ver­siche­rungen abgerechnet. Ungefähr die gleiche Menge wird zusätzlich über Privatrezepte verordnet, was jedoch meist nicht berücksichtigt wird. Die genaue Zahl der Benzodiazepin-Abhängigen ist bisher unbekannt, liegt aber ungefähr zwischen 128.000 bis 1,6 Millionen Menschen in Deutschland. Katrin Janhsen et al. zeigen in ihrer aktuellen Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 1-7), wie die hohe Verschreibungszahl der Benzodiazepinen zu Stande kommt und  worauf bei der Entgiftung zu achten ist.

Die Benzodiazepine sind wichtig Wirkstoffe, die in der Notfallmedizin, in der Anästhesie oder bei psychiatrischen Notfällen kaum wegzudenken sind. Verbreiteter sind sie jedoch als Schlaf- und Beruhigungsmittel, wie zum Beispiel in Form des klassischen Valiums. Jeder Zweite, der eines dieser Medikamente zu sich nimmt, schluckt es aufgrund von  Schlafstörungen und jeder Vierte gegen innere Unruhe, Nervosität, Erregungs- oder Spannungszustände.

Probleme der Dauertherapie mit Benzodiazepinen und verwandten Substanzen: Verschreibungspraxis, Epidemiologie und Entzugsbehandlung

Missbrauch und -abhängigkeit von Benzodiazepinen sind seit rund 40 Jahren bekannte Probleme (1, 2, e1). Pharmazeutische Unternehmen und die deutsche Zulassungsbehörde haben daher seit den 1980er Jahren die Anwendungsdauer auf in der Regel zwei bis vier Wochen beschränkt.

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Die Benzodiazepine haben zwar eine gute Wirksamkeit, aber auch bekanntermaßen ein hohes Missbrauchs- und Abhängigkeitsrisiko. Die Arzneimittelrichtlinie gibt in der Regel ein Einnahmezeitraum von bis zu vier Wochen an. Die tatsächlich verkauften Tabletten deuten jedoch häufig auf einen andauernden Verbrauch hin.

Muss ein Benzodiazepinen-Abhängiger entwöhnt werden, ist ein langwieriger Entzug notwendig. Bei ausgeprägter Medikamentenabhängigkeit muss sogar eine stationäre Behandlung durchgeführt werden, wie die Autoren anhand eines Ablaufschemas zeigen. Sie betonen, dass Ärzte unsachgemäße Langzeitverordnung vermeiden sollen und über die Prävention und Behandlung von Arzneimittelabhängigkeit intensiver fortgebildet werden müssten. © mei/aerzteblatt.de

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