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Medizin

Physiologie: Wie subkutanes Fett vor Infektionen schützt

Montag, 5. Januar 2015

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von MRSA /dpa

San Diego – Die Haut schützt den menschlichen Körper vor Infektionen. Neben der Epidermis, die eine mechanische und chemische Barriere bildet, hilft auch das subkutane Fettgewebe bei der Abwehr von Krankheitserregern, wie in Science (2015; 347: 67-71) vorgestellte Experimente zeigen.

Wenn Bakterien wie die gefürchteten methicillinresistenten S. aureus (MRSA) die Epidermis durchdringen, kommt es zu einer Entzündungsreaktion, die die Beseitigung der Eindringlinge zum Ziel hat. Dazu werden Signale an das Immunsystem gesandt, das neutrophile Granulozyten und Monozyten im Knochenmark mobilisiert. Doch bis die Abwehrzellen am Ort des Geschehens eintreffen, können Stunden bis Tage vergehen.

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In dieser Zeit ist die Haut den Erregern allerdings nicht schutzlos ausgeliefert. Die Haut enthält einige ansässige Abwehrzellen, die Erstmaßnahmen ergreifen, bei denen überraschenderweise auch die subkutanen Fettzellen eine Rolle spielen, wie das Team um Richard Gallo von der San Diego School of Medicine an Mäusen zeigen kann.

Die Forscher injizierten Mäusen MRSA in die Haut. Zu den ersten Veränderungen gehör­te eine Proliferation der Fettzellen in der Dermis. Die Zellen bilden nach kurzer Zeit eine Schutzschicht aus Fettgewebe, die offenbar die weitere Ausbreitung der Infektion verhin­dern soll. Diese Abwehr ist allerdings nicht rein passiv.

Gallo kann nachweisen, dass die Fettzellen Cathelicidin freisetzen. Dieses Peptid hat eine antimikrobielle Wirkung. Es ist ein bekannter Bestandteil der angeborenen Immunantwort, die von einer Reihe von Abwehrzellen gebildet werden. Dass auch Adipozyten Cathelicidin freisetzen, war bisher nicht bekannt. Gallo kann zeigen, dass Mäuse mit einer gestörten Funktion des Fettgewebes anfälliger für MRSA-Infektionen sind.

Die Abwehrfunktion des subkutanen Fettgewebes erscheint biologisch plausibel. Sie bedeutet allerdings nicht, dass dicke Menschen besser vor Infektionen geschützt sind als schlanke. Die Experimente von Gallo zeigen zwar, dass adipöse Mäuse erhöhte Cathelicidin-Konzentrationen im Blut haben. Diese Wirkung muss allerdings den nega­tiven Auswirkungen des metabolischen Syndroms auf die Immunfunktion gegenüber­gestellt werden. Epidemiologische Untersuchungen haben ergeben, dass adipöse Menschen mehr als  dreifach häufiger an schweren Haut- und Weichteilinfektionen durch MRSA erkranken als Normalgewichtige (Am J Surg. 2011; 201: 216-20).

© rme/aerzteblatt.de

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