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Ausland

Syrische Ärzte warnen vor medizinischem und humanitärem Desaster

Dienstag, 6. Januar 2015

Anfang Januar im zerstörten Aleppo dpa

Paris – Es mangelt an Ärzten, Medikamenten, Geräten – und lange Zeit verschwundene Krankheiten machen sich wieder breit: Syrische Ärzte haben in Paris vor einem „medizinischen und humanitären Desaster“ in ihrem Land gewarnt, wo seit fast vier Jahren ein Bürgerkrieg wütet. „Die Lage ist unerträglich, katastrophal“, betonte Ubaida al-Mufti, Mitglied der syrischen Notärzte-Vereinigung (UOSSM), am Montagabend vor Journalisten im Pariser Außenministerium. In vielen Teilen Syriens gebe es gar keine ärztliche Versorgung mehr.

Ausgerottete Krankheiten kommen wieder
Im östlichen Teil von Aleppo, der von der Opposition kontrolliert wird, gibt es den Angaben zufolge für 360.000 Menschen nur noch fünf Krankenhäuser, von denen drei nicht voll funktionsfähig sind. „Insgesamt arbeiten dort nur noch 30 Ärzte“, erläuterte ein Mediziner aus Aleppo. Zugleich tauchten Krankheiten, die bereits als ausgerottet galten, wieder auf – wie Polio, Tuberkulose, Grätze oder Typhus.

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Humanitäre Hilfseinsätze: Helfer geraten zur Zielscheibe

Ärzte und Krankenpfleger, die in Kriegs- und Krisengebieten medizinische Hilfe leisten, werden immer häufiger selbst Opfer von Gewalt. 1 800 Übergriffe auf medizinische Einrichtungen zählte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz 2012 und 2013 – Tendenz steigend.

Ein anderer Arzt beschrieb die verheerende Lage in Ghuta am Rande von Damaskus. Das Gebiet sei seit zwei Jahren von Regierungstruppen umzingelt, es sei unmöglich humanitäre Hilfe dorthin zu bringen. In den von der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) kontrollierten Gebieten wiederum hätten die Ärzte keinerlei Unterstützung von Nichtregierungsorganisation mehr, die alle abgezogen seien.

Täglich zwischen 30 und 60 Tote unter Zivilisten
In der nordsyrischen IS-Hochburg Raka mit rund 1,6 Millionen Einwohnern, gebe es „keine Entbindungsstation, keinen Gynäkologen, keinen Kinderarzt“ mehr, berichtete al-Mufti. 80 Prozent aller Entbindungen fänden nun zu Hause statt, Kinder würden nicht mehr geimpft. Der Krieg in Syrien richte verheerende Schäden unter der Zivilbevölkerung an, sagte Tawfik Schamaa, ein Vertreter der UOSSM in der Schweiz. Täglich würden in Syrien zwischen 30 und 60 Zivilisten getötet.

250 Ärzte in drei Jahren getötet
Die Ärzte der Vereinigung UOSSM, die in ganz Syrien mehr als 300 Praxen betreibt, versuchen in allen Zonen zu arbeiten - egal, ob sie von Regierungstruppen, der syrischen Opposition oder dem IS kontrolliert werden.  Sie seien neutral, betonten die Ärzte. Damit seien sie allerdings auch Gewalt von allen Seiten ausgesetzt und hätten keine Gewähr für ihre Sicherheit. UOSSM verfügt nach eigenen Angaben über eine Liste mit den Namen von 250 Ärzten, die in den vergangenen drei Jahren getötet wurden.

Seit Beginn des Konflikts in Syrien im März 2011 wurden mehr als 200.000 Menschen getötet. Mehr als drei Millionen Syrer flüchteten ins Ausland und 6,5 Millionen sind Vertriebene im eigenen Land. © afp/aerzteblatt.de

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