NewsMedizinDegenerative Hirnerkrankungen erhöhen Kriminalität
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Degenerative Hirnerkrankungen erhöhen Kriminalität

Mittwoch, 7. Januar 2015

dpa

San Francisco – Demenz-Patienten geraten häufiger als andere Menschen mit dem Gesetz in Konflikt. Besonders gefährdet sind einer Studie in JAMA Neurology (2015; doi: 10.1001/jamaneurol.2014.3781) zufolge Patienten mit frontotemporaler Demenz.

Patienten mit frontotemporaler Demenz (FTD), auch Morbus Pick genannt, sind für ihre Mitmenschen eine starke Belastung. Die Degeneration in Stirnhirn und Schläfenlappen führt zu einer Veränderung der Persönlichkeit, die archaische Wesenszüge zutage treten lässt, die Erziehung und Sozialisierung normalerweise verdecken. Anfangs sind es nur Taktlosigkeiten im Umgang mit Mitmenschen. Später kommt es zur Verletzung sozialer Normen, die neben dem Ärger der Mitmenschen auch polizeiliche Aktionen zur Folge hat.

Anzeige

Von den 260 Patienten mit einer FTD, die am Memory and Aging Center der Universität von Kalifornien in San Francisco behandelt wurden, waren vor ihrer stationären Behand­lung nicht weniger als 88 (33,8 Prozent) bereits mit dem Gesetz in Konflikt geraten, wobei Patienten mit der verhaltensbetonten Variante der FTD (37,4 Prozent) häufiger Probleme hatten als Patienten mit der sprachbetonten Variante der FTD (27 Prozent), bei denen zu der Demenz ein Verlust der semantischen Fähigkeiten hinzu kommt. FTD-Patienten waren wegen Diebstahl, Verkehrsverletzungen, sexueller Avancen, Hausfriedensbruch und Urinierens in der Öffentlichkeit verhaftet worden.

Auch Patienten mit Morbus Huntington, bei denen psychische Beschwerden den Bewegungsstörungen oft um mehrere Jahre vorausgehen, laufen Gefahr, delinquent zu werden. Das Team um Bruce Miller vom Memory and Aging Center fand bei sechs von 30 Patienten (20 Prozent) mit der Huntington-Krankheit Einträge im kalifornischen Strafre­gister. Während Menschen mit FTD gewalttätig werden können, ist die Delinquenz von Patienten mit Morbus Alzheimer (42 von 545 Patienten oder 7,7 Prozent) meistens Folge ihrer Gedächtnisstörung. Die meisten Patienten fielen der Polizei durch unachtsames Verhalten im Straßenverkehr auf.

Für die Neurologen in Kalifornien ist es nicht immer einfach, ihre Patienten vor einer Strafverfolgung zu schützen. Die im US-amerikanischem Strafrecht verankerte Einrede einer geistig-seelischen Störung („defence of insanity“) werde dem Spektrum der Symptome bei Demenzpatienten nicht immer gerecht, schreibt Miller. Vielfach falle es den Psychiatern schwer, das Gericht von der Schuldunfähigkeit ihrer Patienten zu überzeugen.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #545053
Dr. Wolf-Rüdiger Palmer
am Samstag, 23. Mai 2015, 12:00

Demenz und Delinquenz

Schuldfähigkeit kontrovers
LNS

Nachrichten zum Thema

14. Oktober 2019
Heidelberg – Im Vergleich verschiedener Risikoprädiktoren für Alzheimer konnte die Bestimmung des fehlerhaft gefalteten Proteins Amyloid-β im Blut bei noch symptomfreien Menschen die beste
Fehlerhafte Proteinfaltung als Alzheimer-Risikomarker besser als Apolipoprotein-E-Genvariante
10. Oktober 2019
Boston – US-Forscher haben in einer „N-of-1“-Studie ein 7-jähriges Mädchen mit einer neuronalen Ceroid-Lipofuszinose mit einem Antisense-Oligonukleotid behandelt, das speziell für die Patientin
Forscher stellen Wirkstoff für eine einzige Patientin mit Batten-Syndrom her
2. Oktober 2019
Hohenroda – Hessens erstes Dorf für Demenzkranke, das im osthessischen Hohenroda geplant wird, wird laut Prognosen immer teurer. Das Projekt schlägt mittlerweile mit rund elf Millionen Euro zu Buche,
Hessens erstes Dorf für Demenzkranke wird deutlich teurer
2. Oktober 2019
Berlin – Das Beratungsangebot der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) ist offenbar gefragt. Mehr als 100.000 Anrufe und E-Mails beantworteten die Berater des „Alzheimer-Telefons“ seit dem Start
Mehr als 100.000 Beratungen bei „Alzheimer-Telefon“
25. September 2019
Karlsruhe – Ein Pflegeheim muss Demenzkranke ohne Anhaltspunkte für ein Sturzrisiko nicht lückenlos beaufsichtigen. Dies entschied das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe in einem heute veröffentlichten
Pflegeheim muss Demenzkranke nur bei bekanntem Sturzrisiko lückenlos überwachen
20. September 2019
Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat davor gewarnt, Demenzerkrankte in die Isolation zu treiben. Es sei wichtig, Menschen mit Demenz offen und unvoreingenommen gegenüberzutreten und sie am
Bundesärztekammer mahnt Integration Demenzkranker an
17. September 2019
Berlin – Alzheimer-Demenz muss endlich vom „Stigma der unbehandelbaren Krankheit“ befreit werden. Dazu haben Experten in Berlin im Vorfeld des Welt-Alzheimer-Tages aufgerufen. Bei beginnender Demenz
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER