NewsPolitikArbeitslosenquote in Stadtteilen korreliert mit Zahl der Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Arbeitslosenquote in Stadtteilen korreliert mit Zahl der Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen

Mittwoch, 7. Januar 2015

dpa

Dresden – Je höher die Arbeitslosigkeit in Dresdner Stadtteilen ist, umso häufiger werden von hier aus Jugendliche mit einem behandlungsbedürftigen Alkoholrausch in die Klinik eingeliefert. Das berichten Ärzte der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden in der Fachzeitschrift European Addiction Research (DOI: 10.1159/000362410).

Die Forscher werteten dazu alle 586 Fälle aus den Jahren 2003 bis 2008 aus, bei denen Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren wegen eines Vollrausches in eine der beiden Dresdner Kinderkliniken eingeliefert wurden. Dabei stellten die Forscher bei der Herkunft der Rauschtrinker erhebliche Unterschiede zwischen bestimmten Dresdner Stadtteilen fest, die in Abhängigkeit von der Arbeitslosenquote stehen. Auch der Anteil an alleinerziehenden Familien ist in den Dresdner Stadtteilen mit den höchsten Raten an jugendlichen Rauschtrinkern überdurchschnittlich hoch.

Anzeige

Die Arbeitslosenquote liegt in den Bezirken Dresdens zwischen fünf und 18 Prozent. Der Anteil der jeweils dort wohnhaften Jugendlichen, die von 2003 bis 2008 alkoholbedingt ins Krankenhaus kamen, schwankte zwischen 0 und 3,5 Prozent. Bei Bewohnern von Ortsamtsbereichen mit hoher Arbeitslosigkeit war auch der Anteil der Jugendlichen mit alkoholbedingten Krankenhausbehandlungen hoch. Diese Beobachtung trifft beispiels­weise auf die Dresdner Stadtteile Pieschen oder Cotta zu. Umgekehrt kamen deutlich weniger jugendliche Rauschtrinker aus Ortsamtsbereichen mit geringerer Arbeitslosigkeit wie Dresden-Klotzsche.

„Trotz eines allgemeinen Rückgangs von jugendlichem Komatrinken tritt das Problem häufiger in sozial schwächeren Wohngebieten auf. Das weist auf den spezifischen Bedarf an präventiven Maßnahmen in diesen Gegenden hin, der ungeachtet sinkender Zahlen bestehen bleibt“, sagte Ulrich Zimmermann, stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie und Leiter des Forscherteams für die Dresdner Studie.

Besonderen Handlungsbedarf sieht er in Sachsen: „Vor allem hier ist der Rückgang an jugendlichen Rauschtrinkern erheblich niedriger als in anderen Bundesländern, so dass wir uns nicht in falscher Sicherheit wiegen dürfen – zumal in Sachsen die Häufigkeit jugendlicher Alkoholvergiftungen zuletzt ziemlich genau im Bundesdurchschnitt aller Länder lag, der Rückgang aber am geringsten ist“, so Zimmermann.  © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Oktober 2019
Rostock – Armut, Arbeitslosigkeit und schlechte Bildung gehen in Deutschland mit einer deutlich verkürzten Lebenserwartung einher. Das berichten Forscher des Max-Planck-Instituts für demografische
Armut geht mit verringerter Lebenserwartung einher
1. Oktober 2019
Moskau – Russland macht nach einer neuen Studie der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) Fortschritte im Kampf gegen den Alkohol. Der Konsum sei von 2003 bis 2016 um 43 Prozent zurückgegangen, teilte die
Russland macht Fortschritte im Kampf gegen Alkohol
23. September 2019
Frankfurt am Main – Ein Nahrungsergänzungsmittel darf nicht als Behandlungsmittel oder zur Vorbeugung eines Alkoholkaters beworben werden. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) in einem heute
Nahrungsergänzungsmittel darf nicht mit „Kater“-Heilung beworben werden
9. September 2019
München/Köln – Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ist die häufigste Ursache für nicht genetisch bedingte, frühkindliche Fehlbildungen. Eine neue Petition macht sich für ein Warnlogo für Schwangere
Ärzte unterstützen Petition für Warnlogo auf alkoholischen Getränken
6. September 2019
Berlin – Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) hat auf die Gefahren von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft aufmerksam gemacht. Alkohol in der Schwangerschaft oder Stillzeit gefährde die
Psychotherapeuten warnen vor Folgeschäden durch Alkoholkonsum von Schwangeren
31. Mai 2019
Berlin – Alkohol hemmt die Gluconeogenese und senkt auf diese Weise den Blutzucker. Ist Alkohol demzufolge für Diabetiker vorteilhaft, gar empfehlenswert? Oder drohen ihnen im Gegenteil
Diabetes: Die richtigen Empfehlungen zum Umgang mit Alkohol
20. Mai 2019
Nürnberg/Erlangen – Ärzte und Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) wollen Alkoholkranken nach einem Klinikaufenthalt mit einer Kombination aus App und
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER