NewsMedizinÜbergewichtige Herzin­suffizienz-Patienten leben länger
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Übergewichtige Herzin­suffizienz-Patienten leben länger

Donnerstag, 8. Januar 2015

Houston – Patienten, die an einer Herzinsuffizienz leiden und übergewichtig sind, leben länger als normalgewichtige Insuffizienz-Patienten. Zu diesem Schluss kommt die Arbeitsgruppe um Anita Deswal am Baylor College of Medicine, Houston. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse im Journal of the American College of Cardiology (http://dx.doi.org/10.1016/j.jacc.2014.09.067).

Das sogenannte Adipositas-Paradoxon beschreibt das Phänomen, das bei einigen chronischen Erkrankungen Übergewicht scheinbar einen Überlebensvorteil für die Patienten bietet. So zeigen beispielsweise Patienten, die an Diabetes erkranken und zum Diagnosezeitpunkt übergewichtig sind, laut den Autoren bessere Überlebensraten als Patienten, die bei Diagnose normalgewichtig sind.

Da Übergewicht jedoch andererseits ein wesentlicher Risikofaktor für viele chronische Erkrankungen ist und Patienten oft von einer Gewichtsreduktion profitieren, sind die Hintergründe dieser statistischen Beobachtung weitestgehend unbekannt. Einige Arbeitsgruppen konnten diesen Zusammenhang für kurze Zeiträumen auch bei Patienten mit Herzversagen oder chronischer Herzinsuffizienz nachweisen. Die Arbeitsgruppe wollte mit ihrer Studie untersuchen, ob dieser Überlebensvorteil auch für längere Zeiträume und bei vorbestehendem Übergewicht gilt.

Anzeige

1.487 Patienten der ARIC-Studie (Atherosclerosis Risk In Communities) schlossen die Wissenschaftler in ihre Auswertung ein. Sie erfassten den Body-Mass-Index (BMI) der Patienten mindestens sechs Monate vor Diagnose der Herzinsuffizienz. Dabei unter­schieden sie zwischen normalgewichtigen (BMI 18,5- 25 kg/m²), übergewichtigen (BMI 25-30 kg/m²) und fettleibigen (BMI ab 30 kg/m²) Patienten. 35 Prozent der untersuchten Patienten hatten Übergewicht und 47 Prozent wurden von den Wissenschaftlern als fettleibig eingestuft.

Im Verlaufe des zehnjährigen Beobachtungszeitraumes starben 43 Prozent der Patien­ten. Verglichen mit den normalgewichtigen Patienten sank das Sterberisiko bei Übergewicht um 28 Prozent und bei Fettleibigkeit um 30 Prozent. Dieser Zusammenhang war bei den Patienten unabhängig von einer vorbestehenden Krebs- oder Diabe­teserkrankungen oder dem Raucherstatus der Teilnehmer.

Im Falle einer chronischen Herzinsuffizienz konnten die Forscher für vorbestehendes Übergewicht einen Überlebensvorteil nachweisen. Ob möglicherweise ein Idealgewicht existiert, welches auch als Ansatzpunkt für Interventionen dienen könnte, sei jedoch durch die Studie nicht zu beantworten. Möglicherweise könnte sich die Erkrankung bei Übergewichtigen lediglich früher manifestieren und so den Überlebensvorteil erklären, vermuten die Autoren. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

24. September 2019
Glasgow – Der SGLT2-Inhibitor Dapagliflozin, der die Ausscheidung von Glukose über die Nieren fördert und dabei auch eine diuretische Wirkung erzielt, hat in einer internationalen Studie bei Patienten
Diabetesmedikament schützt auch Herz von Nichtdiabetikern
2. September 2019
Boston – Der Neprilysin-Inhibitor Sacubitril, der das Leben von Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz verlängern kann, hat in einer weltweiten Studie bei Patienten mit diastolischer
Studie: Sacubitril/Valsartan bei diastolischem Herzversagen ohne wesentliche Vorteile
28. August 2019
Würzburg – Eine speziell ausgebildete Herzinsuffizienz-Pflegekraft soll am Universitätsklinikum Würzburg Patienten schulen und deren Klinikentlassung sowie die Zuweisung zum Haus- und Facharzt für die
Spezialisierte Pflegekraft soll Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz verbessern
27. August 2019
San Francisco – Die mit 2 Jahren Verspätung im New England Journal of Medicine (2019; 381: 716-726) publizierten Ergebnisse der Studie RELAX-AHF-2 werfen für Kardiologen grundsätzliche Fragen auf. Ist
Akute Herzinsuffizienz: Eine Krankheit oder nur eine Episode?
19. Juli 2019
Sydney – Das bei Diabetes erhöhte Herzinsuffizienzrisiko ist unter den Geschlechtern nicht gleichmäßig verteilt: Bei Frauen geht die Diabeteserkrankung mit einer stärkeren Risikoerhöhung einher als
Frauen mit Diabetes stärker für Herzinsuffizienz gefährdet als männliche Patienten
21. Juni 2019
Berlin – Die überarbeitete Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) Chronische Herzinsuffizienz steht ab sofort zur Konsultation bereit. Für die 3. Auflage wurden unter anderem die Kapitel zu Diagnostik,
NVL Chronische Herzinsuffizienz zur Kommentierung im Netz
23. April 2019
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat eine wissenschaftliche Erprobungsstudie beauftrag, die ein neues Verfahren für telemedizinisches Monitoring bei Herzinsuffizienz untersuchen soll.
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER