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Bürokratieabbau: KV Westfalen-Lippe und Barmer GEK wollen nicht locker lassen

Mittwoch, 7. Januar 2015

Lopata

Berlin – Weniger Papierkram, mehr Zeit für Patienten – das wünschen sich viele nieder­gelassene Ärztinnen und Ärzte. Wie dieses Anliegen praxisnah umgesetzt werden kann, schilderten Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe und der Barmer GEK heute in Berlin. Seit dem Jahr 2011 arbeiten beide daran, unnütze Büro­kratie zu identifizieren und Verbesserungen vorzuschlagen. Kernanliegen ist es dabei, „Mustervordrucke und Kassenanfragen zu straffen und so zu gestalten, dass sie pass­genaue Informationen für eine hochwertige Versorgung liefern“, wie die Barmer GEK betont.

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„Ich kann gut verstehen, dass viele Vertragsärztinnen und -ärzte sagen: Vier Seiten Formular, von jeder Kasse anders ­ – damit kann und will ich mich nicht beschäftigen“, erklärte Christoph Straub, der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK. Um den Formular­dschungel zu lichten, haben Vertreter der Barmer, der KV Westfalen-Lippe, des Medizinischen Dienstes sowie eine Handvoll Vertragsärzte in Dortmund, Münster und Borken so genannte Formularlabore gegründet. Bei deren regelmäßigen Treffen wird besprochen, welche Vordrucke und Anfragen sich wie verbessern ließen. Auch über formfreie Arztanfragen, die viele verärgern, wird diskutiert.

Die anderen sind schuld – das hilft nicht weiter
Dass es ganz ohne Bürokratie nicht geht, stellte Straub klar. „Wir brauchen zum Teil sehr präzise Daten, beispielsweise für Krankengeldzahlungen“, sagte er. Aber bei vielen Vordrucken werde zu Recht eine „mangelnde Praxis- und Prozessorientierung“ beklagt. Entscheidend für Verbesserungen sei, den Bürokratieabbau zu einem gemeinsamen Projekt von Ärzteschaft und Krankenkassen zu machen. „Der Weg dahin ist ein wechselseitiges Verständnis“, betonte der Barmer-Vorstand. „Notwendig ist die Überwindung der Haltung: Doof sind die anderen, und schuld sind die anderen auch.“ Straub wies außerdem darauf hin, dass viele Formulare auf Bundesebene entwickelt und folglich nur dort geändert werden könnten: „Dass wir es in Westfalen-Lippe nicht allein können, wissen wir. Aber wir wollen mit Westfalen-Lippe zeigen, dass es geht.“

Bürokratie kostet wichtige Patientenzeit
Davon ist auch Thomas Kriedel überzeugt, Vorstand der KV Westfalen-Lippe. Er beschäftigt sich seit dem Jahr 2006 intensiv mit dem Thema. „Wir brauchen eine klare Dokumentation“, stellte er klar. „Aber doch bitte nicht acht Wochenstunden dafür.“ Durch Bürokratie gehe wichtige Patientenzeit verloren, betonte Kriedel. „Nicht nur heutige Vertragsärzte leiden darunter. Auch für den ärztlichen Nachwuchs sind Formulare und Dokumentationsvorschriften das sprichwörtliche rote Tuch.“

Kriedel forderte, Vorschläge zum Bürokratieabbau aus den Praxen ernster als bisher zu nehmen. Geplante neue Formulare solle man grundsätzlich erst einmal auf Landese­bene in Testregionen von Ärzten und Krankenkassen ausprobieren lassen, bevor man sie bundesweit vorschreibe. „Um an den richtigen Stellen zu entbürokratisieren, müssen alle beteiligten Akteure eng zusammenarbeiten“, betonte der KV-Vorstand. Es freue ihn deshalb, dass auch die KVen in Bayern und Niedersachsen Formularlabore auf den Weg gebracht hätten und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die Bemühungen in Westfalen-Lippe und anderswo unterstütze.

KV Bayerns: Mehr Mitsprache aus der Praxis heraus
„Wir wollen, dass Ärzte ein Mitspracherecht bei der Formulargestaltung erhalten“, betonte das Vorstandsmitglied der KV Bayerns, Ilka Enger. Formularlabore hält Enger für einen guten Weg. Allerdings gebe es Krankenkassen in ihrer Region, die das Thema vorantreiben wollten, und andere, die es als lästig empfänden. Stoff für solche Arbeitsgruppen hätte Bayern genug: Ein Jahr lang hat dort eine „Anlaufstelle für Bürokratieabbau“ von KV und Ge­sund­heits­mi­nis­terium zusammengetragen, wo und wie Bürokratie im Gesundheitswesen überflüssige Verwaltungsprozesse schafft und wie Abhilfe aussehen könnte.

Jörg Berling, Vorstand der KV Niedersachsen, wies darauf hin, dass sich auch seine KV unter dem Motto „Mehr Zeit für Patienten – Bürokratieabbau jetzt“ vehement für Erleich­terungen einsetze. Berling verdeutlichte jedoch anhand von zwei seit Jahren umstrittenen Anträgen auf Rehabilitation, wie schwierig und langwierig es sei, Verbesserungen zu erzielen.

„Das Reha-Muster ist ein konstantes Ärgernis“, bestätigte Bernhard Gibis, KBV-Dezer­nent. Er verwies ergänzend darauf, dass das KBV-Onlineforum „Mehr Zeit für Patienten“ wichtige Hinweise erbracht habe, welche bürokratischen Vorgaben Ärzte behinderten. „Das Thema Bürokratieabbau muss man sehr ernst nehmen“, stellte er klar. Es bedürfe aber von politischer Seite einer Verbindlichkeit über erklärte Abbauziele, sagte Gibis: „Sonst passiert nichts.“ © Rie/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Donnerstag, 8. Januar 2015, 17:04

Bürokratie identifizieren

Was ist denn mit millionenschweren Terminservicestellen, die im neuen Gesetzentwurf stehen?
Gröhe-Termin-Büro - wo das Bürokratiemonster dann darin tobt!
LNS

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