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Medizin

Mammafrühkarzinom: Paclitaxel plus Trastuzumab im Stadium I in Studie sicher

Montag, 12. Januar 2015

dpa

Boston – Eine auf die Wirkstoffe Paclitaxel plus Trastuzumab beschränkte adjuvante Therapie hat in einer offenen Phase II-Studie bei Frauen im Stadium I des Mammakar­zinoms Rezidive weitgehend vermieden und eine gute Verträglichkeit gezeigt. Mangels Kontrollgruppe dürfte der im New England Journal of Medicine (2015; 372: 134-141) vorgestellte Therapieansatz umstritten bleiben.

Frauen mit einem Mammafrühkarzinom haben auch ohne adjuvante Chemotherapie eine exzellente Prognose. Etwas ungünstiger ist sie bei Tumoren, die den Rezeptor HER2 exprimieren. Bei diesen Patientinnen bietet sich eine Therapie mit Trastuzumab an, das HER2 blockiert. Der Nutzen muss jedoch mit den Risiken und Nebenwirkungen in Bezie­hung gesetzt werden: Trastuzumab kann die Herzfunktion auf Dauer verschlechtern. Die Zytostatika, mit denen Trastuzumab in der adjuvanten Therapie kombiniert wird, verschlech­tern die Lebensqualität der Patientinnen.

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Die Frage, ob die Vorteile der adjuvanten Therapie die möglichen Nachteile aufwiegen, stellt sich insbesondere in den frühen Stadien der Erkrankung, wenn der Tumor eine Größe von unter 2 Zentimetern hat und die Lymphknoten nicht befallen sind. Ein Team von US-Onkologen um Eric Winer vom Dana–Farber Cancer Institute in Boston schlägt hier eine Kombination vor, die Trastuzumab mit dem Zytostatikum Paclitaxel kombiniert. Auf die sonst üblichen Zytostatika Doxorubicin und Cyclophosphamid wurde verzichtet, um die Verträglichkeit zu verbessern.

Die Therapie wurde in einer offenen Phase II-Studie an 406 Patientinnen erprobt, deren Tumor sich bei 91 Prozent im Stadium T1 (Größe unter 2 Zentimeter) und bei 9 Prozent im Stadium T2 (Tumorgröße 2 bis 3 Zentimeter) befand. In den ersten 12 Wochen erhielten die Patientinnen beide Medikamente, in den darauf folgenden neun Monaten wurden sie nur noch mit Trastuzumab behandelt.

Inzwischen sind median vier Jahre seit der Behandlung vergangen. In dieser Zeit kam es bei 12 Patientinnen (3,0 Prozent) zu einem Rezidiv oder zu einem Todesfall. Darunter waren nur zwei Frauen mit Fernmetastasen, bei drei weiteren Frauen wurde ein Befall der Axilla festgestellt. Die beiden Todesfälle waren nicht auf den Krebs zurückzuführen. Winer gibt die 3-Jahres-Überlebensrate ohne invasive Erkrankungen mit 98,7 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 97,6 - 99,8) an.

Die Verträglichkeit der Behandlung war gut. In den ersten 12 Wochen kam es nur bei 13 Patientinnen (3,2 Prozent; 1,7 - 5,4 Prozent) zu einer Neuropathie vom Grad 3. Bei zwei Frauen kam es – nach 6 beziehungsweise 11 Monaten – zu einem deutlichen Abfall der systolischen Herzfunktion (Grad 3 mit Symptomen einer Herzinsuffizienz). Beide Frauen erholten sich jedoch nach dem Absetzen von Trastuzumab.

Die Autoren halten die adjuvante Therapie für gut verträglich und sicher. Der Nutzen bleibt allerdings mit einem Fragezeichen versehen. Es ist anzunehmen, dass die allermeisten Patientinnen auch ohne adjuvante Therapie ohne Rezidiv geblieben wären. In der größten retrospektiven Studie zur Prognose im Stadium T1 lag die 5-Jahres-Überlebensrate ohne Fernmetastasen im Bereich von 94 bis 96 Prozent, in anderen kleineren Untersuchungen aber auch unter 70 Prozent.

Der Vergleich mit den älteren Zahlen ist wegen der zahlreichen Verzerrungen in retrospektiven Studien problematisch. Es ist jedoch anzunehmen, dass eine rando­misierte Vergleichsstudie gegen Placebo einen Vorteil der adjuvanten Therapie im Stadium I des HER2-positiven Mammakarzinoms nur bei einer sehr großen Teilnehmer­zahl nachweisen könnte. Angesichts der Bekanntheit der Therapie hält es Winer für unwahrscheinlich, dass sich genügend Teilnehmerinnen finden würden.

© rme/aerzteblatt.de

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