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Medizin

Rauchstopp: Vareniclin nur bei normalen Metabolisierern effektiver als Nikotinpflaster

Montag, 12. Januar 2015

dpa

Philadelphia – Die Geschwindigkeit, mit der Nikotin in der Leber abgebaut wird, beeinflusst die Erfolgschancen einer medikamentösen Unterstützung der Raucherent­wöhnung. In einer randomisierten klinischen Studie in Lancet Respiratory Medicine (2015; doi: org/10.1016/S2213-2600(14)70294-2) war der partielle Nikotin-Agonist Vareniclin einer konventionellen Ersatztherapie mit Nikotinpflastern nur bei normalen Metabolisierern überlegen.

Nikotin wird in der Leber in Cotinin metabolisiert. Der Abbau erfolgt über das Enzym CYP2A6. Wie bei anderen Zytochrom P450-Enzymen gibt es genetisch bedingte Unterschiede in der Metabolisierungsrate. Etwa 40 Prozent der Bevölkerung gehören zu den langsamen Metabolisierern. Bei ihnen erzielen Zigaretten eine längere stimulierende Wirkung als bei den normalen Metabolisierern. Die normalen Metabolisierer verspüren deshalb früher den Drang nach einer weiteren Zigarette.

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Das nordamerikanische Pharmacogenomics Research Network, das den Einfluss von Genen auf die Medikamentenwirkung erforscht, hat im Auftrag des US-National Institute on Drug Abuse untersucht, welchen Einfluss die Metabolisierungsrate von Nikotin auf die Raucherentwöhnung hat. In einer randomisierten Studie wurden 1.246 abstinenzwillige Raucher auf drei Gruppen verteilt, die über 11 Wochen mit Placebo (Placebo-Tablette plus Placebo-Pflaster), Nikotinpflaster (aktives Pflaster plus Placebo-Pille) oder Vareniclin (aktive Pille plus Placebo-Pflaster) behandelt wurden. Alle Teilnehmer erhielten zusätzlich eine Verhaltensberatung. Primärer Endpunkt waren mindestens sieben rauchfreie Tage am Ende der Studie und ein negativer Cotinin-Test.

Die normalen Metabolisierer, die Vareniclin erhalten hatten, erreichten das Ziel doppelt so häufig wie die Anwender von Nikotinpflastern. Caryn Lerman von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia und Mitarbeiter geben die Odds Ratio mit 2,17 an, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,38 bis 3,42 signifikant ausfiel. Unter den langsamen Metabolisierern war dagegen kein Vorteil von Vareniclin (Odds Ratio 1,13; 0,74–1,71) erkennbar. Auch nach sechs Monaten waren nur die normalen Metabolisierer häufiger abstinent als die Anwender der konventionellen Nikotinpflaster.

Nach Ansicht von Mitautorin Rachel Tyndale vom Centre for Addiction and Mental Health an der Universität Toronto sprechen die Ergebnisse für die gezielte Verordnung von Vareniclin an normale Metabolisierer, zumal die langsamen Metabolisierer häufiger über Nebenwirkungen klagten, wenn sie Vareniclin statt eines Nikotinpflasters erhalten hatten.

Die Unterscheidung zwischen normalen und langsamen Metabolisierern ist durch einen Bluttest möglich, der die Konzentration von Nikotin und der Metabolite bestimmt. Da die Raucherentwöhnung mit Vareniclin deutlich teurer ist als die Nikotinpflaster, könnte dieser Ansatz durchaus Kosten sparen, meint die Editorialistin Jennifer Ware von der Universität Bristol. Die diesbezüglichen Berechnungen stehen allerdings noch aus. © rme/aerzteblatt.de

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