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Medizin

US-Landkreis senkte durch kardiovaskuläre Prävention Sterblichkeit der Bevölkerung

Donnerstag, 15. Januar 2015

Hanover – Ein dünn besiedelter Landkreis in Maine hat dank einer konsequenten kommunalen Herz-Kreislauf-Prävention die gesündeste Bevölkerung des nordöstlichen US-Bundesstaates, wie eine Studie im amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2015; 313: 147-1559) zeigt.

Der Franklin County an der Grenze zu Kanada ist mit nur 30.000 Einwohnern der zweitkleinste Landkreis im Bundesstaat Maine. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 15.000 US-Dollar gehört er zu den ärmeren Regionen im ansonsten wohlhabenden Neuengland. Jeder sechste Einwohner lebt unterhalb der Armutsgrenze. Normalerweise begünstigt Armut, vor allem in kälteren Regionen, ein ungesundes Verhalten. Die Folge ist eine hohe Zahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Auch in Franklin County lag die Sterblichkeit (an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und insgesamt) in den 1960er Jahren über dem Durchschnitt. Dies änderte sich Anfang der 70er Jahre, als der Landkreis die Herz-Kreislauf-Prävention zur Priorität erklärte. Mit den Rural Health Associates wurde eine der ersten Health Maintenance Organisationen (HMO) der USA gegründet, die in einem Land ohne allgemeine Kran­ken­ver­siche­rung eine medizinische Grundversorgung anbot. Dabei lag der Schwerpunkt von Anfang an auf der Prävention. Das 1974 ins Leben gerufene „Franklin Cardiovascular Health Program“ zielte auf die kardiovaskulären Risikofaktoren Bluthochdruck, Cholesterin, Rauchen, ungesunde Ernährung und körperliche Bewegung.

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In den ersten vier Jahren wurde bei der Hälfte der erwachsenen Einwohner der Blutdruck überprüft. Der Anteil der Hypertoniker mit kontrolliertem Blutdruck stieg von 18,3 Prozent auf 43,0 Prozent. Im Jahr 1986 wurde ein Cholesterin-Screening eingeführt. Innerhalb von fünf Jahren wurden 40 Prozent der Erwachsenen untersucht. Der Anteil der Patienten mit einem kontrollierten Cholesterinwert stieg bis 2010 von 0,4 Prozent auf 28,9 Prozent. Später wurden auch Raucherentwöhnungen angeboten. Der Anteil der Raucher, die erfolgreich abstinent wurden, stieg von 48,5 Prozent auf 69,5 Prozent an.

Die Präventionsbemühungen machten sich in einer sinkenden Zahl von Patienten bemerkbar, die wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Krankenhaus behandelt werden musste. Die damit verbundenen Einsparungen beziffert N. Burgess Record vom Franklin Memorial Hospital, dem einzigen kommunalen Krankenhaus des Landkreises, auf 5,4 Millionen US-Dollar pro Jahr.

Auch die Sterblichkeit der Bevölkerung liegt unter dem statistisch zu erwartenden Wert. Kein anderer Bezirk in Maine kann dies laut Record von sich behaupten. Auch für die Editorialisten Darwin Labarthe und Jeremiah Stamler von der Feinberg School of Medicine in Chicago belegen die Ergebnisse, dass es möglich ist, den Gesundheits­zustand der Bevölkerung in benachteiligten Regionen zu verbessern.

© rme/aerzteblatt.de

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