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Medizin

Throm­bozyten-Gabe bei Immun-Thrombo­zytopenien riskant

Donnerstag, 15. Januar 2015

dpa

Baltimore – Die Gabe von Thrombozyten-Konzentraten, die bei Thrombozytopenien Blutungen verhindern soll, ist bei immunologisch bedingten Erkrankungen riskant. Die Analyse eines Patientenregisters in Blood (2015; doi: org/10.1182/blood-2014-10-605493) dokumentiert einen deutlichen Anstieg von Komplikationen.

Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP), idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP), und die Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT) sind gekennzeichnet durch Immunreaktionen, an deren Ende ein Mangel an Blutplättchen steht. Bei der TTP sind Antikörper die Auslöser einer Blutgerinnung in den Kapillaren von Gehirn und Nieren, die die Thrombozyten verbraucht.

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Vor Einführung der Plasmapherese war die seltene Erkrankung meistens tödlich. Die häufigere ITP ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper die Thrombozyten zerstören. Bei der HIT, einer lebensbedrohlichen Reaktion auf das Medikament Heparin, kommt es zu einer paradoxen Steigerung der Blutgerinnung.

Bei allen drei Erkrankungen zeigen die Laborbefunde einen starken Abfall der Thrombozyten. In vielen Fällen reagieren die Ärzte mit der Gabe von Thrombo­zytenkonzentraten. Aaron Tobian vom der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore zeigt in einer Analyse des Nationwide Inpatient Sample, einer Stichprobe von US-Krankenhausdaten, dass 10,1 Prozent der Patienten mit TTP, 7,1 Prozent der Patienten mit HIT und 25,8 Prozent der Patienten mit ITP Thrombozytenkonzentrate erhielten.

Bei den Patienten mit ITP hatte dies keine negativen Konsequenzen. Bei der TTP ging eine Thrombozytentransfusion jedoch mit einer fünffach erhöhten Rate von arteriellen Thrombosen einher. Die Patienten erkranken doppelt so häufig an einem Herzinfarkt. Bei den Patienten mit HIT steigerten die Thrombozytentransfusionen das Risiko von arteriellen Thrombosen um das Dreifache. Das Sterberisiko verfünffachte sich.

Die häufige Gabe von Thrombozytenkonzentraten bei den drei Erkrankungen überrascht den Experten. Er vermutet, dass die Ärzte in einigen Fällen zunächst auf einen Labor­befund reagiert haben, ohne die Diagnose zu kennen, die oft erst nach einer lebens­gefährlichen Reaktion auf die Transfusion erkannt wird.

Bei anderen könnte es sich um einen verzweifelten Therapieversuch bei einer lebens­gefährlichen Konstellation gehandelt haben. Aufgrund des hohen Komplikationsrisikos warnt Tobian vor einer Thrombozytentransfusion. Bei der HIT müsste die Erstmaßnahme im Absetzen von Heparin bestehen. Patienten mit TTP sollten schnellstmöglich in ein Zentrum transportiert werden, in dem ein Plasmaaustausch möglich ist. © rme/aerzteblatt.de

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