Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Projekt „Operieren in der Schwangerschaft“ am Start

Donnerstag, 15. Januar 2015

dpa

Berlin – Dass sie während ihrer Schwangerschaft nicht operieren dürfen, wollten sie nicht länger hinnehmen: Ärztinnen des Jungen Forums der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) kämpften mit Erfolg für ihren Einsatz im Operationssaal (OP) - auch während ihrer Schwangerschaft. Dabei beriefen sie sich darauf, dass weder das Mutterschutzgesetz noch die Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz den Umgang mit schneidenden und stechenden Instrumenten und somit einen Einsatz im Operationssaal explizit ausschließen.

„Problematisch ist die jeweils eigenständige Auslegung durch die Landesaufsichts­behörden, da eine bundesweite Regelung fehlt“, berichteten Maya Niethard und Stefanie Donner. Sie leiten die Sektion Familie und Beruf des Jungen Forums der DGOU und stellten heute bei der ihr Projekt  „Operieren in der Schwangerschaft“ (OPidS) in Berlin vor.

Das Projekt, das aus ihren persönlichen Erfahrungen entstand, geht heute mit der Website www.OPidS.de an den Start. Hier finden schwangere Ärztinnen zahlreiche Informationen, auf deren Grundlage Kliniken in Rücksprache mit der zuständigen Aufsichtsbehörde für eine Schwangere die Fortführung der operativen Tätigkeit ermöglichen können. Zum Download stehen beispielsweise eine Checkliste zum strukturierten Vorgehen bereit oder ein Musterbeispiel für eine individuelle Gefährdungsbeurteilung.

Bislang führt eine Schwangerschaft bei vielen Ärztinnen zu einem weitgehenden Tätigkeitsverbot – mit den entsprechenden Auswirkungen auf die berufliche Aus- und Weiterbildung. Die Bedingungen im OP haben sich jedoch für Schwangere durch die enormen Fortschritte in der Medizin stark geändert, meinen die Mitglieder  des Jungen Forums der DGOU und des  Perspektivforums Junge Chirurgie.

Gefährdungspotenzial kann weitestgehend minimiert werden
„Durch eine individuelle Gefährdungsbeurteilung kann das Risiko für zahlreiche Gefahrenquellen im OP heute weitestgehend minimiert werden“, erläuterte Niethard. Intravenöse und regionale Anästhesieverfahren stellten eine gute Alternative zu Narkosegasen dar. Beim Röntgen könnten die Schwangeren den OP-Saal verlassen. Zudem gebe es  schnell verfügbare Tests zum Patientenscreening auf Hepatitis C und HIV sowie stichsichere Instrumente.

„Wir hatten keine Zeit, auf die längst angekündigte Reform des Mutterschutzgesetzes zu warten. Wir waren schwanger und wollten operieren. Mit unserer Erfahrung wollen wir anderen Schwangeren den Weg ebnen. Der Andrang ist sehr groß“, erklärte Donner. Beide Chirurginnen haben vor einigen Monaten ihr jeweils zweites Kind bekommen und arbeiteten bis zum sechsten beziehungsweise neunten Monat im OP.

Umfrage: 88 Prozent der schwangeren Ärztinnen wollen weiter operieren
Mit ihrem Wunsch, auch schwanger zu operieren, stehen sie nicht allein da: Eine im Oktober 2014 veröffentlichte deutschlandweite Erhebung unter Frauenärztinnen und Chirurginnen zeigt, dass 88 Prozent der befragten Schwangeren aus eigener Motivation ihre operative Tätigkeit gern fortsetzen würden. „Das Thema ist ein Brennpunkt in der Chirurgie“, sagen Niethard und Donner. Allerdings: „Die Ärztin muss frei entscheiden können, ob sie während ihrer Schwangerschaft ihrer operativen Tätigkeit weiter nachgehen möchte. Es darf nicht zu einem zwangsweisen Einsatz im OP-Saal kommen“, betonen die Ärztinnen. © ER/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

15.10.17
Schwangerschaft: Seitenlage im Schlaf entspannt den Feten
Auckland – Schwangere sollten in der Spätschwangerschaft nach Möglichkeit in einer Seitenlage schlafen. In Rückenlage kommt es beim Feten häufig zu Störungen der Bewegungen und der Herzaktivität, wie......
13.10.17
Ibuprofen statt Morphium: Bei Kindern nach einer OP die bessere Wahl
London – Die Schmerzmittel Ibuprofen und orales Morphium wirken gleich gut bei Kindern nach einem kleinen operativen Eingriff. Dennoch empfehlen Forscher vom London Health Sciences Centre, Ibuprofen......
12.10.17
Sind Frauen die geschickteren Chirurgen?
Toronto – Chirurgische Patienten, die von Frauen behandelt wurden, hatten in einer bevölkerungsbasierten Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2017; 359: j4366) ein geringfügig, aber signifikant......
12.10.17
Studie: Periduralanästhesie verlängert Geburt nicht
Boston – Die Befürchtung, dass eine Periduralanästhesie die Austreibungsphase verlängert und dadurch die Geburt kompliziert, hat sich in einer randomisierten Studie in Obstetrics & Gynecology......
06.10.17
Nutzen von pränatalem Rhesus-Test ist unklar
Köln – Es gibt derzeit keine Studien dazu, ob die pränatale Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors bei Rhesus-negativen (Rh-negativ) Schwangeren eine Rh-Prophylaxe überflüssig machen könnte. Das......
04.10.17
Mehr Krankenhausgeburten, weniger Kaiserschnitte
Wiesbaden – Die Zahl der Krankenhausentbindungen in Deutschland ist weiter gestiegen, die Zahl der Kaiserschnitt ist zurückgegangen. Das ist aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden......
29.09.17
Hypertonie in der Schwangerschaft fördert Adipositas der Kinder
Qingdao – Ein erhöhter Blutdruck in der Schwangerschaft kann möglicherweise dazu führen, dass das Kind bereits im Vorschulalter eine Adipositas entwickelt. Dies kam in einer prospektiven......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige