NewsMedizinVitamin D könnte immunologische Krebsabwehr fördern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Vitamin D könnte immunologische Krebsabwehr fördern

Freitag, 16. Januar 2015

dpa

Boston - Eine ausreichende Zufuhr von Vitamin D hat im Fall einer Darmkrebs­erkrankung möglicherweise günstige Auswirkungen auf die immunologische Krebsabwehr, wie eine Studie in Gut (2015; doi: 10.1136/gutjnl-2014-308852) zeigt. In den USA werden derzeit zwei randomisierte Studien zur Chemoprävention von Krebserkrankungen durchgeführt.

Eine Reihe von prospektiven Beobachtungsstudien hat gezeigt, dass Menschen mit einem hohen Vitamin-D-Spiegel im Blut seltener an Krebs erkranken und im Fall einer Erkrankung eine günstigere Prognose aufweisen. Der Grund wird im Einfluss von Vitamin D auf das Immunsystem vermutet. So legen Ergebnisse von in-vitro-Untersuchungen nahe, dass Vitamin D die Funktion des Immunsystems durch die Aktivierung von T-Zellen fördert, die Tumorzellen erkennen und angreifen.

Anzeige

Ein Team um Shuji Ogino vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston hat jetzt den Zusammenhang bei 318 Teilnehmern der Nurses' Health Study und der Health Professi­onals Follow-up Study untersucht, die an Darmkrebs erkrankt sind. Bei den Teilnehmern waren in den 1990er Jahren Blutproben entnommen worden, in denen auch der Vitamin D-Spiegel bestimmt wurde.

Die 318 Teilnehmer, die später an Darmkrebs erkrankten, hatten niedrigere Vitamin-D-Spiegel als eine Kontrollgruppe von 624 Teilnehmern, die nicht an Darmkrebs erkrankt ist. Bei den Patienten, die am Darmkrebs erkrankt sind, waren die hohen Vitamin D-Spiegel mit bestimmten histologischen Befunden im Tumor assoziiert, die nach Einschätzung der Autoren auf eine verbesserte Immunabwehr gegen den Tumor hinweisen.

Die Befunde liefern eine Erklärung für die Befunde der prospektiven Beobachtungs­studien. Sie sind allerdings kein Beweis dafür, dass die Einnahme von Vitamin D vor Krebserkrankungen schützt (oder im Fall einer Erkrankung die Überlebenschancen verbessert). Das US-National Cancer Institute hat zwei größere Studien zur Primär­prävention von Krebs durch Vitamin D initiiert. Die „Vitamin D/Calcium Polyp Prevention Study“ untersucht, ob Vitamin D allein oder zusammen mit Calcium die Entwicklung von kolorektalen Adenomen, einer Krebsvorstufe, bei Patienten verhindern kann, bei denen zuvor Adenome entfernt wurden.

Die Rekrutierung von rund 2.200 Teilnehmern ist abgeschlossen. Erste Ergebnisse werden für Ende 2017 erwartet. Der „VITamin D and OmegA-3 TriaL“ (VITAL) prüft an mehr als 25.000 Teilnehmern, ob Vitamin D bei Männern über 50 Jahren und Frauen über 55 Jahren die Krebsinzidenz vermindert. Erste Ergebnisse werden für Oktober 2017 erwartet.

Ergebnisse früherer Chemopräventionsstudien mit antioxidativen Vitaminen oder Selen haben in den letzten Jahren mehrfach enttäuscht. Sie haben die zuvor durch prospektive Beobachtungsstudien geweckten Erwartungen nicht erfüllt. Teilweise wurde das Krebs­risiko durch Beta-Caroten oder Vitamin E sogar gesteigert. Eine Evidenz zu einer präventiven Therapie mit Vitamin D gibt es deshalb derzeit nicht. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Juli 2019
London/Bonn – Die Verordnung von Methotrexat, das bei Autoimmunerkrankungen einmal wöchentlich, bei Krebserkrankungen jedoch täglich dosiert wird, soll künftig auf Ärzte beschränkt werden, die
EMA will Dosierungsfehler bei Methotrexat verhindern
10. Juli 2019
Bonn – Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat die Referenzwerte für die Zufuhr von Zink und Vitamin B6 überarbeitet. Unter der Bezeichnung Vitamin B6 werden der DGE zufolge verschiedene
Referenzwerte für Zufuhr von Zink und Vitamin B6 überarbeitet
25. Juni 2019
Magdeburg – Das Universitätsklinikum Magdeburg hat seine Mitte Mai geschlossene Krebsstation wieder geöffnet. Bereits am Donnerstag vergangener Woche habe die Klinik für Hämatologie und Onkologie
Universitätsklinikum Magdeburg öffnet Krebsstation wieder
30. Mai 2019
Oslo – Eine Zufuhr der Vitamine B6 und B12 weit über den Bedarf hinaus hat bei den postmenopausalen Teilnehmerinnen der Nurses' Health Study das Risiko auf eine Hüftfraktur erhöht, wie eine Auswertung
Studie: Vitamine B6 und B12 über Bedarf erhöhen Risiko auf Hüftfrakturen nach der Menopause
17. Mai 2019
Magdeburg – Zu enge Räume, schlechter Brandschutz, Probleme bei der Hygiene. Das Magdeburger Universitätsklinikum hat seine Krebsstation geschlossen. Die Sicherheit für Mitarbeiter und Patienten sei
Universitätsklinikum Magdeburg schließt Krebsstation
17. April 2019
Vancouver – Ein absoluter Mangel an Vitamin D ist eigentlich nicht mit dem Leben vereinbar. Bei einer 58-jährigen Frau mit Spondylitis ankylosans lag die Vitamin-D-Konzentration jedoch über viele
Frau lebt seit Jahrzehnten ohne (nachweisbares) Vitamin D im Blut
10. April 2019
Boston/Tokio – Kann Vitamin D ein Krebswachstum verlangsamen? Nachdem in den letzten Jahrzehnten andere Vitamine und Spurenelemente reihenweise in klinischen Studien enttäuscht haben, ruhen die
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER