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Medizin

Frühe Operation rettet Leben bei infektiöser Endokarditis

Sonntag, 18. Januar 2015

Durham – Ein früher Operationstermin kann bei Patienten mit infektiöser Endokarditis möglicherweise die Prognose verbessern. Dies zeigt die Auswertung eines internationalen Patientenregisters in Circulation (2015; 131: 131-140).

Die Diagnose einer infektiösen Endokarditis wird in der Regel erst gestellt, wenn die Herzklappen irreversibel beschädigt sind. Eine alleinige Antibiotikatherapie kann die Erkrankung dann nicht kurieren. Die Erfahrung zeigt, dass die durch die Insuffizienz der Herzklappen ausgelöste Pumpschwäche die Überlebenschancen verschlechtert. Bei einer manifesten Herzinsuffizienz steigt die Mortalität auf bis zu 50 Prozent.

Um die Therapie zu verbessern, trägt die Collaboration on Endocarditis-Prospective Cohort Study (ICE PCS) seit dem Jahr 2000 die Behandlungsergebnisse aus 25 Ländern zusammen. Vivian Chu vom Duke University Medical Center in Durham/North Carolina hat jetzt die Daten von 1.296 Patienten ausgewertet, bei denen die Herzklappen des linken Herzens beschädigt waren.

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Etwas über die Hälfte der Patienten wurde nach der Hospitalisierung operiert. In dieser Gruppe starben 14,8 Prozent noch in der Klinik. Nach sechs Monaten war die Mortalität auf 17,5 Prozent gestiegen. Sie lag damit niedriger als in der Gruppe der Patienten, die nicht operiert wurden. Dort waren 26 Prozent in der Klinik und insgesamt 31,4 Prozent nach sechs Monaten gestorben.

Viele Patienten mit infektiöser Endokarditis befinden sich bei der Aufnahme in die Klinik bereits in einem Zustand, in dem eine Operation zu riskant wäre. Etwa ein Viertel wurde jedoch ausschließlich medikamentös behandelt, obwohl nach Einschätzung des Editorialisten Raimund Erbel, Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Essen, eine klare Indikation zur Operation bestand.

Die Ärzte hatten unterschiedliche Gründe für den Verzicht auf die Herzoperation. Eine schwere Leberfunktionsstörung, ein früherer Schlaganfall, eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung können gegen eine Operation sprechen, auch wenn diese vom Schweregrad der Endokarditis her dringend indiziert wäre.

Eine frühzeitige Diagnose bietet nach Einschätzung von Erbel am ehesten die Chance, die Prognose der Patienten zu verbessern. Bei längeren lokalisierten Entzün­dungs­herden im Körper sollte eine infektiöse Endokarditis in die diffenrenzial­diagnostischen Überlegungen einbezogen werden, fordert der Experte. Die transösophageale Echokardiographie habe das diagnostische Fenster erweitert und sollte deshalb frühzeitig durchgeführt werden. © rme/aerzteblatt.de

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