NewsAuslandÄrzte ohne Grenzen fordert niedrigere Impfpreise
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Ärzte ohne Grenzen fordert niedrigere Impfpreise

Dienstag, 20. Januar 2015

dpa

Genf – Die Kosten für die Durchimpfung eines Kindes in den Entwicklungsländern sind seit 2001 um das 68-fache gestiegen, beklagen die Ärzte ohne Grenzen in einem Report. Vor einer Geberkonferenz in Berlin wurden die Hersteller GlaxoSmithKline und Pfizer aufgefordert, die Preise ihrer Pneumokokkenimpfstoffe für ärmere Länder auf 5 US-Dollar pro Kind zu senken.

Die Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières MSF) betrachten Impfungen als einen Eckpfeiler ihrer Tätigkeit. Im Jahr 2013 seien 6,7 Millionen Dosen von Impfstoffen und anderen immunologischen Erzeugnissen verabreicht worden, heißt es in dem Report „The right Shot 2“. Im Jahr 2001 konnten MSF ein Kind für 67 US-Cent gegen Tuberkulose, Masern, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Polio impfen. Seither sind Impfstoffe gegen Röteln, Hepatitis B (HepB), Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Pneumokokken (PCV), Rotavirus und das humane Papillomavirus (HPV) hinzugekommen. Die Gesamtkosten für die Durchimpfung eines Kindes betragen jetzt 45,59 US-Dollar.

Anzeige

Der Kostenanstieg um den Faktor 68 ist vor allem durch neue Impfstoffe bedingt. Preissprünge gab es bei der Einführung von Impfstoffen gegen HepB 2004 (plus 127 Prozent), gegen Hib im Jahr 2006 (plus 767 Prozent), gegen PCV im Jahr 2010 (plus 221 Prozent), gegen Röteln und Rotaviren um Jahr 2011 (plus 14 Prozent) und HPV sowie dem Polioimpfstoff IPV in 2013 (plus 41 Prozent).

Mit einem Anteil von 45 Prozent entfällt laut MSF heute fast die Hälfte der Impfstoffkosten auf die beiden Pneumokokken-Vakzinen. MSF-Sprecher Rohit Malpani wirft den Herstellern GlaxoSmithKline und Pfizer eine unfaire Preispolitik vor. Der Impfstoff PCV13 von Pfizer würde heute in Marokko und Tunesien mit etwa 63 US-Dollar mehr kosten als in Frankreich, wo Pfizer 48 US-Dollar in Rechnung stelle. In den USA verlangt der Hersteller 136 US-Dollar.

Laut den Recherchen von MSF haben GlaxoSmithKline und Pfizer seit der Einführung einen Umsatz von mehr als 19 Milliarden US-Dollar mit ihren Pneumokokkenimpfstoffen erzielt. Es sei deshalb an der Zeit, den Preis deutlich zu senken. Der MSF hält einen Preis von 5 US-Dollar für alle drei Impfdosen für angemessen, zumal der indische Hersteller Serum Institute angekündigt hat, den Impfstoff in einigen Jahren für 6 US-Dollar anzubieten.

Die meisten ärmeren Länder erhalten die Impfstoffe derzeit über die Impfstoff-Allianz Gavi. Mehr als ein Viertel der Länder werde jedoch in den nächsten Jahren die Unterstützung durch Gavi verlieren. Zunächst können sie den Impfstoff noch für 10 US-Dollar pro Kind erhalten, was für viele Länder nicht finanzierbar ist. Nach dem endgültigen Ende der Gavi-Unterstützung würde sich der Preis für den Impfstoff versechsfachen. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. Juli 2019
Brüssel – Die EU-Kommission hat ein 1,4 Milliarden Euro schweres Hilfspaket zugunsten von Syrienflüchtlingen in der Türkei bewilligt. Das Geld werde vor allem dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung
EU bewilligt Milliardenpaket für Flüchtlingsversorgung in der Türkei
19. Juli 2019
Bogota – Kolumbien erhält aus Europa Unterstützung bei der Bewältigung der Migrationsbewegungen aus Venezuela. Wie die Tageszeitung El Espectador berichtet, stellte Belgien mit einem britischen
364.000 Impfungen für venezolanische Migranten
19. Juli 2019
Maputo/Harare – Mehr als 5,5 Millionen Menschen in Simbabwe haben nach Angaben der Vereinten Nationen Anfang 2020 keinen Zugang zu genügend Nahrungsmitteln. Bereits jetzt gelte das für mehr als 3,5
Millionen Menschen in Simbabwe droht Hunger
18. Juli 2019
Helsinki – Deutschland und Frankreich haben bei einem Innenministertreffen im finnischen Helsinki erfolglos versucht, eine europäische Übergangsregelung zur Verteilung von im Mittelmeer geretteten
EU-Treffen zur Seenotrettung im Mittelmeer endet ohne Durchbruch
18. Juli 2019
Berlin – Der Hartmannbund (HB) hat die Pläne von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) für Grippeschutzimpfungen in Apotheken kritisiert. „Beim Impfen geht es eben nicht um einen rein technischen
Hartmannbund kritisiert Pläne für Grippeschutzimpfungen in Apotheken
18. Juli 2019
Neu Delhi – Die Zahl der Todesopfer durch den Monsun in Südasien ist auf mehr als 270 gestiegen. Die gestern veröffentlichten Bilanzen aus den Ländern Indien, Nepal, Bangladesch und Pakistan stiegen
Zahl der Todesopfer durch Monsun in Südasien gestiegen
17. Juli 2019
Berlin – Masern, Apotheken, Medizinischer Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung, Krankenhausabrechnungsprüfungen: Das Bundeskabinett hat heute in Berlin drei Pakete aus Gesetzen und Verordnungen von
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER