NewsMedizinMedizinstudierende: Im Team weniger Diagnosefehler
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Medizinstudierende: Im Team weniger Diagnosefehler

Mittwoch, 21. Januar 2015

dpa

Berlin – Die Diagnosestellung, eine der kognitiv anspruchsvollsten Aufgaben in der Medizin, fällt Berufsanfängern leichter, wenn sie sich mit einem Kollegen austauschen können. In einem randomisierten Experiment im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; 313; 303-304) brauchten Teams aus zwei angehenden Ärzten zwar etwas länger als einzelne Medizinstudierende, sie kamen aber häufiger zur richtigen Diagnose und forderten weniger unnötige Tests an.

In dem Simulationsexperiment mussten 88 Medizinstudierende der Berliner Charité die richtige Diagnose für sechs Patienten herausfinden, deren Krankengeschichte ihnen am Computer vorgestellt wurde: 28 Studenten saßen allein am Rechner, die anderen 60 bildeten jeweils Zweiergruppen.

Anzeige

Jeder Fall begann mit der Videopräsentation eines prototypischen Patienten. Anschlie­ßend durften die Teilnehmer aus 30 Diagnosetests beliebig viele auswählen, sie wurden aber angewiesen, so schnell und präzise wie möglich zu sein. Die Testergebnisse wurden ihnen möglichst realitätsnah am Bildschirm präsentiert. Dies konnten Labor­ergebnisse, Röntgenbilder, aber auch Herztöne sein. Zum Abschluss sollten die Studen­ten aus 20 vorgeschlagenen Diagnosen die richtige auswählen und angeben, wie sicher sie sich mit ihrer Diagnose waren.

Am Computer waren die Aufgaben schnell erledigt. Die Einzelstudenten hatten sich nach 2:25 Minuten für eine Diagnose entschieden. Die Zweierteams benötigten mit 4:27 Minu­ten deutlich länger. Im klinischen Alltag wären die Zweierteams nach 31:11 Minuten etwas schneller gewesen als die Einzelstudenten mit 37:26 Minuten, vermuten Wolf Hautz vom Campus Virchow Klinikum in Berlin und Mitarbeiter, die hierzu spezielle Berechnungen angestellt haben.

Der wichtigste Vorteil der Teamarbeit war jedoch, dass die Diagnosen häufiger stimmten. Die Studentenduos lagen im Durchschnitt bei 4,07 der 6 Patienten richtig. Die Einzel­studenten fanden bei 3,0 Patienten die korrekte Diagnose. Dabei hatten sie mit 15,41 gegenüber 15,02 Stück etwas mehr diagnostische Tests angefordert. Bei der Wahl der Tests waren sie jedoch unkritischer als die Zweierteams, die sich vorher über den Fall untereinander austauschen konnten.

Trotz der häufigeren Tests hatten die Einzelstudenten am Ende weniger Vertrauen in ihre Diagnose als die Zweierteams. Die Studie bestätigt für Hautz die Erfahrung, dass Berufs­anfänger, die allein arbeiten, sich oft unsicher fühlen und deshalb einen höheren diagnostischen Aufwand betreiben, ohne dass sie am Ende besser dastehen.

Die medizinische Diagnostik sei eine komplexe Tätigkeit, die gerade zu Beginn der Berufslaufbahn im Team leichter falle, meint Hautz. Kooperation könne gerade für Ärzte in der Ausbildung ein Gewinn sein. Diese Erfahrung würde auch in anderen Bereichen immer wieder gemacht. Die Bildungsforschung zeige, dass Teams im Lösen von komplexen Aufgaben überlegen seien. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #601646
Krankenhausarzt
am Donnerstag, 22. Januar 2015, 12:38

Kooperation im Krankenhaus

Im Team besser als alleine !
Ja isses denn zu glauben...
LNS

Nachrichten zum Thema

21. Oktober 2019
Rostock – Mit Hilfe von Stipendien will Mecklenburg-Vorpommern Medizinstudenten auch nach ihrer Ausbildung im Land halten. Studierende, die in Rostock oder Greifswald immatrikuliert sind, könnten
Mecklenburg-Vorpommern will Medizinstudierende mit Stipendien halten
11. Oktober 2019
Berlin – Der Bundesrat hat heute die vom Bundestag beschlossene Änderung des Hochschulrahmengesetzes gebilligt. Sie setzt ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) um. Dieses hatte die
Bundesrat billigt Änderungen bei Zulassung zum Medizinstudium
9. Oktober 2019
München – Bayern benötigt nach wie vor mehr Medizinstudienplätze. Das hat der Präsident der bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer (BLÄK), Gerald Quitterer, gestern im Vorfeld des 78. Bayerischen Ärztetages in
Bayerische Landesärztekammer sieht erhöhten Bedarf der „Ressource Arzt“
7. Oktober 2019
Augsburg – Bayerns jüngste Medizinfakultät startet mit einem landesweit einmaligen Modellstudiengang in den Lehrbetrieb. Die Augsburger Fakultät biete einen Studiengang an, der vorklinische und
Neue Medizinfakultät startet mit Modellstudiengang
4. Oktober 2019
Weimar – Ein breites Bündnis von Ärzten, Krankenkassen und weiteren Verbänden fordert die Landespolitik in Thüringen auf, mehr Medizin-Studienplätze einzurichten. „Aus Sicht der Lan­des­ärz­te­kam­mer
Breites Bündnis fordert mehr Medizinstudienplätze in Thüringen
24. September 2019
Berlin – Das erste standortübergreifende Critical Incident Reporting System (CIRS) für Studierende der Humanmedizin, der Pharmazie sowie Teilnehmer der postgradualen Psychotherapieausbildung ist
Critical Incident Reporting System für Medizinstudierende online
23. September 2019
Nürnberg – Erstmals nach mehr als 200 Jahren haben in Nürnberg wieder Medizinstudierende ihr Studium beendet: An der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) hätten 38 Absolventen
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER