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Medizin

Makuladegeneration: Knochenmineral startet Drusenbildung in der Retina

Mittwoch, 21. Januar 2015

London – Mikroskopisch kleine und innen hohle Kügelchen aus Hydroxylapatit bilden die Kristallisationskerne für die Bildung von Drusen, die ein zentrales Kennzeichen der trockenen altersbedingten Makuladegeneration (AMD) sind. Die neuen Erkenntnisse in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2015; doi:10.1073/pnas.1413347112) verbessern das Verständnis der Pathogenese der häufigen Augenkrankheit, der häufigsten Erblindungsursache im Alter.

Bei den meisten Menschen kommt es im Alter zu Ablagerungen von Fetten und Eiweißen in der Retina, die aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu einem Mineral als Drusen bezeichnet werden. Die Ablagerungen sind an sich ungefährlich, sie behindern jedoch die Nähr­stoffversorgung in der Retina, was im fortgeschrittenen Stadium zum Absterben der Sinneszellen führen kann. Die Folge ist eine AMD, an der in Deutschland schätzungs­weise zwei Millionen leiden und die im Alter noch vor Diabetes und Glaukom die häufigste Erblindungsursache ist.

Die Sinneszellen sind empfindlich, weil die Photorezeptoren regelmäßig erneuert werden müssen. Dabei entstehen Abfallprodukte, die nach den derzeitigen pathogenetischen Vorstellungen an den Drusen „kleben“ bleiben und diese allmählich vergrößern. Beson­ders häufig betroffen ist die Macula lutea. Dieser Ort des schärfsten Sehens ist frei von Blutgefäßen, was die Entsorgung von Stoffwechselschlacken erschwert.

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Bislang war unklar, was den Ausgangspunkt für die Bildung der Drusen bildet. Das Team um Imre Lengyel vom Moorfields Eye Hospital in London konnte jetzt post-mortem 30 Augen von Menschen im Alter von 43 bis 96 Jahren untersuchen, die sich in unter­schiedlichen Stadien der Drusenbildung befanden. Mittels der Fluoreszenzmikroskopie und einem neuen Farbstoff sowie speziellen mikroskopischen Röntgenaufnahmen spürten sie Kügelchen von der Größe von 0,5 bis 20 Mikrometern auf, die aus Hydroxylapatit bestanden und innen hohl waren.

Sie befanden sich in der Bruch-Membran am Übergang von Choroidea zum retinalen Pigmentepithel, wo auch die Drusen auftreten. Die Sekundärionen-Massenspektrometrie, ein Verfahren zur chemischen Untersuchung von Oberflächen, bestätigte, dass die Kügelchen aus Kalzium und Phosphat bestehen, aus denen auch Hydroxylapatit aufgebaut ist.

Die Forscher prüfen jetzt, ob der verwendete Farbstoff (oder ein ähnlicher) für die Dia­gnostik verwendet werden kann. Die Fluoreszenzangiographie wird in der Augen­heil­kunde seit längerem zur Diagnostik der Retina genutzt. Schwerpunkt ist allerdings die Darstellung von Blutgefäßen. Ein Farbstoff, der Drusen in einem früheren Stadium sichtbar machen würde, könnte die Frühdiagnostik der AMD verbessern.

Lengyel sieht auch neue therapeutische Ansätze. Eine Beseitigung der Hydroxylapatit-Kügelchen ist zwar kaum vorstellbar. Schließlich ist Hydroxylapatit die härteste Substanz im menschlichen Körper. Es ist Hauptbestandteil des Knochens und es verleiht dem Zahnschmelz seine außergewöhnliche Abriebfestigkeit. Die Hydroxylapatit-Kügelchen sind jedoch nur der Kristallisationskern für die Drusenbildung.

Der größte Teil der Druse besteht aus Fetten und Proteinen, die beim Recycling der Photorezeptoren entstehen. Die Forschung muss jetzt versuchen, die Anlagerung der Fette und Proteine am Hydroxylapatit zu verhindern. Im Labor ist dies laut Lengyel bereits möglich, eine Umsetzung in eine medizinische Therapie sei aber derzeit nicht erkennbar. © rme/aerzteblatt.de

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