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Medizin

Wie viele Blutkulturen Intensivstationen anfordern sollten

Donnerstag, 22. Januar 2015

Braunschweig – Einen Richtwert von mindestens 87 Blutkulturen pro 1.000 Patien­tentage empfehlen Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) Intensivstationen in deutschen Krankenhäusern. Sie haben dafür den Zusammenhang zwischen der Zahl der von einer Intensivstation angeforderten Blutkulturen und der Zahl der diagnostizierten Sepsisfälle untersucht. Die Studie ist im Journal of Clinical Microbi­ology erschienen (doi 10.1128/JCM.02944-14).

Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 150.000 Menschen an einer Sepsis. Für rund ein Drittel der Patienten endet sie tödlich. Blutkulturen sind ein wichtiger Teil der Diagnostik. „Das ist eine sehr gute Methode. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass sie in Deutschland nicht häufig genug angewendet wird“, sagte Rafael Mikolajczyk, Leiter der Arbeitsgruppe „Epidemiologische und statistische Methoden“ am HZI.

Deshalb haben Wissenschaftler am HZI in Zusammenarbeit mit Kollegen aus dem „Nationalen Referenzzentrum für Surveillance nosokomialer Infektionen“ und dem „Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum Sepsis und Sepsisfolgen“ einen Richtwert etabliert, an dem Kliniken ablesen können, wie häufig sie eine Blutkultur­diagnostik durchführen sollten.

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„Zunächst beschränken wir uns auf Intensivstationen, da hier der größte Teil der Sepsisfälle auftritt“, sagt André Karch, wissenschaftlicher Mitarbeiter am HZI und Erstautor der Studie. Die Wissenschaftler bezogen die Daten von in 223 deutschen Intensivstationen in ihre Auswertung ein.

Laut der Studie stieg bis zur Zahl von 87 Blutkulturen pro 1.000 Patiententage die Zahl der diagnostizierten Sepsisfälle an. Danach flachte die Kurve ab: Mehr Blutkulturen führten nicht zu mehr Sepsisdiagnosen. Die Wissenschaftler schließen nun, dass auf Intensivstationen, die deutlich weniger Blutkulturen anlegen, Sepsisfälle übersehen werden könnten. „In diesem Zusammenhang konnten wir auch zeigen, dass nur ein Drittel der in unserer Studie untersuchten Intensivstationen Blutkulturen in ausreichender Menge anlegt“, so Karch.

Die Wissenschaftler am HZI möchten nun durch weitere Studien Richtwerte für andere Stationen in Krankenhäusern ermitteln. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Sonntag, 25. Januar 2015, 22:12

Nicht nur die Menge zählt

Vor allem sollten Blutkulturen von Fachpersonal abgenommen werden, die die Technik beherrschen. Gerade Blutkulturen aus Notaufnahmen haben eine hohe Rate an Kontaminationskeimen. Und Blutkulturen aus arteriellen Zugängen sind auch nicht viel besser.
LNS

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