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Politik

Impfallianz Gavi will Gelder für weitere 300 Millionen Kinder einsammeln

Donnerstag, 22. Januar 2015

dpa

Berlin – 7,5 Milliarden US-Dollar einzuwerben, um in den nächsten Jahren 300 Millionen Kinder in Entwicklungsländern gegen lebensbedrohliche Erkrankungen zu impfen – diese Sammelaktion soll im Rahmen der Geberkonferenz für die globale Impfallianz Gavi gelingen. Gastgeber der Konferenz ist in der kommenden Woche das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die Schirmherrschaft hat Bundeskanzlerin Angela Merkel übernommen.

Nach Angaben des BMZ sterben immer noch jedes Jahr 6,3 Millionen Kinder, mehr als die Hälfte von ihnen an Krankheiten wie Keuchhusten, Masern oder Durchfall. Davor könnten sie durch Impfungen geschützt werden. Auch weil Millionen von Kindern keinen Zugang zu lebensrettenden Impfungen hätten, habe man das Ziel der Weltgesundheits­organisation aus dem Jahr 2000 bislang verfehlt, die Kindersterblichkeit weltweit um zwei Drittel zu senken. Gelungen sei eine Reduktion um knapp die Hälfte, hieß es aus dem BMZ.

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Co-Finanzierung der Impfstoffe in den Entwicklungsländern läuft gut
Die globale Impfallianz Gavi, bekannt geworden durch die Unterstützung durch die Bill & Melinda Gates-Stiftung, sammelt seit dem Jahr 2000 erhebliche Summen ein, um Impfungen zu finanzieren. Auf der Geberkonferenz in Berlin will sie das erneut tun. Die Bundesregierung hat zu erkennen gegeben, dass sie in den Jahren 2015 bis 2020 insgesamt 500 Millionen Euro beisteuern will.

„Gavi hat einen effektiven Weg gefunden, zu immer niedrigeren Kosten Standard­impfprogramme zu etablieren“, hieß es aus dem Ministerium. Bislang sei es gelungen, etwa 440 Millionen Kinder zu impfen. Ihre Heimatländer beteiligen sich an den Kosten der Impfstoffe – eine Bedingung der globalen Impfallianz. Diese Co-Finanzierung läuft offenbar sehr zuverlässig. Gavi bemüht sich darüber hinaus, wenn auch mit unter­schiedlichem Erfolg, Entwicklungsländer zur Stärkung ihrer eigenen Gesundheitssysteme zu motivieren, um langfristige Erfolge für die Kindergesundheit zu erzielen. 

„Gavi hat zudem die Märkte für Impfstoffe positiv beeinflusst“, betonte das BMZ weiterhin. So seien die Kosten für Impfstoffe in den letzten Jahren um rund ein Drittel gesunken. Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ hat allerdings gerade kritisiert, dass die vollständige Immunisierung eines Kindes heute 68 Mal so viel koste wie im Jahr 2000.

Die Organisation appellierte speziell an die Firmen Glaxo-Smithkline und Pfizer, die Preise zu senken. Ein Vertreter der Gavi-Allianz gab im Vorfeld der Geberkonferenz allerdings zu bedenken, dass dieser Vergleich hinke. Heute werde wesentlich umfang­reicher geimpft als im Jahr 2000. Neuere Impfstoffe wie die gegen Pneumokokken und Rotaviren machten allerdings rund 40 Prozent der Kosten aus. „Wir haben erhebliche Preisreduzierungen bei den Impfstoffen erzielt“, so der Gavi-Vertreter. „Wir wissen aber, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange ist.“

Schwacher Euro mindert die zugesagten Summen
Die Impfstoffpreise sind nicht die einzige Herausforderung für die globale Impfallianz. „Kinder in abgelegenen Ecken von Afghanistan, Tansania oder anderen Ländern zu impfen, ist wirklich sehr schwierig“, hieß es. In Zukunft die hierfür nötigen Strukturen aufzubauen bedeute, gemeinsam mit Verantwortlichen vor Ort „sehr dicke Bretter“ zu bohren. Hinzu kommt ein unerwartetes neues Problem: Der schwache Euro führt derzeit dazu, dass die von europäischen Regierungen und anderen Geldgebern des Kontinents zugesagten Summen an Wert verlieren. Gavi hofft nun, dass mancher Unterstützer im Rahmen der Berliner Geberkonferenz noch etwas dazugibt.

Die Gavi-Allianz ist eine globale, öffentlich-private Partnerschaft. Unterstützt wird sie von zahlreichen Geberländern, darunter Deutschland, ferner durch die Gates-Stiftung, die Weltgesundheitsorganisation, Unicef, die Weltbank, Impfstoffhersteller sowie weitere private Förderer.

Pharmakampagne kritisiert neue teure Impfstoffe in den Impfpaketen
Die BUKO-Pharmakampagne hat sich kritisch zur Impfstrategie von Gavi geäußert. Neben Standardimpfungen zum Beispiel gegen Tetanus, Masern oder Kinderlähmung gehörten zu den Paketen auch neuere Impfungen wie die gegen Rotaviren oder Gebärmutterhalskrebs. „Die zusätzlichen Impfungen sind verantwortlich für den enormen Kostenanstieg bei Gavi“, hieß es. Deshalb müsse man ihre Einführung kritisch betrachten.

Vertreter der Pharmakampagne fordern auch, die Stimmen im Gavi-Vorstand neu zu verteilen. Es sei unverständlich, dass die pharmazeutische Industrie mit zwei Stimmen vertreten sei. Bei Gavi sollten zivilgesellschaftliche Organisationen stärker mitbestimmen und Vertreter privater Unternehmen von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen werden. © Rie/aerzteblatt.de

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