NewsMedizinÜberlebenschancen von extremen Frühgeburten sind gestiegen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Überlebenschancen von extremen Frühgeburten sind gestiegen

Donnerstag, 22. Januar 2015

dpa

Atlanta – Die Überlebenschancen von extremen Frühgeburten sind in den letzten Jahren weiter gestiegen. Eine prospektive US-Studie im New England Journal of Medicine (2015; 372: 331-340) ermittelt seit 2000 einen Rückgang der Mortalität um fast 10 Prozent.

Als extreme Frühgeburten gelten Kinder, die vor dem Ende der 28. Gestationswoche geboren wurden. Ohne medizinische Hilfe haben diese Kinder, die meistens weniger als 1000 Gramm wiegen, kaum eine Überlebenschance. Bei einer optimalen neonatologischen Betreuung überleben heute drei von vier Kindern. Im Patientenregister des Neonatal Research Network, das von den US-National Institutes of Health eingerichtet wurde, und seit 2000 die Daten von 22.248 Kindern registriert hat, starben zuletzt (Zeitraum 2008 bis 2011) 25,8 Prozent der Kinder. Das ist fast ein Zehntel (relativ 9,6 Prozent) weniger als im Untersuchungszeitraum 2000 bis 2003, als 27,5 Prozent der Kinder starben. 

Anzeige

Die Mortalitätsrate nahm erwartungsgemäß mit zunehmendem Gestationsalter ab: Von den in der 22. Woche geborenen Kindern starben 94,9 Prozent in den ersten 28 Tagen. Die Todesursache war in den meisten Fällen eine allgemeine Unreife. Bei den Kindern, die in der 28. Woche geboren wurden, betrug die Mortalitätsrate nur 7,8 Prozent. Mit zunehmendem Gestationsalter bei der Geburt konnte die Todesursache auf verschiedene Organsysteme zurückgeführt werden. Anfangs stand das Atemnotsyndrom des Frühgeborenen im Vordergrund, später waren Todesfälle häufiger auf eine nekrotisierende Enterokolitis und gegen die 28. Woche hin häufig auf eine bronchopulmonale Dysplasie zurückzuführen.

Der Anstieg der Überlebenschancen erklärt sich laut Ravi Mangal Patel von der Emory University School of Medicine in Atlanta und Mitarbeitern zu 53 Prozent auf einen Rückgang der Todesfälle an den beiden Lungenerkrankungen (Atemnotsyndrom und bronchopulmonale Dysplasie). Auch die Zahl der Todesfälle durch allgemeine Unreife ging zurück. Keine Fortschritte wurden bei der nekrotisierenden Enterokolitis gemacht. Hier kam es zuletzt sogar zu einem Anstieg. Patel führt ihn auf die erhöhte Zahl von extremen Frühgeborenen zurück, die dank der verbesserten Behandlung trotz Unreife überlebten, dann aber die Darmkomplikation nicht überstanden. 

Die Autoren nennen mehrere Faktoren, die für den Rückgang der Mortalität verantwortlich sein können. Dazu gehört ein steigender Anteil von Frauen, die an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen, der häufigere Einsatz von pränatalen Glukokortikoiden, eine Zunahme der Kaiserschnittentbindungen sowie ein Rückgang im Prozentsatz der Frauen, die pränatale Antibiotika erhalten hatten. Bei den Kindern, die in der 22. und 23. Woche geboren wurden, würden die Ärzte heute häufiger eine Hochfrequenzbeatmung einsetzen, die für die Lungen schonender ist. Auch der Anteil der Mütter, die mit einer niedrigen Körpertemperatur in der Klinik aufgenommen wurden, sei gesunken./rme

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Oktober 2019
Halifax – Eine schnelle Auffütterung von extremen Frühgeburten, die in Beobachtungsstudien mit dem Risiko einer nekrotisierenden Enterokolitis assoziiert war, hat sich in einer größeren randomisierten
Schnellere Auffütterung von Frühgeborenen bleibt in Studie ohne Risiken
20. September 2019
Berlin – Perinatalzentren dürfen von den Personalvorgaben für die Intensivpflege von Frühgeborenen bis zum 31. Dezember 2021 abweichen. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) verlängerte gestern diese
Übergangsfrist bei Personalvorgaben für Intensivpflege von Frühgeborenen verlängert
7. August 2019
Washington – Der Umzug während der ersten 3 Monate der Schwangerschaft ist mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten, für ein niedriges Geburtsgewicht sowie einem etwas höheren Risiko für ein
Wohnungsumzug während der frühen Schwangerschaft erhöht das Frühgeburtsrisiko
2. August 2019
Berlin – Das Bundessozialgericht (BSG) hat kürzlich in zwei Fällen entschieden, dass Kliniken die High-Flow-Nasal-Cannula-(HFNC)-Beatmungstherapie bei Frühgeborenen nicht wie eine maschinelle Beatmung
Krankenhausgesellschaft kritisiert BSG-Urteil zu Beatmungsleistungen bei Frühgeborenen
18. Juni 2019
Köln – Den Einsatz von Webcams für die ortsunabhängige Echtzeitbeobachtung von Kindern auf Frühchenstationen untersuchen Wissenschaftler des Instituts für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und
Forscher untersuchen Einsatz von Webcams auf Frühchenstationen
14. Juni 2019
Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht die Versorgung von Frühgeborenen akut gefährdet. Grund sind die Pflegepersonalanforderungen auf den neonatologischen Intensivstationen zum 1.
Krankenhäuser wollen Lockerung der Personalvorgaben für Frühgeborenenversorgung
13. Mai 2019
New York – Eine Geburt vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche ist ein starker Risikofaktor für die Entwicklung von chronischen Nierenerkrankungen von der Kindheit bis in die Mitte des
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER