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Medizin

Nosokomialinfektion: Studie stellt Chlorhexidinwaschung infrage

Freitag, 23. Januar 2015

dpa

Nashville – Die Verwendung des Antiseptikums Chlorhexidin beim täglichen Waschen der Patienten, die auf vielen Intensivstationen zur Routine gehört, hat in einer randomisierten Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2015; doi: 10.1001/jama.2014.18400) das Ziel, die Rate der nosokomialen Infektionen zu senken, nicht erreicht.

In der ansonsten hygienischen Umgebung einer Intensivstation gilt die Haut der Patienten als ein wichtiges Reservoir für nosokomiale Infektionen. Da die Patienten intravenöse Zugänge und andere invasive Katheter haben, ist die Gefahr einer Infektion hoch.

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Vor zwei Jahren konnten Michael Climo vom McGuire Veterans Affairs Medical Center in Richmond und Mitarbeiter in einer randomisierten Studie zeigen, dass die tägliche Waschung mit Chlorhexidin die Rate von positiven Blutkulturen bei Intensiv-Patienten senkt (NEJM 2013; 368: 533-42). Climo konnte jedoch nicht ausschließen, dass die Ergebnisse durch eine Vermeidung von falsch-positiven Blutkulturen entstanden waren. Eine Kontamination mit Hautbakterien bei der Blutentnahme ist ein häufiges Problem bei Blutkulturen.

Ein Team um Michael Noto vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville hat in einer erneuten Studie versucht, diese Fehlinterpretation zu vermeiden. Das Team wählte als Endpunkt die Zahl der tatsächlichen klinischen Infektionen. Erfasst wurden neben den mit zentralen Venenkathetern assoziierten Infektionen auch beatmungsassoziierte Pneumonien, katheter-assoziierte Harnwegsinfektionen und Clostridium difficile-Infektionen.

Die Studie hatte einen ähnlichen Aufbau wie die Vorgängerstudie. Auf den beteiligten Intensivstationen wurden zeitweise alle Patienten mit Chlorhexidin gewaschen. Später wechselten die Stationen auf eine normale Reinigung mit Seifen. Dennoch konnten Noto und Mitarbeiter die Ergebnisse ihrer Kollegen aus Richmond nicht bestätigen. Die Rate der Infektionen war mit 2,86 pro 1.000 Patiententagen während der Chlorhexidin-Waschungen nur unwesentlich niedriger als bei der normalen Reinigung mit Seifen, wo es zu 2,90 Infektionen pro 1000 Patiententagen kam.

Die Studie, deren Ergebnisse auch auf einer Tagung der Society of Critical Care Medicine in Phoenix/Arizona vorgestellt wurden, ist nach Einschätzung des Editorialisten Didier Pittet vom Universitätsklinikum in Genf zwar nicht ohne Schwächen. Die Studie war (wie die von Noto) nicht verblindet, der Endpunkt zwar klinisch wichtig, aber mit unklarem Bezug zur Hautbesiedlung.

Die Zahl der Infektionen war gering und die Autoren hatten es unterlassen, ihre Studie vor Beginn zu registrieren. Dennoch teilt Pittet die Skepsis seiner US-Kollegen. Eine tägliche Reinigung der Haut mit Chlorhexidin sei kostspielig und der Effekt möglicher­weise gering. Eine ähnliche Prävention von nosokomialen Infektionen sei möglicherweise durch einfachere Maßnahmen wie die regelmäßige Händedesinfektion des Personals zu erreichen.

© rme/aerzteblatt.de

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