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Politik

GKV-Spitzen­verband will Arzneimittel­versorgung umgestalten

Freitag, 23. Januar 2015

dpa

Berlin – Der GKV-Spitzenverband hat erneut gefordert, dass die gemäß Arzneimittel­markt­­neuordnungsgesetz (AMNOG) ausgehandelten Erstattungsbeträge für neue Arzneimittel ab dem Tag der Zulassung gelten und nicht erst nach einem Jahr. „Wir haben das Gefühl, dass manche Hersteller Mondpreise für ihre neuen Arzneimittel nehmen, weil sie glauben, dadurch bei den Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband in eine bessere Position zu gelangen“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, heute vor Journalisten in Berlin. „Deshalb fordern wir, dass der verhandelte Erstattungsbetrag rückwirkend ab dem Marktzugang des Arzneimittels gilt.“

Durch die Erstattungsbeträge seien im Arzneimittelbereich im vergangenen Jahr 450 Millionen Euro eingespart worden, rechnete von Stackelberg vor. Hätte der Erstat­tungspreis auch im ersten Jahr gegolten, wären noch etwa 150 Millionen Euro dazugekommen.

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Ärzte sollen neutrale Informationen über Arzneimittel erhalten
Insgesamt zehn „Handlungsfelder für Qualität und Finanzierbarkeit der Arzneimittel­versorgung“ hat der GKV-Spitzenverband identifiziert und in einem Positionspapier zusammengefasst. Darin fordert er des Weiteren, dass Ärzte neutrale Informationen zu den Arzneimitteln erhalten sollen, die sie verordnen. Dies gelte sowohl für die Patientenaufklärung über Diagnostik und Therapie von Krankheiten als auch für die abrechnungsrelevanten Preis- und Produktinformationen zu Arzneimitteln.

Derzeit werde das Preis- und Produktverzeichnis von Arzneimitteln durch eine privat­rechtliche Gesellschaft seitens der Pharmaindustrie und des Apothekenverbandes organisiert, der „Informationsstelle für Arzneispezialitäten“ (IFA). „Wir würden uns wünschen, dass die Grundinformationen zu Arzneimittel von einer neutralen Stelle kontrolliert werden“, sagte von Stackelberg.

Praxissoftwaresysteme sollen in kürzeren Abständen aktualisiert werden
Die Hersteller von Praxissoftwaresystemen hat der GKV-Spitzenverband aufgefordert, ihre Software häufiger zu aktualisieren. „Die Aktualität der Softwaresysteme lässt zu wünschen übrig“, monierte von Stackelberg. Nach der Anpassung der Festbeträge habe es zum Beispiel einen konkreten Nachfragebedarf der Patienten gegeben. Die Praxis­softwaresysteme seien dabei nicht auf dem neuesten Stand gewesen. „Die Hersteller sollten verpflichtet werden, ihre Systeme in kürzeren Abständen zu aktualisieren“, forderte von Stackelberg.

Darüber hinaus gibt es auch Positionen des Verbandes, die sich mit denen der deutschen Ärzteschaft decken. So hat der GKV-Spitzenverband kritisiert, dass die Bundesregierung die Bewertung von Arzneimitteln aus dem Bestandsmarkt aufgegeben hat. Problematisch sei daran, dass heute viele Arzneimittel auf dem Markt weder auf ihre Qualität geprüft worden seien noch darauf, ob der Preis auch ihrem Nutzen entspreche.

Kritik an Forderung von Apothekerverbänden
Wie die Ärzteschaft will der GKV-Spitzenverband zudem auch die Arzneimitteltherapie­sicherheit stärken. „Deshalb soll eine patientenorientierte Arzneimittelversorgung durch den Arzt noch stärker anhand von evidenzbasierten Leitlinien erfolgen“, fordert der Verband. „Unerwünschte Interaktions- und Arzneimittelwirkungen sollen mit Hilfe eines vom Hausarzt ständig aktualisierten und kontrollierten Medikationsplans auf ein Minimum reduziert werden.“

Schließlich sieht auch der GKV-Spitzenverband die Forderung von Apothekerverbänden kritisch, für besondere Leistungen am Patienten gesondert vergütet zu werden – es sei denn, die Apotheker könnten den Zusatznutzen ihrer Tätigkeit belegen. „Das Medika­tions­management wird derzeit im Einheitlichen Bewertungsmaßstab bereits vergütet“, gab die Leiterin der Abteilung Arznei- und Heilmittel des GKV-Spitzenverbands, Antje Haas, ein Beispiel. „Wenn der Apotheker nun auch noch ein Medikationsmanagement durchführt, dann würden wir das als eine nicht legitime Doppelleistung empfinden.“ Wenn es aber Unterschiede zwischen den beiden Leistungen gebe, könne das anders sein. © fos/aerzteblatt.de

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