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Medizin

Tonsillektomie: Morphin postoperativ bei Kindern lebensgefährlich

Montag, 26. Januar 2015

dpa

Toronto – Auch wenn die Schmerzen sehr stark sind, sollten Kinder nach einer Tonsillektomie nicht mit Morphin behandelt werden. Eine randomisierte Studie in Pediatrics (2014; doi: 10.1542/peds.2014-1906) zeigt, dass die Sauerstoffsättigung im Blut in der ersten Nacht nach der Operation deutlich abfallen kann.

Um ihren zumeist jungen Patienten die starken Schmerzen nach einer Tonsillektomie zu ersparen, setzten viele US-Kliniken bis vor kurzem Codein ein. Da die Operationen zumeist ambulant durchgeführt wurden, erhielten die Eltern ein Rezept ausgehändigt. Diese Praxis änderte sich, nachdem Gideon Koren vom Hospital for Sick Children in Toronto über Todesfälle von Kindern berichtete, die nach einer Tonsillektomie mit Codein behandelt worden waren.

Die Untersuchungen ergaben, dass die betroffenen Kinder zu den sogenannten „Ultra-rapid“-Metabolisierern gehören, bei denen Codein unerwartet schnell in Morphin umgewandelt wird. Morphin ist bekanntlich nicht nur ein starkes Schmerzmittel, es kann auch eine tödliche Atemdepression auslösen. Die FDA verbot 2012 den Einsatz von Codein zur postoperativen Schmerztherapie bei Kindern nach Tonsillektomie. Die Präparate wurden mit einem umrahmten Warnhinweis versehen.

Viele Kliniken wechselten danach auf Morphin. Sie umgangen damit die Unsicherheit bei der Dosierung, die sich aus der unvorhersehbaren Metabolisierung in der Leber ergab. Doch das Risiko einer Atemdepression blieb bestehen. Das Team um Koren führte hierzu kürzlich eine randomisierte Studie an 91 Kindern im Alter von 1 bis 10 Jahren durch, denen wegen einer nächtlichen obstruktiven Schlafapnoe Rachen und Gaumenmandeln entfernt worden waren. Die Operationen wurden ambulant durchgeführt.

Für die Schmerzbehandlung erhielten die Eltern ein Rezept über Paracetamol (Dosierung 10-15 mg/kg alle vier Stunden) in Kombination mit oralem Morphin (Dosierung 0,2-0,5 mg/kg alle vier Stunden) oder in Kombination mit Ibuprofen (Dosierung 10 mg/kg alle sechs Stunden). Außerdem erhielten sie einen Pulsoxymeter, mit dem sie in der Nacht vor und nach der Operation bei ihren Kindern die Sauer­stoffsättigung messen sollten.

Im Ibuprofen-Arm kam es bei 68 Prozent der Kinder in der Nacht nach der Operation zu einer Verbesserung der Sauerstoffensättigung im Blut. Mach der Morphingabe war dies nur bei 14 Prozent der Kinder der Fall. Bei den mit Morphin behandelten Kindern kam es in der Nacht nach der Operation im Durchschnitt 11 bis 15 Mal pro Stunde zu einem Abfall der Sauerstoffsättigung. Dies führte im letzten Jahr zum vorzeitigen Abbruch der Studie. Ein Kind war laut Koren sogar in eine lebensbedrohliche Situation geraten. Die Gesundheitsbehörde Health Canada wurde informiert.

Das Hospital for Sick Children setzt laut Koren Morphin (oder auch Codein) nur noch in Ausnahmefällen zur postoperativen Schmerzbehandlung ein. Voraussetzung ist, dass die Kinder die Nacht in der Klinik verbringen und ihre Atmung überwacht wird. © rme/aerzteblatt.de

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