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Medizin

Reisediarrhoe und Antibiotika erhöhen Risiko auf multiresistente Darmkeime

Dienstag, 27. Januar 2015

Helsinki – Wer eine Reise in tropische oder subtropische Länder unternimmt, kehrt nicht selten mit einem unerwünschten Souvenir zurück. In einer finnischen Kohorte infizierte sich laut einer Studie in Clinical Infectious Diseases (2015; doi: 10.1093/cid/ciu95) jeder fünfte mit multiresistenten Darmbakterien. Eine Reisediarrhoe und der Einsatz von Antibiotika waren die wichtigsten Risikofaktoren.

Die Studie wurden an Personen durchgeführt, die sich vor ihrer Reise an der Aava-Klinik in Helsinki beraten ließen. Die Kohorte ist deshalb sicherlich nicht repräsentativ für die typischen Auslandstouristen. Bei den meisten Ratsuchenden der finnischen Tropenklinik führte die Reise in afrikanische Länder südlich der Sahara oder nach Süd- beziehungs­weise Südostasien, wo sie sich einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sahen.

An der Aava-Klinik erhielten sie nicht nur Tipps für ihre Fernreise. Anu Kantele und Mitarbeiter baten sie auch um die Abgabe einer Stuhlprobe, die auf resistente Keime hin untersucht wurde. Wie erwartet waren nur wenige Personen (5 von 90) mit Entero­bakterien infiziert, die Extended-Spectrum-Betalaktamasen (ESBL) bilden und deshalb gegen eine längere Liste von Antibiotika resistent sind.

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Nach der Rückkehr gaben die Reisenden erneut eine Stuhlprobe ab. Dieses Mal wurden bei 90 Personen (21 Prozent) ESBL-bildende Enterobakterien gefunden. Nicht weniger als jeder fünfte hatte sich demnach mit den multiresistenten Darmkeimen infiziert. Besonders häufig war dies nach der Rückkehr aus Südostasien (37 Prozent) der Fall, aber auch aus Afrika (24 Prozent) und Südasien (31 Prozent) wurden die Keime mit nach Finnland importiert.

Die meisten Reisenden waren auf ihrer Reise an Durchfällen erkrankt. Eine Reise­diarrhoe verdreifachte nach den Berechnungen von Kantele das Risiko auf eine Infektion mit ESBL-bildenden Enterobakterien. Jeder vierte hatte die Reisediarrhoe mit Antibiotika behandelt. Dies ist nicht nur in den meisten Fällen unnötig, wie Kantele betont. Die Behandlung war auch mit einem um den Faktor 4 erhöhten Risiko auf eine Infektion mit ESBL-bildenden Enterobakterien assoziiert.

Die Tropenmedizinerin rät den Reisenden zu einem zurückhaltenden Einsatz von Antibiotika. Die meisten Reisedurchfälle seien selbstlimitierend und eine Behandlung mit Loperamid, das die Darmperistaltik hemmt, würde in den meisten Fällen zu einer Linderung führen. © rme/aerzteblatt.de

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