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Medizin

Framingham: Cholesterin erhöht Koronarrisiko bereits im mittleren Lebensalter

Dienstag, 27. Januar 2015

Molekülmodel des Cholesterin dpa

Durham – Wer Mitte der 30er oder 40er Lebensjahre einen erhöhten Cholesterinwert hat, erkrankt nach dem 55. Lebensjahr häufiger an einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Dies ergab eine Analyse der Offspring-Kohorte aus der Framingham-Studie in Circulation (2015; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.114.012477), nach der das kardiale Risiko mit der Dauer der Hypercholesterinämie ansteigt.

Die Offspring Kohorte umfasst mehr als 5.000 Kinder von Teilnehmern der Framingham Heart Study, die seit 1948 den Risikofaktoren für eine KHK nachgegangen ist und noch heute zu den größten epidemiologischen Langzeitstudien zählt. Ann Marie Navar-Boggan vom Duke Clinical Research Institute in Durham in North Carolina hat für die aktuelle Studie die Daten von 1.478 Teilnehmern ausgewertet, die im Alter von 55 Jahren noch frei von Herz-Kreislauf-Erankungen waren. Zu diesem Zeitpunkt hatten jedoch 389 bereits seit ein bis zehn Jahren eine erhöhte Cholesterinkonzentration in Blut. Bei 577 Teilnehmern bestand die Hypercholesterinämie bereits seit 11 bis 20 Jahren. Die anderen 512 Teilnehmer hatten einen normalen Cholesterinspiegel.

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Die Analyse ergab nun, dass das Risiko auf eine zukünftige KHK mit der Dauer der Hypercholesterinämie anstieg. Von den Teilnehmern, die mit 55 Jahren bereits seit 11 bis 20 Jahren erhöhte Cholesterinwerte hatten, erkrankten in den folgenden 15 Jahren 16,5 Prozent an einer KHK. In der Gruppe, bei denen seit 1 bis 10 Jahren eine Hypercholes­terinämie dokumentiert war, war die Prävalenz mit 8,1 Prozent immer noch höher als bei den Teilnehmern, die mit 55 Jahren noch normale Cholesterinwerte hatten. Von ihnen erkrankten 4,4 Prozent in den nächsten 15 Jahren an einer KHK.

Nach den Berechnungen von Navar-Boggan verdoppelt sich das KHK-Risiko mit jedem Lebensjahrzehnt, in dem die Cholesterinwerte erhöht sind. Nicht alle diese Ereignisse waren auf die hohen Blutfette zurückzuführen. Viele Teilnehmer mit erhöhtem Choles­terinwert hatten noch andere „konkurrierende“ koronare Risiken wie Hypertonie, Rauchen oder Diabetes. Navar-Boggan musste auch den Einfluss von Alter und Geschlecht und den Cholesterinwert im Alter von 55 Jahren in ihren Berechnungen berücksichtigen.

Am Ende blieb ein signifikanter Einfluss der Hypercholesterinämie im mittleren Lebensalter auf das spätere KHK-Risiko übrig. Navar-Boggan errechnet eine adjustierte Hazard Ratio von 1,39 pro Lebensdekade mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,05 bis 1,85. Demnach steigert ein erhöhter Cholesterinwert das KHK-Risiko alle zehn Jahre um 39 Prozent.

Die Studie definierte ein erhöhtes Cholesterin als ein Nicht-HDL-Cholesterin von über 160 mg/dl. Eine Analyse mit einem Grenzwert von 130 mg/dl für das LDL-Cholesterin hat laut Navar-Boggan jedoch zu ähnlichen Ergebnissen geführt. Jüngeren Menschen ohne Vorerkrankung wird in den US-Leitlinien derzeit erst ab einem LDL-Cholesterin von 190 mg/dl zur Einnahme von Statinen geraten.

Bei fünf von sechs Teilnehmern der Offspring-Kohorte vor dem 40. Lebensjahr und zwei von drei Teilnehmern vor dem 50. Lebensjahr  waren die Cholesterinwerte nur leicht erhöht, sodass für sie derzeit keine Indikation für eine Therapie mit Statinen besteht. Eine weitere Auswertung ergab nun, dass in diesem Bereich mit leicht erhöhten Cholesterinwerten die Hazard Ratio mit 1,67 (1,06-2,64) höher ausfiel als in der Gesamtgruppe - was biologisch eigentlich unlogisch ist.

Die Ergebnisse der Studie sind deshalb in sich nicht ganz schlüssig. Auch Navar-Boggan weist ausdrücklich darauf hin, dass die Ergebnisse keine Grundlage für eine erweiterte Therapieempfehlung sind. Dem möglichen Nutzen stünden die Risiken einer langjährigen Statintherapie gegenüber. Eine Nutzen-Risiko-Abschätzung würde die Durchführung einer randomisierten Studie erfordern.

© rme/aerzteblatt.de

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