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Prostatakrebs: Fusionsbiopsie verbessert präoperatives Grading

Mittwoch, 28. Januar 2015

Bethesda – Mit der Fusionsbiopsie, die in Echtzeit die Ergebnisse einer Kernspin­tomographie in das Ultraschallbild einspielt, können Prostatatumore gezielt biopsiert werden. Dies hat in einer großen prospektiven Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; 313: 390-397) die Erkennung von Hoch-Risiko-Karzinomen verbessert.

Die Diagnose des Prostatakarzinoms erfolgt durch die Entnahme von Gewebeproben durch Nadelbiopsien. Da die Urologen im transrektalen Ultraschall (TRUS) die Tumore nicht sicher erkennen, werden systematisch, aber ungezielt zehn oder zwölf Gewebe­proben aus den verschiedenen Bereichen der Prostata entnommen. Seit einigen Jahren gibt es Geräte, die den Tumor mittels Kernspintomographie darstellen und die genaue Tumorlokalisation und Ausdehnung dann mit dem TRUS-Bild fusionieren.

Der Urologe kann dann bei der Biopsie den Tumor ins Visier nehmen. Die Diagnose kann oft durch eine einzelne Biopsie gestellt werden. Das ist nicht nur für den Patienten angenehmer, auch die histologische Beurteilung könnte sich verbessern, wie die bisher größte prospektive Studie zu dieser Frage zeigt, die am National Cancer Institute in Bethesda, Maryland durchgeführt wurde.

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An der Studie nahmen 1.003 Menschen teil, bei denen durch PSA-Test oder digitale rektale Untersuchung der Verdacht auf ein Prostatakarzinom bestand. Bei allen Teilnehmern wurde zunächst eine Fusionsbiopsie und danach (von einem anderen Arzt ohne Kenntnis des ersten Befundes) eine konventionelle Sextantenbiopsie mit 12 Gewebeproben durchgeführt. Die Fusionsbiopsie fand bei 461 Patienten ein Karzinom, mit der Sextantenbiopsie wurden 469 Erkrankungen erkannt, ein nach Einschätzung von Peter Pinto, Chef der Abteilung für Prostatakrebs am National Cancer Institute, unwe­sent­liche Abweichung.

Unterschiede bestanden indes im Grading. Die Pathologen stellten in den gezielten Fusionsbiopsien in 173 Fällen die Diagnose eines Hochrisiko-Karzinoms. Anhand der Sextantenbiopsie wurde die Diagnose nur in 122 Fällen gestellt. Dieser Unterschied spielt für die Therapieplanung eine Rolle, da den Patienten mit Hochrisiko-Karzinomen in der Regel zu einer sofortigen Behandlung (in der Regel eine radikale Prostatektomie) geraten wird, während bei Patienten mit einem Niedrig-Risiko-Karzinom die Option besteht, zunächst die weitere Entwicklung des Tumors abzuwarten.

Bei den Niedrig-Risiko-Karzinomen war der Unterschied nicht ganz so groß: 213 Diagnosen in den Fusionsbiopsien standen 258 Diagnosen bei der Sextantenbiopsie gegenüber. Der Unterschied könnte aber bedeuten, dass etwa 17 Prozent aller Patienten mit Niedrig-Risiko-Karzinom unnötigerweise zu einer sofortigen Operation geraten wird, weil das Ergebnis der Sextantenbiopsie die Aggressivität des Tumors höher eingestuft hatte.

Am Ende wurde bei insgesamt 170 Patienten eine Prostatektomie durchgeführt. Die histologische Aufarbeitung der Resektate ergab, dass die Fusionsbiopsie das Niedrig-Risiko-Karzinom zu 73 Prozent richtig erkannt hatte. Die Genauigkeit der Sextanten­biopsie betrug dagegen nur 59 Prozent. Bei der Kombination beider Methoden wurden 67 Prozent der Niedrig-Risiko-Karzinome richtig erkannt. Es ist deshalb nicht unbedingt vorteilhaft, routinemäßig beide Biopsien durchzuführen.

Für den Editorialisten Lawrence Schwartz von der Columbia University in New York zeigen die Ergebnisse, dass die Fusionsbiopsie klinische Entscheidungen beeinflussen kann. Ob die veränderten Behandlungsstrategien aber auch die Lebensqualität oder die Lebenserwartung der Patienten verbessert, bleibe offen. Diese Fragen dürften ange­sichts der Zusatzkosten durch die Kernspintomographie auch die Kostenträger aufwerfen. © rme/aerzteblatt.de

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