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Medizin

Erbgut von Kopf-Hals-Tumoren entziffert

Donnerstag, 29. Januar 2015

Chapel Hill - Rauchen und Infektionen mit humanen Papillomaviren (HPV) gelten als die wesentlichen Auslöser von Krebserkrankungen im Bereich von Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf, die als Kopf-Hals-Tumore bezeichnet werden. Die Analyse des Erbguts von 279 dieser Tumore, die jetzt in Nature (2015; 517: 576–582) vorgestellt wurde, zeigen, welche Spuren die Auslöser in den Genen hinterlassen haben und welche Therapie­ansätze sich daraus ergeben könnten.

Weltweit erkranken jedes Jahr 600.000 Menschen an Kopf-Hals-Tumoren. Ein Teil der Erkrankungen ist auf das Rauchen zurückzuführen, das – vor allem in Kombination mit einem hohen Alkoholkonsum – zu genetischen Veränderungen führt, die schließlich zum Ausbruch von Krebserkrankungen führen. Diese Tumore werden in Entwicklungsländern, in denen die Raucherquote steigt, zunehmend häufiger beobachtet, während in den Industrieländern immer häufiger HPV-assoziierte Tumore diagnostiziert werden, die eine Folge veränderter Sexualgewohnheiten sind.

Die Zweiteilung macht sich auch im Genom der Tumore bemerkbar, die ein Team um Neil Hayes im Rahmen des Cancer Genome Atlas analysiert hat. In den HPV-positiven Tumo­ren fanden die Forscher häufig Deletionen und Mutationen in einem Gen namens TRAF3. Dieses Gen ist an der Immunabwehr beteiligt und seine Ausschaltung könnte deshalb die Verbreitung der Viren fördern.

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Bei Tumoren, die durch Rauchen ausgelöst werden, standen dagegen Mutation im Tumorsuppressor-Gen TP53 im Vordergrund. Dieses Gen repariert die durch den Tabakrauch ausgelösten Gendefekte. Sein Ausfall begünstigt deshalb vor allem bei Rauchern die Krebsentwicklung. Bei den Rauchern kam es auch häufiger zu Mutationen im Rezeptor für den epidermalen Wachstumsfaktor (EGFR).

Diese für die Noxen typischen Mutationen führen dazu, dass einige Kopf-Hals-Tumore genetische Ähnlichkeit mit dem Zervixkarzinom haben, das fast ausschließlich auf HPV-Infektionen zurückzuführen ist. Bei anderen Kopf-Hals-Tumoren gab es Parallelen zum Plattenepithelkarzinom der Lunge, das vor allem durch Tabakrauch ausgelöst wird. Es gab aber auch Überschneidungen: Mutationen in den Genen FGFR3 und PIK3CA wurden bei beiden Krebsformen gefunden.

Einige Mutationen erklären, warum derzeitige Krebstherapien versagen: Zusätzliche Kopien der Gene FADD und BIRC2 oder der Ausfall des Gens CASP8 verhindern einen programmierten Zelltod. Sie könnten laut Hayes erklären, warum die Krebszellen von durch das Rauchen ausgelösten Tumoren die aktuellen Behandlungen überstehen. In ähnlicher Weise konnte das Fehlen des Gens TRAF3 oder zusätzliche Kopien des Gens E2F1 die Therapieresistenz von HPV-assoziierten Tumoren steigern.

Ein wesentliches Ziel des Cancer Genome Atlas ist das Aufspüren von neuen Therapieansätzen. Ein solcher könnte sich bei Tumoren ergeben, bei denen das Gen CCND1 verändert ist. CCND1 greift in die Regulation der Zellteilung ein. An dieser Stelle könnte deshalb die Proliferation der Tumorzellen gestoppt werden. Andere aussichtsreiche Angriffspunkte ergeben sich möglicherweise bei den Mutationen in den Rezeptoren von Wachstumsfaktoren, die bei insgesamt 70 Prozent der Tumoren gefunden wurden. Ob sich daraus neue Therapien ergeben, lässt sich allerdings nicht vorhersagen. © rme/aerzteblatt.de

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