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Medizin

Singleton-Mer­ten-Syndrom: Gain-of Function Mutation mobilisiert Immunsystem

Freitag, 30. Januar 2015

Münster – Das Singleton-Merten-Syndrom, eine seltene Erbkrankheit, die mit Zahn­ausfall, Knochendemineralisierung und Gefäßverkalkung einhergeht, wird durch eine Mutation ausgelöst, die das angeborene Immunsystem gegen den eigenen Körper mobilisiert.

Menschen mit Singleton-Merten-Syndrom erkranken bereits im frühen Kindesalter an einer schweren Gefäßverkalkung, die neben der Aorta auch die Aortenklappe erfasst. Gleichzeitig kommt es zum Knochenabbau mit einer Ausweitung des Knochenmarks. Hinzu kommt eine bei keiner anderen Krankheit jemals beobachteten Resorption der Zahnwurzeln, die zum Ausfall der Zähne führt.

Das Syndrom ist vermutlich sehr selten, doch das Team um Prof. Frank Rutsch, der am Universitätsklinikum Münster angeborene Stoffwechselerkrankungen erforscht, konnte zusammen mit seiner Kollegin Mary McDougall von der University of Alabama in Birmingham ingesamt fünf Menschen aus drei Familien untersuchen. Um die Ursache zu ermitteln, verglichen sie das gesamte Erbgut der Patienten mit dem von vier gesunden Verwandten.

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Alle Kranken hatten eine gemeinsame Mutation im Gen IFIH1, das auch bei anderen schweren Erbkrankheiten eine Rolle spielt. Das Gen IFIH1 enthält den genetischen Bauplan für das Protein MDA5, einem sogenannten Pattern-Recognition Receptor. Es handelt sich um einen „Sensor“ des angeborenen Immunsystems, der Krankheitserreger an bestimmten Mustern erkennt, die bei vielen Erregern vorhanden sind.

Funktionelle Untersuchungen zeigten, dass die Mutation die Funktion von MDA5 verstärkte, was zu einer überschießenden Aktivierung der angeborenen Immunabwehr führt. Zu den Signalstoffen gehören Interferone. Rutsch konnte bei den Patienten mit Singleton-Merten-Syndrom eine verstärkte Bildung von Interferon beta nachweisen.

Er vermutet, dass dies zu einer Art Autoimmunerkrankung führt, die sich gegen Zahnbein, Blutgefäße und Knochen richtet. Direkt anwendbare Therapieansätze lassen sich seiner Ansicht nach aus der Entdeckung der genetischen Krankheitsursache derzeit nicht ableiten. © rme/aerzteblatt.de

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