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Ärzteschaft

KBV-Vorstand Gassen: Die Niederlassung in eigener Praxis muss attraktiv bleiben

Freitag, 30. Januar 2015

Andreas Gassen /Lopata

Berlin – Die Vielfalt und Leistungsfähigkeit der Praxen niedergelassener Ärzte und Psychotherapeuten muss erhalten bleiben. Das hat der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, gestern Abend in Berlin gefordert. Beim Neujahrsempfang der deutschen Ärzteschaft, zu dem KBV, Bundes­ärztekammer sowie die Kassenärztliche Vereinigung und die Ärztekammer Berlin geladen hatten, appellierte er an Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU): „Lassen Sie die ambulante Versorgung nicht ausbluten.“

„Die Kollegen kennen keine 36,5-Stunden-Woche“
Nach Ansicht der KBV läuten einige Regelungen aus dem Entwurf des Versorgungs­stärkungsgesetzes (VSG) einen Paradigmenwechsel ein, weg von freiberuflichen Strukturen hin zu einem mehr staatlich und zentralistisch kontrollierten Gesundheits­system. Dazu zählten insbesondere erweiterte Möglichkeiten für Krankenhäuser, an der ambulanten Versorgung teilzunehmen, der Zwangsaufkauf von Praxen in überversorgten Gebieten und zentrale Servicestellen für die Vergabe von Facharztterminen.

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„Die Patienten werden nicht mehr in der Praxis um die Ecke versorgt, sondern in Großstrukturen abgearbeitet“, warnte KBV-Chef Gassen. Er erinnerte Gröhe an sein Versprechen bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr, Freiberuflichkeit und Selbstver­waltung im Gesundheitswesen zu stärken. „Die Niederlassung muss attraktiv bleiben“, forderte Gassen. Die Ärzte in den Praxen übten täglich mit Liebe und Empathie ihre ärztliche Tätigkeit aus: „Diese Kollegen kennen keine 36,5-Stunden-Woche. Ohne sie wäre das Gesundheitswesen ein anderes.“

Rückblickend sagte Gassen, 2014 sei auch für die KBV ein unruhiges Jahr gewesen. Die Sacharbeit war teilweise überschattet von Konflikten zwischen Haus- und Fachärzten. Jetzt sei man wieder in ruhigerem Fahrwasser angekommen. Ärzte, Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sprächen wieder mit gemeinsamer Stimme. „Die Herausforderungen sind zu groß für Lagerdenken“, sagte Gassen. Es gelte, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Mit Blick auf den chinesischen Kalender gab sich der KBV-Vorsitzende optimistisch: 2015 sei das Jahr des Schafs. Und das stehe für Ehrlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit.

Hermann Gröhe /Lopata

„Wir wollen für die Patienten Brücken bauen“
Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Gröhe lobte in seiner kurzen Ansprache die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft, trotz mancher Konflikte. „Die Wertschätzung für Ihre Arbeit ändert sich nicht“, erklärte er. Er nehme die Sorgen der Ärzte sehr ernst, wenn es um die Neuregelung der sektorübergreifenden Versorgung gehe. Im Mittelpunkt stünden aber hier die Patienten, die immer älter würden und deshalb auf eine gute Kooperation über Sektorengrenzen hinweg angewiesen seien. „Wir wollen für die Patienten Brücken bauen, und das wollen wir mit Ihnen gemeinsam machen“, sagte Gröhe. Der Minister zeigte sich zudem überzeugt, dass mit dem VSG die Niederlassung in eigener Praxis gestärkt werde. Den KVen eröffneten sich damit neue Handlungsspielräume für ortsnahe Lösungen. „Über Details des VSG werden wir reden“, kündigte Gröhe an. © HK/aerzteblatt.de

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Avatar #672734
isnydoc
am Sonntag, 1. Februar 2015, 23:08

Gassenhauer - oder altbekannte Lieder im KaDeWe

Werden die beim Ärztetag in Düsseldorf im Mai erneut vorgetragen oder gibt es dort den längst fälligen Aufstand, wie man so raunt?
Avatar #694126
dr. med. christian nunhofer
am Sonntag, 1. Februar 2015, 17:13

Dr. Christian Nunhofer

„Die Niederlassung muss attraktiv bleiben“, forderte Gassen Die Subtilität der Manipulation wird an der Aussage sehr deutlich. Mich erinnert der Satz an Ulla Schmidts Lieblingswendung: "Es droht die Zwei-Klassen-Medizin" zu einer Zeit, als die Zwei-Klassen-Medizin seit Jahrzehnten fest etabliert war. "... attraktiv bleiben" suggeriert, die Niederlassung sei attraktiv. Das ist sie nicht, was jeder Niedergelassene weiß - es sei denn, er sichert sich einen KV-Funktionärsposten wie Gassen, der mit mehreren hunderttausend Euro pro Jahr dotiert ist. Die Niederlassung als Sprungbrett für Funktionärspfründe: nur und nur so ist sie
attraktiv.
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