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Medizin

Barrett-Ösophagus: „Zellschwamm“ ermöglicht Früherkennung ohne Endoskopie

Montag, 2. Februar 2015

BMJ

London – Das Schlucken einer Kapsel, an deren Ende sich ein Faden befindet, könnte für Patienten mit häufigem Sodbrennen das kleinere Übel gegenüber einer Endoskopie sein. Einer Studie in PLOS Medicine zufolge (2015; doi: 10.1371/journal.pmed.1001780) könnte sie eine kostensparende Alternative zur Früherkennung eines Barrett-Ösophagus sein.

Die Kapsel, die in einer Studie des britischen Medical Research Councils (MRC) an 11 Kliniken 1.110 Patienten zum Schlucken angeboten wurde, enthält einen kleinen Schwamm aus Polyurethan. Dieser entfaltet sich, wenn die Kapsel nach einigen Minuten vom Magensaft aufgelöst wurde, zu einem Durchmesser von etwa 3 Zentimeter.

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Er kann dann mit leichtem Zug am Faden durch den Ösophagus in Richtung Mund gezogen werden. Die Patienten werden nicht sediert, nur der Rachen wird mit Lidocain besprüht, um einen Würgereflex zu verhindern, der den Cytosponge schneller als vorgesehen nach außen fördern könnte.

Bei seiner Passage durch den Ösophagus sammeln sich auf der Oberfläche des Schwammes Zellen. Sie werden später im Labor auf die Anwesenheit des Proteins Trefoil factor 3 (TFF3) untersucht, der ein Marker für ein Barrett-Ösophagus ist. Die Diagnose würde in diesem Fall durch eine Endoskopie bestätigt. Bei einem negativen Befund würden zunächst keine weiteren Untersuchungen durchgeführt.

Im „Barrett's oEsophagus Screening Trial“ (BEST2) waren 1.042 Patienten (93,9 Prozent) bereit, den Cytosponge zu schlucken. Die meisten Patienten empfanden dies weniger unangenehm als die nachfolgende Endoskopie ohne Sedation. Die Hälfte der Patienten litt bekanntermaßen an einem Barrett-Ösophagus. Sie hatten sich zu einer der regelmäßigen Kontrollendoskopien eingefunden. Die andere Hälfte der Patienten war aus anderen Gründen zur Endoskopie überwiesen worden.

Wie das Team um Rebecca Fitzgerald von der MRC Cancer Unit an der Cambridge University jetzt mitteilt, wurde der Barrett-Ösophagus durch die Cytosponge-Untersuchung in 79,9 Prozent der Fälle (Sensitivität) richtig erkannt. In der Kontrollgruppe war das Ergebnis in 92,4 Prozent negativ (Spezifität). Die Sensitivität stieg auf 87,2 Prozent, wenn nur Patienten gewertet wurden, bei denen die Barrett-Läsionen an einer Stelle den gesamten Umfang des Ösophagus befallen hatten.

Damit ist der Test zwar nicht perfekt. Er könnte jedoch als Screening-Untersuchung eingesetzt werden und dadurch vielen Patienten eine Endoskopie ersparen. Der Test könnte auch in Arztpraxen ohne Endoskopie-Ausstattung durchgeführt werden. Die MRC bereitet derzeit eine randomisierte klinische Studie vor, die die neue Form der Früherkennung an einer größeren Patientenzahl prüfen soll.

© rme/aerzteblatt.de

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