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Medizin

Studie: Metformin könnte Lungenkrebsrisiko von Nichtrauchern senken

Montag, 2. Februar 2015

dpa

Oakland – Metformin, das bevorzugte Erstmedikament zur Behandlung  des Typ 2-Diabetes, könnte einen Zusatznutzen haben. In einer Kohortenstudie in Cancer Prevention Research (2015 8; 174) erkrankten Diabetiker, die keine Raucher waren, seltener an Lungenkrebs, wenn ihnen Metformin verordnet worden war.

Lori Sakoda vom Forschungsinstitut des Krankenversicherers Kaiser Permanente Northern California hat die Daten von 47.351 Typ 2-Diabetikern ausgewertet, die zwischen 1994 und 1996 einen Gesundheitsfragebogen ausgefüllt hatten. Aus den elektronischen Akten des Versicherers entnahm sie, dass 46 Prozent mit Metformin behandelt worden waren. In den folgenden 15 Jahren erkrankten 747 Patienten an Lungenkrebs. Darunter waren 80 Nichtraucher.

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Nur bei diesen Nichtrauchern war die Verordnung von Metformin mit einem niedrigeren Lungenkrebsrisiko assoziiert. Die Hazard Ratio (HR) von 0,57 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,33 bis 0,99 knapp signifikant. Sollte sie eine Schutzwirkung des Medikaments anzeigen – was sich aus einer retrospektiven Kohortenstudie nicht sicher ableiten lässt – dann würde dies bedeuten, dass Typ 2-Diabetiker, die Metformin einnehmen und Nichtraucher sind, zu 43 Prozent seltener an Lungenkrebs erkranken. Der Schutzeffekt stieg mit der Dauer der Einnahme. Nichtraucher, denen über mindes­tens fünf Jahre Metformin verordnet worden war, erkrankten zu 52 Prozent seltener an Lungenkrebs (HR 0,48; 0,21-1,09). Diese Dosis-Wirkungsbeziehung war allerdings nicht signifikant.

Die Schutzwirkung bestand insbesondere für das Adenokarzinom, der häufigsten Lungenkrebsart (HR 0,69; 0,40-1,17), während ein Einfluss auf das kleinzellige Bronchialkarzinom, das in erster Linie durch das Rauchen ausgelöst wird, nicht erkennbar war. An dieser Variante des Lungenkrebses erkrankten die Metformin-Anwender sogar tendenziell häufiger (HR 1,82; 0,85-3,91).

Die Studie bestätigt eine Reihe früherer epidemiologischer Untersuchungen, die auf eine mögliche krebspräventive Wirkung hinweisen. Sie haben das US-National Cancer Institute bereits zu einer Reihe von prospektiven Studien veranlasst, deren Ergebnisse für die nächsten Jahre erwartet werden. Darunter ist eine Anschlussstudie des Diabetes Prevention Program (DPP), das bereits gezeigt hat, dass Metformin bei Menschen mit Insulinresistenz den Ausbruch eines Typ 2-Diabetes verzögern kann.

Über welchen Mechanismus Metformin vor Krebs schützen könnte, ist unklar. Das Mittel hemmt die Glukoneogenese in der Leber. Die Beta-Zellen müssen dann weniger Insulin freisetzen, um den Blutzucker zu stabilisieren. Das Hormon Insulin hat mitogene Wir­kungen. Der Rückgang der Insulinkonzentration unter einer Metformintherapie könnte eine protektive Wirkung erklären. Eine direkte Wirkung von Metformin auf Krebszellen wird ebenfalls diskutiert. © rme/aerzteblatt.de

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