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Politik

Union rückt von Aufkaufpflicht bei einer Überversorgung von 110 Prozent ab

Montag, 2. Februar 2015

Berlin – Die Union rückt offensichtlich von dem Vorhaben der Regierung ab, eine Auf­kaufpflicht von Arztsitzen ab einer rechnerischen Überversorgung von 110 Prozent umzusetzen. Auf der 21. Netzkonferenz der UCB Pharma GmbH am Freitag in Berlin befürwortete der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich den Vorschlag des Sachver­ständigen­rates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, die Grenze auf 200 Prozent heraufzusetzen.

„Es ist richtig, dass wir sagen: Wir müssen die Niederlassung steuern. Denn wir können so nicht weitermachen wie bisher“, sagte Hennrich. Bislang hätten die KVen die Mög­lichkeit gehabt, Arztsitze in überversorgten Gebieten aufzukaufen. Es habe sich aber nichts bewegt. So gebe es weiterhin in manchen Ballungsräumen, wie in Freiburg oder Tübingen, eine extreme Überversorgung, zum Beispiel bei den Psychotherapeuten – und auf der anderen Seite einen Ärztemangel. „Deshalb ist es wichtig, dass sich die Politik darum kümmert“, meinte Hennrich.

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„Wir merken aber, dass es wegen der geplanten Regelung viel Unmut in der Ärzteschaft gibt“, so Hennrich weiter. Er kündigte an, dass „das ein Punkt sein wird, an dem wir noch Veränderungen vornehmen müssen“. Denn es passe nicht zusammen, „dass Patienten schneller Termine beim Arzt bekommen sollen, aber zugleich Arztsitze abgebaut werden sollen“.

Zuvor hatte sich bereits die CDU-Abgeordnete Karin Maag, wie Hennrich Mitglied des Gesundheitsausschusses des Bundestags, in einem Videobeitrag für die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Baden-Württemberg für den Vorschlag des Sachverständigenrates ausgesprochen.

Wambach: Die Diskussion geht an der Versorgungswirklichkeit vorbei
Die Diskussion um einen Zwangsaufkauf von Arztsitzen gehe an der Versorgungs­wirklichkeit vorbei. Dabei sei es unerheblich, ob er nun bei einer rechnerischen Überversorgung von 110 Prozent oder 200 Prozent beginnen solle, kritisierte der Vorstandsvorsitzende der Agentur deutscher Arztnetze, Veit Wambach.

Denn entscheidend sei der Versorgungsbedarf vor Ort, dieser sei abhängig vom sozio­öko­nomischen Status der Bevölkerung einer Region. Der Versorgungsbedarf könne daher nicht allein mit einer Verhältniszahl zwischen Ärzten und Patienten errechnet werden. Zudem zögen immer mehr Menschen in die Städte, sagte Wambach. „Das heißt, 2050 werden deutlich mehr Menschen in den Städten wohnen als heute. Wenn wir nun heute in den Städten Arztsitze abbauen, werden diese Ärzte uns in Zukunft dort fehlen.“

„Die Zahl 110 Prozent hat mit der Realität nichts zu tun“, kritisierte auch der Vorsitzende von Medi Geno Deutschland, Werner Baumgärtner. „Städte müssen überversorgt sein, weil sie Menschen aus ländlichen Regionen mit versorgen.“ Auch die Erwartung, dass Ärzte aufs Land gingen, wenn sie sich nicht mehr in den Städten niederlassen könnten, werde nicht erfüllt werden. „Die werden dann nirgends mehr hingehen“, sagte Baum­gärtner. © fos/aerzteblatt.de

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