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Medizin

Ruxolitinib bei Polycythaemia vera gut wirksam

Montag, 2. Februar 2015

Florenz – Der JAK-Inhibitor Ruxolitinib, der seit September 2012 zur Behandlung der Myelofibrose zugelassen ist, kann bei Patienten mit der verwandten Polycythaemia vera die Überproduktion der Blutzellen bremsen. In einer Phase III-Studie im New England Journal of Medicine (2015; 372: 426-435) war der Wirkstoff der bisherigen Standard­behandlung klar überlegen.

Die Polycythaemia vera gehört zu den chronischen myeloproliferativen Erkrankungen, bei denen die Bildung von Blutzellen im Knochenmark außer Kontrolle geraten ist. Die Ursache ist nicht bekannt, bei fast allen Patienten liegt jedoch eine Mutation (zu 98 Prozent an Position 617) der Januskinase (JAK) 2 vor.

Dies führt zu einer spontanen Aktivierung einer Signalkette, an deren Ende eine unkontrollierte Steigerung der Blutbildung steht. In erster Linie ist dies eine Vermehrung der Erythrozyten, was sich in einer Steigerung des Hämatokrits und den damit verbun­denen Risiken thrombembolischer Ereignisse bemerkbar macht. Leukozyten und Thrombozyten können ebenfalls vermehrt sein. Bei den meisten Patienten kommt es zudem zu einer Vergrößerung der Milz, der Splenomegalie.

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Die Therapie besteht in regelmäßigen Aderlassen und der Gabe von Thrombozyten­aggregationshemmern. Wenn es bereits zu thromboembolischen Ereignissen wie Schlaganfall und Herzinfarkt gekommen ist, wird eine zytoredukive Therapie mit Hydroxyurea notwendig. Diese relativ ungezielte Therapie kann den Hämatokrit nicht immer ausreichend senken und wird außerdem nicht von allen Patienten vertragen. Als Alternative bietet sich eine Behandlung mit dem JAK-Inhibitor Ruxolitinib an.

In der RESPONSE-Studie des Herstellers wurden an weltweit 160 Zentren, darunter 12 in Deutschland, bisher 222 Patienten mit Polycythaemia vera auf eine Fortsetzung der Standardtherapie oder eine Behandlung mit Ruxolitinib randomisiert. Primärer Endpunkt war die Kontrolle des Hämatokrits plus eine Verringerung des Milzvolumens um 35 Prozent bis zur Woche 32. Dies wurde, wie Alessandro Vannucchi von der Universität in Florenz und Mitarbeiter berichten, unter der Ruxolitinib-Behandlung bei 21 Prozent der Patienten erreicht, gegenüber nur einem Prozent der Patienten bei Fortsetzung der Standardtherapie.

Eine Kontrolle des Hämatokrits erreichten 60 gegenüber 20 Prozent der Patienten, eine Verkleinerung der Milz um ein Drittel wurde bei 38 gegenüber einem Prozent der Patienten erreicht. Eine vollständige Remission (Hämatokritkontrolle, Thrombozyten unter 400.000 pro Mikroliter, Leukozyten unter 10.000 pro Mikroliter) wurde unter Ruxolitinib bei 24 Prozent gegenüber 9 Prozent der Patienten in der Kontrollgruppe erreicht. Thromboembolische Ereignisse traten unter der Ruxolitinib-Behandlung bei einem Patienten und unter der Kontrollgruppe bei sechs Patienten auf.

Da Ruxolitinib die JAK 2-Kinase unabhängig von der Gegenwart von Mutationen hemmt, ist eine überschießende Hemmung der Blutbildung möglich: Bei 2 Prozent der Patienten kam es zu einer Anämie (0 Prozent in der Kontrollgruppe) und bei 5 Prozent zu einer Thrombozytopenie (4 Prozent unter der Standardtherapie).

Die Verträglichkeit entsprach den Erfahrungen früherer Studien. Am häufigsten kam es zu Kopfschmerzen (16,4 Prozent), Diarrhoe (14,5 Prozent) und Müdigkeit (14,5 Prozent), die hauptsächlich vom Grad 1 oder 2 waren. Insgesamt sieben Patienten (6,4 Prozent) gegenüber keinem Patienten in der Kontrollgruppe erkrankte an einem Herpes zoster.

In den USA ist Ruxolitinib seit Dezember 2014 zur Behandlung der Polycythaemia vera zugelassen bei Patienten, die die Standardtherapie nicht tolerieren oder keine ausreichende Kontrolle des Hämatokrits erzielen. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur hat am 23. Januar eine entsprechende Empfehlung an die Europäische Kommission abgegeben. © rme/aerzteblatt.de

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