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Medizin

Schlaganfall: Kallikrein-Anti­körper könnte Hirnödem verhindern

Montag, 2. Februar 2015

Würzburg – Die Ausschaltung des Plasma-Kallikreins, das nach einem Schlaganfall das Hirnödem fördert, hat in einer tierexperimentellen Studie die neurologischen Schäden von Mäusen vermindert. Die Therapie war laut der Publikation in den Annals of Neurology (2015; doi: 10.1002/ana.24380) auch drei Stunden nach dem Insult noch wirksam, was dem häufig verzögerten Behandlungsbeginn im klinischen Alltag entgegen käme.

Das Kinin–Kallikrein-System, das vor mehr als hundert Jahren entdeckt wurde, ist bis heute erst ansatzweise erforscht. Bekannt ist jedoch, dass die Spaltung von Kallikrein zur Bildung von Bradykinin führt, das eine wichtige Funktion in der Entzündungsreaktion hat. Plasma-Kallikrein aktiviert aber auch den Gerinnungsfaktor XII, was die Bildung von Blutgerinnseln fördert. Beides, eine starke Entzündungsreaktion mit dem folgenden Hirnödem und eine Thrombose, können die Hirnschäden, zu denen es nach einem ischämischen Schlaganfall kommt, nur verstärken.

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Das Team um Christoph Kleinschnitz, Leiter der Schlaganfallstation der Neurologischen Universitätsklinik Würzburg, untersucht deshalb, ob eine Ausschaltung des Plasma-Kallikreins helfen könnte, die Schäden nach einem Schlaganfall zu begrenzen.

Ihre ersten Experimente führten die Forscher mit Mäusen durch, denen das Gen für Plasma-Kallikrein fehlt. Wie Kleinschnitz berichtet, entwickelten die Tiere drastisch kleinere Schlaganfälle und zeigten weniger neurologische Ausfallerscheinungen als normale Mäuse. Im zweiten Schritt behandelte das Team normale Tiere nach einem künstlich herbeigeführten Schlaganfall mit einem Antikörper, der die Wirkung von Plasma-Kallikrein im Blut aufhebt. Auch dies führte zu einer drastischen Abschwächung der Schlaganfallfolgen.

Besonders interessant ist laut Kleinschnitz, dass der Antikörper selbst dann noch wirksam war, wenn er den Tieren mit einer zeitlichen Verzögerung von drei Stunden nach Schlaganfallbeginn injiziert wurde. Der Neurologe hofft, dass der Antikörper bei Schlaganfallpatienten eingesetzt werden kann, die die Klinik erst spät erreichen. Von einem klinischen Einsatz ist das Team allerdings noch entfernt. Zunächst seien weitere Untersuchungen und Sicherheitstests nötig, berichten sie. © rme/aerzteblatt.de

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