Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Meta-Analyse: Einfache Maßnahmen können Delirium älterer Patienten vermeiden

Dienstag, 3. Februar 2015

dpa

Boston – Die Verwirrtheit älterer Patienten, eine häufige Ursache von Stürzen im Krankenhaus, kann durch einfache pflegerische Maßnahmen verhindert werden, wie eine Meta-Analyse im JAMA Internal Medicine (2015; doi: 10.1001/jamainternmed.2014.7779) zeigt.

Verwirrtheitszustände sind bei älteren Krankenhauspatienten keine Seltenheit. Die deliranten Patienten können sich beim Herumirren auf der Station schwer verletzen, sie behindern den Tagesablauf und erschweren die Pflege. Am Ende kommt es häufig zu einer medikamentösen oder physischen „Ruhigstellung“. Pflegeprogramme wie das „Hospital Elder Life Program“ haben gezeigt, dass das Delir keine unvermeidbare Folge einer Hospitalisierung ist, sondern durch einfache Maßnahmen vermieden werden kann.

Dazu gehören eine ausreichende Ernährung und Flüssigkeitszufuhr, ein geruhsamer Schlaf, die Behebung von Hör- oder Sehstörungen, tägliche Bewegungsübungen, ein kognitives Training oder die „Re-Orientierung“, bei der die Patienten mehrmals täglich über Zeit und Aufenthaltsort informiert werden. Der Maßnahmenkatalog hat sich in verschiedenen Studien als wirksam erwiesen.

Tammy Hshieh vom Brigham and Women’s Hospital in Boston fasst die Ergebnisse aus insgesamt 14 Studien mit 4.267 Patienten zusammen, die auf 12 unterschiedlichen internistischen und chirurgischen Stationen behandelt wurden. Die unterschiedlichen Präventionsprogramme haben nicht nur die Häufigkeit von Delirien bei den im Durchschnitt 80 Jahre alten Patienten um mehr als die Hälfte gesenkt (Odds Ratio 0,47; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,38-0,58).

Es kam auch zu einem Rückgang der Stürze um zwei Drittel (Odds Ratio 0,38; 0,25-0,60). Außerdem wurden die Liegezeiten verkürzt. Der Unterschied betrug hier zwar nur 0,16 Tage, was aber bei einer Liegezeit von durchschnittlich 5,5 Tagen bei dem einen oder anderen Patienten eine Verkürzung des Kranken­haus­auf­enthalts und damit eine Kosteneinsparung (in der Studie nicht ermittelt) bedeutet. Diese Vorteile sind nach Einschätzung des Editorialisten Ryan Greysen von der Universität von Kalifornien in San Francisco nicht durch einfache Appelle an das Pflegepersonal zu erzielen, sondern durch die gezielte Einbettung in die Pflegekonzepte. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

martina lübke
am Mittwoch, 4. Februar 2015, 11:24

Eigentlich selbstverständlich

Es sollte doch selbstverständlich sein, dass man einem verwirrten Patienten erklärt, wo er sich befindet. Auch dass er ausreichend zu trinken und zu essen bekommt und natürlich die entsprechende Hilfe dabei erhält, wenn nötig. Es wundert mich nicht , dass die Sturzanzahl bei Verwirrten alten Menschen dabei zurückgegangen ist. Was mich wundert ist dass es dazu eine Studie gebraucht hat. In der Altenpflege arbeitet man schon lange so.

Nachrichten zum Thema

08.08.17
Ärztekammer Westfalen-Lippe setzt bei geriatrischer Versorgung auf Hausärzte
Münster – Als eine der „großen Herausforderungen der Zukunft“ sieht die Ärztekammer Westfalen-Lippe die künftige geriatrische Versorgung in Deutschland. „Im Bereich der Patientenversorgung im Alter......
03.08.17
Hamburg richtet an zehn Standorten Zentren für Altersmedizin ein
Hamburg – Hamburg richtet an zehn Standorten Zentren für Altersmedizin ein. Diese sollen besondere Qualitätsanforderungen erfüllen und dafür intensiv mit niedergelassenen Ärzten und Zahnärzten,......
02.08.17
Ärzte sehen zahlreiche Engpässe in der Versorgung Älterer
Wiesbaden – Medizin und Krankenhäuser in Deutschland müssen sich nach Forderungen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) besser auf ältere Patienten einstellen. Während die Zahl der......
24.07.17
Geriater wehren sich gegen Vorwürfe der Kassen
Berlin – Gegen Vorwürfe der Barmer im Rahmen ihres kürzlich veröffentlichten Krankenhausreports wehren sich der Bundesverband Geriatrie und die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Ersterer ist......
19.07.17
Krankenhäuser versorgen mehr geriatrische Patienten
Berlin – Die Zahl der über 70-jährigen multimorbiden Patienten im Krankenhaus ist zwischen 2006 und 2015 von 1,1 auf zwei Millionen angewachsen. Das geht aus dem Barmer-Krankenhausreport 2017 hervor,......
14.06.17
Geriater stellen App zur Pharmakotherapie Hochbetagter vor
Heidelberg – Eine neue Smartphone-Applikation (App) soll Ärzte bei der Pharmakotherapie von älteren Patienten unterstützen. Darauf hat jetzt die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) hingewiesen.......
09.06.17
Pflegekammer fordert mehr Zusammenarbeit bei geriatrischer Versorgung
Mainz – Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz sieht in ambulanten geriatrischen Kompetenzteams eine geeignete Möglichkeit, die Versorgung älterer Patienten zu verbessern. Das äußerte der Präsident......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige