NewsÄrzteschaft„Die freie Praxis blutet aus“
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Ärzteschaft

„Die freie Praxis blutet aus“

Donnerstag, 5. Februar 2015

Berlin – Der Freie Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) die Politik davor gewarnt, bewährte und gut funktionierende Versorgungsstrukturen mit dem Versorgungs­stärkungsgesetzes infrage zu stellen und so die ärztliche und zahnärztliche Einzelpraxis zum Auslaufmodell zu erklären. Die Zahn­ärzteschaft wolle sich nicht durch wohlklingende Reformversprechungen damit beschwichtigen lassen, dass mit staatlichen Regu­lierungen und mit einer überhaupt nicht finanziell darstellbaren Förderung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) eine flächendeckende Versorgung eher garantiert werde als durch Einzelpraxen, Praxis­gemeinschaften und sektoren­übergreifende Versorgungsnetze der freiberuflich tätigen Heilberufe.

Die Bundesvorsitzende des FVDZ, Kerstin Blaschke, erklärte in der letzten Woche vor Journalisten in Berlin, es klaffe eine Lücke zwischen den Verheißungen des Koalitions­vertrages, nämlich die freiberuflichen Existenzen und die Patientensouveränität stützen zu wollen, und der sich anbahnenden Entwicklung in Richtung eines zentralis­tischen, „sozialistischen Versorgungsmodells“. Diese Initiativen gingen zulasten der freibe­ruflichen Existenzen, der beruflichen Unabhängigkeit und Diagnose- sowie Therapiefreiheit der Ärzte und Zahnärzte.

Ärzte werden zu Erfüllungsgehilfen degradiert
Die von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in Aussicht gestellten Anreize für die Niederlassung von jungen Ärzten und Zahnärzten seien allesamt „nicht gedeckte Schecks“ und wollten die Leistungserbringer zu Erfüllungsgehilfen einer Kassenmedizin degradieren. Für Ärzte und Patienten resultiere die Gefahr, dass die Trasse zur Staatsmedizin verbreitert werde. Falls den Kommunen die Möglichkeit eröffnet werden sollte, auf eigene Faust und aus Prestigegründen MVZ zu gründen, kämen die Heilberufler in einen ruinösen Wettbewerb und in einen Konkurrenzkampf mit den kommunalen Trägern.

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Die Praxisinhaber müssten dann die Kosten und Risiken ihrer Einrichtungen allein tragen – ohne Ausfallbürgen. Die Kommunen könnten dagegen bei Defiziten mit Beihilfen einspringen (wie bei den kommunalen Krankenhäusern). Blaschke: „Eine politische Steuerung in divergierende und kontraproduktive Richtungen funktioniert nicht. Stärkt man die eine Seite – im aktuellen Fall die MVZ –, schwächt man automatisch die andere, also die Freiberufler, die eigentlich gestärkt werden sollten.“

Statt Zentralisierungsprozesse voranzutreiben, sollten wohnortnahe freiberufliche Praxisstrukturen und Versorgungsnetze (unter Einbeziehung der Apotheker) gestärkt werden. Dies wäre ein positives Signal für Nachwuchs, der andernfalls noch mehr davor zurückschrecke, sich angesichts der hohen Investitionskosten, Auflagen und immer stärker werdenden bürokratischen Hürden niederzulassen.

Gesundheitsökonom: Wahlfreiheit der Patienten wird eingeschränkt
Der Kieler Gesundheitsökonom Thomas Drabinski sieht in dem jetzigen ordnungs­politisch „desolat zusammengebastelten“ Regierungsentwurf keinen Ansatz zur Verbesserung der Versorgung. Überhaupt gebe es kein Konzept zur Lösung des Jahrhundertproblems einer bedarfsgerechten Finanzierung der demografischen Belastungen. Allenfalls werde der 2009 begonnene Paradigmenwandel zur „Einheits­kasse“ (Gesundheitsfonds) verstärkt.

Zu befürchten sei, dass die private Krankenversicherung kaum mehr als echter Wettbewerber zum gesetzlichen System wahrgenommen werde. Die Wahlfreiheiten der Patienten würden drastisch eingeschränkt, weil Überwachungs-, Kontroll- und Sanktionsmechanismen die Folge der dirigistischen Eingriffe sein müssten. Freiberufler seien überfordert, bei einer „Landverschickung“ und einer Zuweisung nicht tragfähiger Praxisstandorte das Existenzrisiko selbst zu tragen. Die kassenärztliche Selbstverwaltung würde bei diesen Vorzeichen  zum Vollzugsorgan omnipotenter Mächte umfunktioniert.     © HC/aerzteblatt.de

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