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Politik

Britisches Parlament stimmt für Kinder mit drei Elternteilen

Mittwoch, 4. Februar 2015

London – Großbritannien ist das erste Land, in dem Kinder mit drei Elternteilen künstlich erzeugt werden dürfen. Das Parlament in London billigt am Dienstag die Zulassung eines Verfahrens, in dem bei einer künstlichen Befruchtung die DNA von drei Menschen zum Einsatz kommen darf, wenn dadurch die Übertragung einer schweren Erbkrankheit verhindert werden kann. 382 Abgeordnete stimmten dafür, 128 votierten dagegen. Die für den 23. Februar geplante Abstimmung im Oberhaus gilt als reine Formsache.

Die an der Universität von Newcastle entwickelte Methode ist hoch umstritten. Sie betrifft allerdings nur äußerst wenige Paare: Rund 125 Kinder werden jedes Jahr in Großbritannien mit einer Mitochondriopathie, einer Fehlfunktion der Mitochondrien, geboren. Diese wird von der Mutter vererbt.

Die Mitochondrien sind winzige Organismen in den Zellen, die Glukose in Energiemoleküle verwandeln. Bei einer Fehlfunktion verfügt der Organismus nicht über ausreichend Energie, was zu schweren degenerativen Krankheiten wie Diabetes oder Muskelschwäche führen kann.

Die nordenglische Universität Newcastle gilt im Bereich der Mitochondrien-Spende als führend. Doug Turnbull ist der leitende Wissenschaftler: „Das Konzept besteht darin, dass Frauen mit entsprechenden Genmutationen Kinder haben können, die frei von mitochondrialen Erkrankungen sind.“

Er arbeitet am sogenannten pronuklearen Transfer, einer besonderen Form der künstlichen Befruchtung: „Bei dem wird die Zellkern-DNA der Eltern aus einer befruchteten Eizelle, die die schädliche Mutation in sich trägt, entnommen und in eine befruchtete Eizelle einer gesunden Spenderin eingepflanzt. Die Zellkern-DNA der Spenderin wird dazu vorher entfernt“, beschreibt er die Methode. Jede befruchtete Eizelle enthält im Zellplasma nur Mitochondrien einer Frau und nicht eines Mannes. Der Embryo trägt somit die Zellkern-DNA der Eltern und die mitochondriale DNA der Spenderin in sich.

Kritik an der unzureichenden Studienlage
Kritiker der Technik, bemängeln eine unzureichende Studienlage: Es fehlten nicht nur Daten, um Aussagen über die Sicherheit der Methode machen zu können, es sei auch nicht klar, ob das Verfahren überhaupt funktioniert. Außerdem, so befürchtet etwa die anglikanische Kirche von England, werde eine Schleuse geöffnet. Ärzte könnten später einmal Designerbabys kreieren, ein heftiger Eingriff in die Schöpfung.

Befürworter, wie der liberale Abgeordnete Julian Huppert, stellen die Chancen in den Vordergrund. Von vielen Familien könne unendliches Leid ferngehalten werden, sagte er. Der Eingriff sei marginal. „Es ist kein Drei-Eltern-Kind, es ist eher ein 2,01-Eltern-Kind.“ Auch der konservative Premierminister David Cameron gilt als starker Befürworter des Gesetzentwurfs. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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