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Medizin

Polytrauma: Balancierte Transfusion in Vergleichsstudie ohne sichere Vorteile

Mittwoch, 4. Februar 2015

Houston – Die 1:1:1-Strategie, die bei Massentransfusionen den Anteil von Throm­bozyten und Plasma im Verhältnis zu Erythrozyten steigert, hat in einer US-Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA 2015; 313: 471-482) bei polytraumatisierten Patienten die Blutstillung verbessert und innere Verblutungen häufiger vermieden. Der Beweis einer verbesserten Überlebenschance konnte trotz einer tendenziell niedrigeren Sterberate nicht erbracht werden.

Die „Pragmatic Randomized Optimal Platelet and Plasma Ratios“ oder PROPPR-Studie sollte die unter Traumatologen umstrittene Frage nach der besten Strategie nach massiven Blutverlusten klären. Noch immer sind nämlich massive Blutungen für 20 bis 40 Prozent aller Todesfälle von Polytrauma-Patienten im Krankenhaus verantwortlich. Meistens handelt es sich um innere Blutungen, die mechanisch nicht zu stillen sind.

Die Patienten sterben, obwohl in der Notfallaufnahme genügend Blutkonserven zur Verfügung stehen. Dies hat dazu geführt, das 1:1:2-Verhältnis von einer Einheit Thrombozyten zu einer Einheit Blutplasma und zwei Einheiten von roten Blutzellen auf ein 1:1:1-Verhältnis zu „balancieren“, was einer relativen Verdopplung von Thrombozyten und Blutplasma gleichkommt. Dies geschah in der Hoffnung, die tödlichen Blutverluste der Patienten in der Klinik zu verhindern.

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Zwölf Level-I-Traumazentren in den USA beteiligten sich mit insgesamt 680 Schwerst­verletzten an der Studie. Die Polytraumatisierten wurden nach dem Eintreffen in der Klinik auf eine der beiden Strategien randomisiert. Wie John Holcomb vom Texas Health Science Center in Houston und Mitarbeiter berichten, wurde das erste Ziel der Studie erreicht.

Der Anteil der Patienten, die während der Primärversorgung nach Erreichen der Klinik verbluteten, konnte von 14,6 Prozent unter der 1:1:2-Strategie auf 9,2 Prozent unter der 1:1:1-Strategie gesenkt werden. Der Unterschied von 5,4 Prozentpunkten war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,5 bis 10,4 Prozentpunkten signifikant. Auch der Anteil der Patienten, bei denen eine Blutstillung erreicht wurde, konnte von 78 auf 86 Prozent signifikant gesteigert werden.

Die balancierten Bluttransfusionen senkten auch den Anteil der Patienten, die innerhalb der ersten 24 Stunden starben, von 17,0 Prozent auf 12,7 Prozent. Der Unterschied von 4,3 Prozentpunkten war in diesem Fall jedoch nicht signifikant. Laut dem 95-Prozent-Konfidenzintervall könnte das Sterberisiko um 9,6 Prozentpunkte gesunken sein, es könnte aber auch um 1,1 Prozentpunkte angestiegen sein.

Auch der zweite primäre Endpunkt, die Sterberate nach 30 Tagen, konnte nur tendenziell von 26,1 auf 22,4 Prozent gesenkt werden. Die Differenz von 3,7 Prozentpunkten verfehlte erneut das Signifikanzniveau. Dies war auch bei sämtlichen 23 sekundären Endpunkten der Fall, die mögliche Komplikationen wie akutes Atemnotsyndrom, Multiorganversagen, venöse Thromboembolien, Sepsis oder transfusionsbedingte Komplikationen betrafen.

Die Studie blieb damit den Beweis schuldig, dass eine balancierte Transfusion die Überlebenschancen der Patienten verbessert. Sie liefert aber auch keine Hinweise auf vermehrte Risiken. Holcomb rät deshalb bei polytraumatisierten Patienten mit einem 1:1:1-Transfusion-Protokoll zu beginnen, den Bedarf der Komponenten aber so bald wie möglich von den Ergebnissen der Laboruntersuchungen abhängig zu machen. © rme/aerzteblatt.de

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