NewsMedizinPolyneuropathie durch Diabetes-Behandlung häufiger als gedacht
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Polyneuropathie durch Diabetes-Behandlung häufiger als gedacht

Donnerstag, 5. Februar 2015

Würzburg – Fast elf Prozent der Diabetiker erleiden gemäß einer neuen Studie Polyneuropathien nach einer erfolgreichen Blutzuckersenkung – also schmerzhafte Nervenschäden. Das Risiko scheint umso größer zu sein, je schneller der Blutzucker kontrolliert wird. „Wenn sich die Befunde bestätigen, müsste der Stoffwechsel bei Patienten mit Diabetes in Zukunft deutlich langsamer normalisiert werden“, kommentiert Claudia Sommer von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) die in der Zeitschrift Brain erschienene Studie (doi:10.1093/brain/awu327). Sommer ist leitende Oberärztin an der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg.

Christopher Gibbons und Roy Freeman vom Beth Israel Deaconess Medical Center der Harvard Medical School haben für die Studie die Daten von 910 Diabetikern ausge­wertet, die in einer Fachklinik auf eine diabetische Neuropathie hin untersucht wurden. Anhand der Abnahme von HbA1c um mindestens zwei Prozent unterschieden sie 168 Patienten, deren Blutzuckerkontrolle sich innerhalb von drei Monaten deutlich verbesserte, von 742 weiteren Diabetikern, deren Blutzuckerkontrolle sich weniger schnell oder gar nicht verbesserte.

Der auffälligste Befund war, dass in der ersten Gruppe 62 Prozent der Patienten eine behandlungs-induzierte Neuropathie bei Diabetes (Treatment-induced Neuropathy in Diabetes, TIND) entwickelten. Individuen, deren HbA1c über drei Monate hinweg weniger als zwei Prozent abgenommen hatte, litten dagegen nur zu 4,3 Prozent unter Neuro­pathien beziehungsweise autonomen Symptomen.

Anzeige

Ob die – eigentlich beabsichtigte – Absenkung des HbA1c-Wertes bei Diabetikern durch Insulingaben erzielt wurde, durch andere Medikamente zur Blutzuckerregulierung oder durch eine Umstellung der Ernährung, spielte für das TIND-Risiko keine Rolle.

„Die hohe Inzidenz von TIND – bezogen auf die Gesamtpopulation waren es 10,9 Prozent – hat die Autoren offenbar selbst erstaunt“, kommentiert Sommer.

Möglich sei allerdings, dass Gibbons und Freeman die Häufigkeit von TIND in dieser Studie überschätzt haben, weil sie unter allen Diabetikern in der Fachklinik nur jene in die Studie eingeschlossen hatten, die auf eine Neuropathie hin untersucht worden waren. Dies bemerken in einem Kommentar ebenfalls in Brain die Neurologen Phillip Low und Wolfgang Singer vom Mayo Clinic College of Medicine.

Gleichwohl sei Studie die erste klare Beschreibung von TIND bei einer großen Anzahl Betroffener. Auch Sommer hebt die praktische Bedeutung der Studie hervor: „Der naheliegende Ratschlag wäre, den HbA1c-Wert mit Bedacht abzusenken, und zwar wie die Autoren selbst vorschlagen, um weniger als zwei Prozent in drei Monaten“, erläutert sie. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Oktober 2019
Charlottesville– Ein hybrides künstliches Pankreas, das die Dosis des Basalinsulins automatisch dem kontinuierlich bestimmten Blutzucker anpasst, hat in einer randomisierten Studie im New England
Künstliches Pankreas verbessert Blutzuckerkontrolle bei Diabetes Typ 1
18. Oktober 2019
Amsterdam – Schwere Hypoglykämien können künftig mit einem Nasenspray behandelt werden. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat heute eine
Nasenspray behandelt schwere Hypoglykämien injektionsfrei
17. Oktober 2019
Berlin – Psychische Störungen treten bei Menschen mit Diabetes häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Gleichzeitig stellten komorbide psychische Störungen eine Behandlungsbarriere dar,
Komorbide psychische Störungen bei Diabetikern häufig
17. Oktober 2019
New York – Frauen, die ihr Kind längere Zeit stillen, erkranken im späteren Leben seltener an einem Typ-2-Diabetes oder an einer arteriellen Hypertonie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Meta-Analyse in
Lange Stillzeit schützt Frauen vor Diabetes und Hypertonie
16. Oktober 2019
Stuttgart – Der Ärzteverband Medi Baden-Württemberg und die DAK-Gesundheit haben einen neuen Facharztvertrag geschlossen, der die Versorgung von Diabetikern (Typ 1 und 2) verbessern soll. Ärzte können
Neuer Facharztvertrag zur Diabetesversorgung in Baden-Württemberg
16. Oktober 2019
Berlin – Für Eltern mit an Diabetes erkrankten Kindern gibt es nicht genug psychosoziale Hilfen. Darauf haben Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) im Vorfeld der morgigen Tagung
Psychosoziale Betreuung von Diabetikern verbesserungsbedürftig
15. Oktober 2019
München – An der bayernweiten „Fr1da“-Studie zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes haben 100.000 Kinder teilgenommen. Das teilte heute das Ge­sund­heits­mi­nis­terin in Bayern mit. Die Studie wird dem
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER