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Medizin

Iontophorese: Elektrischer Strom könnte Chemotherapie verstärken

Donnerstag, 5. Februar 2015

Chapel Hill – Der hohe Flüssigkeitsdruck in den Krebszellen, der bei manchen Tumoren die Perfusion mit Zytostatika erschwert, könnte durch ein elektrisches Feld überwunden werden, das die polaren Wirkstoffe in den Tumor zieht. Erste tierexperimentelle Studien in Science Translational Medicine (2015; 7: 273ra14) verliefen vielversprechend.

Die enormen Kräfte, die ein elektrisches Feld auf polare Wirkstoffe ausübt, zeigte sich vor einigen Jahren auf unangenehme Weise bei Ionsys. Das Schmerzpflaster wurde vom Markt genommen, nachdem es zu mehreren Fällen von Überdosierungen mit dem Wirkstoff Fentanyl gekommen war. Das Pflaster gab immer dann Fentanyl durch die Haut ab, wenn die Patienten per Knopfdruck einen Gleichstrom eingeschaltet hatten. Für Ionsys gibt es längst Alternativen, die ohne Strom auskommen. Anders ist die Situation beim Pankreaskarzinom.

Die schlechten Behandlungsergebnisse bei diesem Tumor werden unter anderem darauf zurückgeführt, dass sich der Tumor durch einen hohen Flüssigkeitsdruck gegen Zytos­tatika abschirmt. Eine Iontophorese könnte diese Hürde überwinden, da Gemcitabin, ein beim Pankreaskarzinom häufig (vergeblich) eingesetztes Zytostatikum, polar ist. Ein Forscherteam um Joseph DeSimone von der University of North Carolina at Chapel Hill hat die Therapie zunächst an Mäusen erprobt, denen humane Pankreastumore implantiert worden waren.

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Die Forscher platzierten eine Elektrode nebst einem Depot des Zytostatikums über dem Tumor und eine andere auf der gegenüber liegenden Seite des Körpers. Nach der Behandlung wurden im Tumor deutlich höhere Konzentrationen des Zytostatikums gefunden als in einer Kontrollgruppe, in der die Tiere intravenös mit Gemcitabin behandelt wurden. Die Therapie war auch bei Hunden erfolgreich, bei denen die Konzentration des Zytostatikums im Tumor siebenfach höher war als bei einer intravenösen Therapie. Die Wirkstoffspiegel im Blut waren dagegen 25fach niedriger, was auf eine verbesserte Verträglichkeit der Iontophorese hindeuten könnte.

In einem weiteren Experiment behandelten die Forscher Mäuse mit Brustkrebs mit einem transdermalen Pflaster, aus dem mittels Iontophorese das Zytostatikum Cisplatin abgegeben wurde. Die Pflaster wurden direkt über den Tumor geklebt, der sich daraufhin deutlich schneller zurückbildete als nach einer intravenösen Chemotherapie. Die Überlebensrate der Tiere verdoppelte sich. Durch eine Strahlentherapie wurden die Ergebnisse noch einmal verbessert.

Bei Menschen wurde die Iontophorese zur Krebstherapie bisher nicht genutzt. Das Pankreaskarzinom könnte aufgrund der derzeit unbefriedigenden Therapieergebnisse ein erstes Einsatzgebiet werden, meint DeSimone. © rme/aerzteblatt.de

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