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Aktionsforum Allergologie: Fachärzte fordern bessere Versorgung statt Verharmlosung

Freitag, 6. Februar 2015

dpa

Berlin – Für eine bessere, leitliniengerechte Versorgung von Patienten mit Allergien hat sich Anfang der Woche in Berlin das Aktionsforum Allergologie ausgesprochen. Die darin zusammengeschlossenen wissenschaftlichen Gesellschaften und Berufsverbände setzen sich für ein bundesweites Präventionsprogramm und ein umfassendes Versorgungs­konzept ein. Dafür ist es nach ihrer Auffassung nötig, dass der Gemeinsame Bundes­aus­schuss ein strukturiertes Behandlungsprogramm (DMP) für Allergiker auf den Weg bringt.

„Wenn sich die Situation nicht bald grundsätzlich ändert, wird sich die ohnehin schon hohe Anzahl allergischer Erkrankungen weiter nach oben entwickeln“, warnte Harald Renz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. Dem Forum zufolge sind inzwischen rund 40 Prozent der Bundesbürger zwischen 20 und 40 Jahren von Allergien als chronischer Erkrankung betroffen. Die hohen Folgekosten, beispielsweise durch schätzungsweise eine Million Fehltage pro Jahr infolge von Allergien, sind Renz zufolge nur ein Problem. Vor allem treten aber gesundheitliche Beschwerden auf, häufig aufgrund von Asthma, die durch eine frühzeitige und konsequente Behandlung vermieden werden könnten.

„Unsere Erkenntnisse kommen nicht beim Patienten an“, beklagte Renz. Das liegt seiner Meinung nach auch daran, dass seit 2007 die Zahl der Kollegen, die Patienten mit allergischen Erkrankungen behandeln, um ein Drittel gesunken ist. Diese Angabe geht zurück auf eine Studie des Gesundheitsökonomen Jürgen Wasem. Er hatte Abrech­nungs­daten der Jahre 2007 bis 2010 analysiert und einen Rückgang der ent­sprechenden Kodierungen um ein Drittel errechnet. Vor allem der Anteil der Patienten, die eine spezifische Immuntherapie erhalten, war demnach unterproportional.

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Hellmann: Vergütung der Behandlung ist ein Problem
Für mehr vorausschauende Behandlungen von Allergikern setzte sich auch Andreas Hellmann ein, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Pneumologen. Die Zahl der Asthmapatienten in den Praxen der Kollegen sei in den letzten 20 Jahren deutlich gestiegen, erläuterte er: „Asthma nimmt aber nicht von allein zu, sondern ist getriggert durch Allergien.“ Bis zu zwei Drittel der Patienten mit Heuschnupfen könnten ein chro­nisches Asthma entwickeln, doch die Chance, dies zu verhindern, werde häufig nicht genutzt. Hellmann sieht in der schlechten Vergütung der Behandlung von Allergikern ein großes Problem, ebenso darin, dass Kosten für die spezifische Immuntherapie immer noch nicht bundesweit als Praxisbesonderheit anerkannt werden.

Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin des Deutschen Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte, bedauerte, dass Bemühungen ihres Verbands gescheitert seien, die Versorgung von Allergikern durch Selektivverträge mit den Krankenkassen zu verbessern. Dadurch hätte man bundesweit auch die Kooperation der benötigten Haus- und Fachärzte verbessern können. „Wir wollen, dass DMP für Allergiker möglich werden“, betonte Lundershausen. Dass der Gemeinsame Bundes­aus­schuss entschieden hat, erst eine ganze Reihe anderer Erkrankungen durch strukturierte Behandlungsprogramme abzudecken, hält sie angesichts der großen Zahl von Allergikern für falsch.

Kampagne für ein Aktionsprogramm Allergien wird fortgesetzt
Auf das Problem, dass ein Heuschnupfen nach wie vor als eine banale Erkrankung angesehen werde, verwies Elke Alsdorf. Die Vertreterin des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (daab) verwies darauf, wie wichtig Bündnisse von Selbsthilfegruppen und ärztlichen Organisationen seien, „damit man das Thema Allergien wahrnimmt“. Selbst Betroffene nähmen einen Heuschnupfen oder Neurodermitis häufig auf die leichte Schulter.

Das ist nach Überzeugung von Alsdorf auch eine Folge davon, dass beispielsweise antiallergisch wirkende Medikamente nicht mehr erstattet werden, sondern selbst gekauft werden müssen. Deshalb gingen Allergiker oft zu selten zum Arzt und versäumten so, sich angemessen behandeln zu lassen. Weil sich noch zu wenig bewegt hat im letzten Jahr, setzt der daab seine Aktion „Vergiss mein nicht“ fort. Mit dieser Kampagne fordert er von der Bundesregierung ein „Aktionsprogramm Allergien“.

Im Rahmen des „Aktionsforum Allergie“ haben sich sieben medizinische Verbände zusammengeschlossen: Der Ärzteverband Deutscher Allergologen, die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie, die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin und die Berufsverbände der Deutschen Dermatologen, der Kinder- und Jugendärzte, der Pneumologen und der HNO-Ärzte. Das Forum wird nach eigenen Angaben von einem breiten Spektrum pharmazeutischer Unternehmer unterstützt. © Rie/aerzteblatt.de

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