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Ärzteschaft

Masernausbruch beutelt Berlin

Freitag, 6. Februar 2015

dpa

Berlin/Münster – Laut Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) ist Berlin derzeit von einem massiven Masernausbruch betroffen. Demnach wurden dem Landesamt für Gesundheit und Soziales seit Oktober 2014 bereits mehr als 370 Masernerkrankungen gemeldet, ein Ende scheint nicht absehbar. Während die Krankheit ursprünglich offenbar vor allem durch Asylsuchende aus  Bosnien und Herzegowina sowie Serbien übertragen wurde, treten Erkrankungsfälle inzwischen überwiegend in der übrigen Berliner Bevöl­kerung auf.

Angesichts des aktuellen Masern-Ausbruchs in der Bundeshauptstadt hat die Ärzte­kammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) erneut vor den Gefahren der Impfmüdigkeit gewarnt. „Impfungen sind aktiver Lebens- und Kinderschutz“, unterstrich ÄKWL-Präsident Theodor Windhorst. Denn Masern seien keine harmlose Kinderkrankheit, sondern eine gefährliche, schlimmstenfalls sogar tödliche Infektion. Das ursprüngliche Ziel der Bundesregierung, die Krankheit bis 2015 auszurotten, scheint somit gescheitert.   

„Die Entwicklung  zeigt, dass wir beim Impfschutz auch grenzüberschreitend denken müssen. Impflücken können wir uns europaweit nicht leisten“, so Windhorst. Er forderte deshalb eine länderübergreifende Impf-Initiative. Denn nur eine hohe Durchimpfungsrate könne die Ausbreitung ansteckender Krankheiten, wie etwa Masern, verhindern. Auch das Robert Koch-Institut empfahl, Asylsuchende aus Bosnien und Herzegowina nach ihrer Ankunft in Deutschland schnellstmöglich gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) zu impfen. © hil/aerzteblatt.de

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Joern-Peters
am Samstag, 7. Februar 2015, 22:44

wie ist der Impfstatus der erkrankten Kinder in Berlin?

China hat eine Durchimpfungsrate von über 99%. Trotzdem kommt es dort immer wieder zu Masernausbrüchen.
In Kalifornien waren bei einer Masern-Epidemie 85% der infizierten vollständig geimpft
Von 20 Masernerkrankten kürzlich in New York, waren 18 dagegen geimpft und erkrankten trotzdem
https://www.youtube.com/watch?v=q5wmvFMchvI

Mich würde mal interessieren, wie der Impfstatus der erkrankten Kinder in Berlin ist.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 7. Februar 2015, 11:32

Keine Strategie ist eine Strategie?

Beim Schutz gegen die gefährlichen, komplikationsreichen, hoch-kontagiösen Masern (historisch "Morbilli" = "kleine Pest") regiert das Chaos: Ein großer Anteil der in Deutschland geborenen Kinder hat die zweifache MMR-Impfung gegen Masern-Mumps-Röteln erhalten. Damit wird die Minderheit der Ungeimpften bis zu einem gewissen Grad geschützt, wenn es nicht von außen zu einer Übertragungswelle kommt.

In den USA (318,81 Mio. Einwohner) sind aktuell im Januar landesweit 102 Menschen als neu erkrankt gemeldet. 2014 waren es insgesamt 644 Patienten. Ein Schwerpunkt ist Kalifornien (CAL), wo seit Dezember 2014 allein 82 Besucher und fünf Mitarbeiter von Disneyland und Disney California Adventure Park erkrankt sind.
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/article/878600/masern-usa-besucher-disneyland-betroffen.html

Dieses Jahr gab es im Januar 254 neue Masern-Fälle allein in Berlin (3,517 Mio. Einwohner). Besonders ungeimpfte Asylbewerber, Migranten oder EU-Bürgerinnen und Bürger aus Staaten mit unterentwickelter bzw. unbezahlbarer Impfprävention gefährden sich selbst und Dritte durch ihre hohe Masern-Prävalenz. Andere "communicable diseases" wie Hepatitis A+B, Tbc, Diphtherie, Influenza, Pertussis, HiB, Meningitis, Varizellen usw. kommen hinzu.

Aber es geht auch um mangelnden Netzschutz für Säuglinge und Kleinkinder durch die verlangsamte Generationenfolge. Späte Erstgebärende haben entgegen den Versprechungen der Impfindustrie k e i n e n bleibenden Immunschutz durch die zwei MMR-Erstimpfungen. Handelsüblicher MMR-Impfstoff bietet nachweislich keine optimale Serumkonversion, sonst wären keine 2 Grundimmunisierungen und später mindestens eine Boosterung im Erwachsenenalter empfohlen. Die RKI- und STIKO-Empfehlung, "junge Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden" im Zweifel nochmal mit einer weiteren MMR-Impfung aufzufrischen, bezieht sich auf "junge Erwachsene", die mittlerweile bis zu 45 Jahre alt sind.

Selbst die vom Robert-Koch-Institut (RKI) und der STIKO reflexartig empfohlene, möglichst frühe Erstimpfung entlarvt sich als Pseudo-Strategie: Defay, F. et al. stellten dies mit dem Titel: "Measles in Children Vaccinated With 2 Doses of MMR. Pediatrics 2013; online 21. Oktober 2013; DOI: 10.1542/peds.2012-3975 heraus. Die frühe Masernimpfung bei Kindern im Alter von zwölf Monaten ist eher ungünstig. Nach den Daten dieser kanadischen Studie ist die Gefahr, dass der Impfstoff dann versagt, fünfmal höher. Besser sei es, mit einer Erstimpfung erst im 15. Lebensmonat zu beginnen. http://www.springermedizin.de/fruehe-masernimpfung--schlechte-schutzwirkung/4765318.html

Bei vom RKI erfassten Masernfällen waren die Kinder in 90% u n g e i m p f t. Also erkrankten 10 Prozent t r o t z MMR-Impfung! Bei Jugendlichen und Erwachsenen waren laut RKI 50% ungeimpft. Die a n d e r e Hälfte erkrankte bei (un)vollständiger MMR-Impfung, wie auch immer sich das eruieren ließ? Deshalb muss der STIKO-Impfkalender s e l b s t hinterfragt und auch die Qualität der MMR-V a k z i n a t i o n neu bewertet werden. Denn selbst gering vertretene Impf-Müdigkeit oder gar -Gegnerschaft werden befeuert, wenn faktisch geimpfte Patienten genauso an Masern erkranken können. Vgl.
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/impfen/article/876274/leitartikel-masernproblem-ausgesessen.html

Geradezu kopflos sind die selbsternannten "Oberstrategen": Der "Bericht der Nationalen Verifizierungskommission Masern/Röteln zum Stand der Eliminierung der Masern und Röteln in Deutschland 2013" ... "an die Welt­gesund­heits­organi­sation (Regionalbüro für Europa) mit Stand Juni 2014" unter Vorsitz von Professor Oliver Razum von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften an der Universität Bielefeld (www.rki.de) liest sich wie "Fragen an Radio Eriwan".

Ein sybillinischer Satz lautet: "Eine andauernde endemische Transmission von Masernviren in Deutschland kann aus diesen Gründen weder bestätigt noch widerlegt werden. Sie ist jedoch, unter besonderer Berücksichtigung der hohen Inzidenzen, sehr wahrscheinlich". Der geübte Radio-Eriwan-Sprecher transkribiert das als: "Im Prinzip Nein, aber eher doch, Ja"! Was für ein Wunder, wenn ein endemisch vorhandenes Masernvirus-Reservoir n i c h t auch in der Lage wäre, bei hohen Masern-Inzidenzen dieselben zu befördern.

Vertiefend erörtert, wird das Strategie-Dilemma deutlich! "R ö t e l n: Die epidemiologische Situation der Röteln im Jahr 2013 kann weiterhin noch nicht bewertet werden, da nach Einführung der bundesweiten Meldepflicht im März 2013 noch nicht alle Gesundheitsämter über eine geeignete Software zur vollständigen Übermittlung verfügten..." heißt es im schönsten Amtsdeutsch.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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