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Medizin

Patienten sind auch während großer Kongresse gut versorgt

Freitag, 6. Februar 2015

Boston – Die Sterblichkeit an akuten kardialen Erkrankungen ist während großer Kardiologiekongresse nicht erhöht. Während der Veranstaltungen müssen manche Krankenhäuser mit weniger Ärzten auskommen. Anupam Jena an der Harvard Medical School und Koautoren berichten darüber in JAMA Internal Medicine (doi:10.1001/jamainternmed.2014.6781).

An Kongresstagen ist die ärztliche Besetzung in den Krankenhäusern geringer als an anderen regulären Arbeitstagen. Da hier möglicherweise erfahrenere Ärzte an den Kliniken fehlen, wäre es möglich, dass dies Einfluss auf die Sterblichkeit von Patienten in akuten Notfallsituationen hat. Zum Beispiel könne der Erfolg der perkutanen koronaren Intervention (PCI) von der Erfahrung des Arztes abhängig sein, berichten die Autoren. Sie untersuchten daher den Einfluss von Kardiologiekongressen auf das Outcome der Patienten.

Die Forscher schlossen sowohl Lehr- als auch Nicht-Lehrkrankenhäuser in ihre Studie ein. Sie verglichen die 30-Tagesmortalität drei Wochen vor und drei Wochen nach zwei großen nationalen Kardiologenkongressen mit der Sterblichkeit während der Kongress­tage. Von 2002 bis 2011 fanden insgesamt 82 Kongresstage statt, gegenüber 492 Nicht-Kongresstagen, die als Kontrolle dienten.

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Während der Kongresstage zeigten Hochrisiko-Patienten in Lehrkrankenhäusern bei akutem Herzversagen eine geringere 30-Tagesmortalität, als an Nicht-Kongresstagen (17,5 Prozent vs. 24,8 Prozent p=0,001). Auch bei einem plötzlichen Herzstillstand hatten Patienten an Kongresstagen eine verringerte Sterblichkeit (59,1 Prozent versus 69,4 Prozent, p=0,01). Für Hochrisiko-Myokardinfarkte zeigte sich unabhängig von den Kongressen eine vergleichbare Sterblichkeit (39,2 Prozent versus 38,5 Prozent).

Dies war für die Wissenschaftler besonders überraschend, da im selben Zeitraum die Rate der kardialen Interventionen via PCI sank und in diesem nur 20,8 Prozent gegenüber 28,2 Prozent an Nicht-Kongresstagen betrug. Die durch die PCI bedingte Mortalität war in beiden Zeiträumen vergleichbar.

Für Niedrigrisiko-Patienten zeigten sich an Lehr- und Nicht-Lehrkrankenhäuser keine Unterschiede in der Mortalität.

Die Wissenschaftler konnten zwar bei Hochrisiko-Patienten eine erniedrigte Mortalität während der Kongresstage feststellen, jedoch sind ihnen die genauen Gründe für diese Ergebnisse unklar. Vorstellbar sei eine besondere Personalzusammensetzung während der Kongresstage.

Auch der besonders auffällige Zusammenhang, dass an Kongresstagen die Zahl der Interventionen abnahm, während sich die Sterblichkeit bei Hochrisiko-Patienten mit Myokardinfarkten nicht veränderte, könnte nach Ansicht der Forscher für einen Übergebrauch der PCI sprechen. © hil/aerzteblatt.de

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