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Medizin

Typ 1-Diabetes: Verlust an Artenvielfalt in der Darmflora

Freitag, 6. Februar 2015

Sigrid Knemeyer.

Cambridge – Dem Ausbruch eines Typ 1-Diabetes geht eine Veränderung der Darmflora voraus. Dies zeigen erste Ergebnisse einer Langzeitstudie in Cell Host & Microbe (2015; doi: org/10.1016/j.chom.2015.01.001). Sie dokumentiert einen Rückgang der „Artenvielfalt“ im Darm in der Zeit zwischen der Serokonversion und dem Ausbruch des Diabetes.

In der bisher größten Langzeitstudie zur Darmflora untersuchen derzeit Forscher des amerikanischen Broad Institute regelmäßig Stuhlproben von 33 finnischen und estnischen Säuglingen und Kleinkindern. Es handelt sich um Teilnehmer der von der EU-Kommission geförderten DIABIMMUNE-Studie. Sie soll klären, warum in Finnland deutlich mehr Kinder an Typ 1-Diabetes erkranken als in der benachbarten russischen Provinz Karelien und in Estland mit einer ethnisch verwandten, aber deutlich ärmeren Bevölkerung.

Die Kinder wurden ausgewählt, weil bestimmte HLA-Eigenschaften und andere Merkmale den späteren Ausbruch eines Typ 1-Diabetes sehr wahrscheinlich machen. Viele Kinder der DIABIMMUNE-Studie haben bereits Autoantikörper gegen Inselzellen im Blut. Diese Serokonversion geht dem Ausbruch der Erkrankung meistens um mehrere Jahre voraus.

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Eine Handvoll Kinder ist bereits an einem Typ 1-Diabetes erkrankt. Etwa ein Jahr vor dem Ausbruch des Diabetes registrierte das Team um Ramnik Xavier vom Broad Institute einen 25-prozentigen Rückgang der Alpha-Diversität in den Stuhlproben, die ein Marker der Artenvielfalt im Darm ist. Zur Verschiebung gehörte ein Rückgang der Bakterien, denen ein günstiger Einfluss auf die Darmgesundheit zugeschrieben wird. Gleichzeitig kam es zu einer Zunahme von Bakterien, die Xavier als potenziell gefährlich einstuft, da sie eine Entzündungsreaktion im Darm auslösen.

Die Ergebnisse sind ein weiterer Beleg für eine bereits in früheren Untersuchungen entdeckte Verbindung zwischen entzündlichen Veränderungen im Darm und dem Typ 1-Diabetes. So konnte in Tierexperimenten ein erhöhtes Diabetesrisiko durch die Stuhltransplantation auf andere nicht genetisch belastete Tiere übertragen werden. Auch beim Menschen wurden Veränderungen der Darmflora beschrieben, bisher allerdings nur in retrospektiven Untersuchungen.

In der DIABIMMUNE-Studie konnte dies jetzt erstmals prospektiv nachgewiesen werden. Interessanterweise waren die Veränderungen in der Alpha-Diversität nicht von einer Änderung der Stoffwechselleistungen der Bakterien begleitet. Das Metabolom, das diese Eigenschaften misst, blieb bei den einzelnen Kindern im Verlauf der Studie gleich, auch wenn sie später an einem Typ 1-Diabetes erkrankten.

Die neuen Erkenntnisse könnten sich im Prinzip auf Diagnose und Therapie auswirken. So ist denkbar, dass eine Stuhlanalyse bei Kindern den bevorstehenden Ausbruch des Typ 1-Diabetes vorhersagt. Therapeutisch könnte versucht werden, beispielsweise durch eine Stuhltransplantation, den Ausbruch der Erkrankung zu verhindern. Dies ist bisher allerdings klinisch noch nicht versucht worden. Die Forschung befindet sich hier noch in einem sehr frühen Stadium. © rme/aerzteblatt.de

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