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Medizin

Foetus in foeto: Seltene Variante des Teratom

Montag, 9. Februar 2015

Hongkong – Das seltene Naturereignis einer Foetus-in-foeto-Geburt, dazu noch eines Zwillings, hat die Sensationslust der Medien entfacht. Der im Hongkong Medical Journal (2015; 21: 80-3) beschriebene Casus ist aber weder eine Schwangerschaft in der Schwangerschaft, wie die Zeitungen titelten, noch liegt eine Art „Kannibalismus“ vor, bei dem sich ein Drilling die beiden anderen Geschwister einverleibt hat. Die wahr­scheinlichste Erklärung ist nach Ansicht der Autoren ein Teratom.

Das Team um Nicholas Chao vom Queen Elizabeth Hospital Hongkong berichte über eine 4,07 kg schwere weibliche Neugeborene, bei der bereits vor der Geburt im Ultraschall Raumforderung im unteren Bauchbereich beobachtet worden war. Eine sofort nach der Geburt durchgeführte weitere Ultraschalluntersuchung führte zur Verdachtsdiagnose eines Teratoms.

Diese Tumore entstehen aus einer Keimzelle in den Anlagen von Ovar oder Hoden. Als pluripotente Stammzellen können Keimzellen sämtliche Gewebe des menschlichen Körpers ausbilden. In der Regel finden sich in den Teratomen mehr oder weniger skurrile Komplexe aus Haaren oder Zähnen, gelegentlich bildet sich jedoch ein fetusartiges Gebilde. So bei dem Neugeborenen aus Hongkong, bei dem zudem ein doppeltes Teratom vorlag.

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Gesichtet wurde eine Zyste mit einem maximalen Durchmesser von 47 Millimetern, die sich zwischen Milz und linker Niere befand. Im Inneren der Zyste befanden sich zwei „heterogene feste Massen“. Jede Masse enthielt eine gut verknöcherte Wirbelsäule sowie zwei lange Knochen am unteren Ende, die von ihrer Form den Oberschenkel­knochen ähnelten. Herz oder Gehirn waren im Ultraschall nicht zu erkennen. Die Operation am 42. Tag nach der Geburt förderte zwei „Feten“ ans Licht, die jeweils mit einer Nabelschnur an einer plazentaartigen Masse angeschlossen waren. Beide Feten hatten eine Bauchhöhle mit einem Darm, der in einem verschlossenen Anus endete.

Das Geschlecht der Feten war nicht zu deuten und am kraniellen Ende fehlte der Kopf. Ein Brustkorb mit Rippen enthielt eine Atemwegsanlage mit respiratorischem Epithel. Der Darm war ebenfalls mit Schleimhaut ausgekleidet. Am oberen Ende des Rückenmarks befand sich nur „desorganisiertes“ Hirngewebe. Chao schätzt, dass die beiden Feten bei der Geburt ein Alter von etwa 8, vielleicht auch 10 Wochen erreicht hatten. Lebensfähig waren sie natürlich nicht.

Chao vermutet, dass es sich um zwei ungewöhnlich gut differenzierte Teratome handelt. Diese Teratome sind ein ingesamt seltenes Naturphänomen, dessen Häufigkeit auf 1 zu 500.000 geschätzt wird. Nach einer anderen populären, aber unbewiesenen Hypothese handelt es sich um eineiige Zwillinge (in diesem Fall Drillinge), bei denen sich einer (hier zwei) im Leib des anderen entwickelt. Dies erscheint jedoch angesichts des unter­schiedlichen Gestationsalters biologisch kaum möglich. © rme/aerzteblatt.de

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