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Medizin

Studie: Hexenschuss am Vormittag häufiger

Montag, 9. Februar 2015

dpa

Sydney – Vier von zehn akuten Lumbalgien, gemeinhin als Hexenschuss bekannt, ereignen sich am Vormittag. Die meisten sind die Folge von Unachtsamkeit oder sie treten beim Heben schwerer Gegenstände in einer ungewöhnlichen Körperhaltung auf. Dies kam in einer Studie in Arthritis Care and Research (2015; doi: 10.1002/acr.22533) heraus.

Eine ungeschickte Bewegung und nichts geht mehr. Die meisten Erwachsenen haben einmal einen Hexenschuss erlebt. Die meisten Patienten können auch die Situation beschreiben, in der er aufgetreten ist. Eine wissenschaftliche Untersuchung zu den Triggern des akuten Schmerzereignisses, das eine häufig Ursache für Krank­schrei­bungen ist, fehlte jedoch bisher. Manuela Ferreira vom George Institute for Global Health in Syndney hat deshalb 999 Hautarztpatienten ausführlich nach den Umständen ihrer akuten Lumbalgie befragt. Sie konnte dabei einige bekannte Annahmen bestätigen, andere jedoch widerlegen.

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Neu ist die Erkenntnis, dass die meisten Ereignisse in den Vormittagsstunden auftreten. Etwa 40 Prozent aller Ereignisse entfielen auf die drei Stunden zwischen acht und elf Uhr. Über die Ursache kann Ferreira nur spekulieren. In der Nacht nehmen die Bandscheiben Flüssigkeit auf, berichtet die Forscherin, in diesem angeschwollenen Zustand könnte die Anfälligkeit für einen Bandscheibenvorfall steigen.

Vielleicht sind die Menschen in den Morgenstunden auch unachtsamer. Ein Moment der Unkonzentriertheit war mit einer Odds Ratio von 25,0 der häufigste Trigger für eine akute Lumbalgie. Zum Hexenschuss kommt es vor allem, wenn die Unachtsamkeit bei einer ungewohnten körperlichen Haltung auftritt, wenn Objekte fern vom Körper gehalten werden, wenn andere Menschen oder Tiere beteiligt sind, wenn die gehaltenen Gegenstände zerbrechlich oder nicht im Gleichgewicht sind oder wenn sie zu schwer sind.

Anstrengende körperliche Tätigkeiten sind ebenfalls ein möglicher Auslöser. Bei einer Odds Ratio von 2,7 ist ihr Einfluss jedoch eher gering. Müdigkeit und Abgeschlagenheit können einen Hexenschuss ebenfalls begünstigen. Entgegen verbreiteter Ansicht hatte Alkoholkonsum keinen Einfluss. Ein Hexenschuss bei sexuellen Handlungen scheint ebenfalls eher selten zu sein.

Ferreira hält drei Tipps parat, um einen Hexenschuss zu vermeiden. Zuallererst sollte man alle Bewegungen des Rückens mit Bedacht durchführen, zumal bereits kurze Fehlhaltungen schädlich sein können. Zweitens rät die Forscherin zu einem gesunden Lebensstil: Rauchen, Übergewicht, langes Sitzen und fehlende körperliche Bewegung seien schlecht für den Rücken. Schließlich würde auch Stress, entweder zu Hause oder am Arbeitsplatz die Chancen auf Rückenschmerzen erhöhen.

© rme/aerzteblatt.de

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