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Medizin

Arbeitslosigkeit und die Sorge darum erhöhen Suizidrisiko

Mittwoch, 11. Februar 2015

dpa

Zürich - Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrisen können Menschen in den Suizid treiben. Die Auswirkungen waren in einer Langzeitstudie in Lancet Psychiatry (2015; doi: org/10.1016/S2215-0366(14)00118-7) bereits sechs Monate vor dem Verlust des Arbeitsplatzes nachweisbar und sie betrafen auch das soziale Umfeld.

Der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Suizidrate in einer Gesellschaft ist bekannt. Erst kürzlich hatte eine Untersuchung gezeigt, wie die Finanzkrise in Griechenland seit 2008 die Suizidrate ansteigen ließ. Dort kam es mehrfach nach der Ankündigung von neuen Sparmaßnahmen zu vermehrten Selbsttötungen, noch bevor sich die ökonomische Situation der Betroffenen tatsächlich verschlechtert hatte. In einem Fall war eine spektakuläre Selbsttötung eines Rentners Anlass für einen kurzen Anstieg der Suizidrate.

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Auf ein ähnliches Phänomen ist jetzt auch das Team um Wolfram Kawohl von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich gestoßen, die Daten aus 64 Ländern in vier Weltregionen für die Zeit von 2000 bis 2011 ausgewertet haben. Während dieser Zeit kam es global gesehen zu einem allmählichen Rückgang der Selbsttötungen um 1,1 Prozent pro Jahr. Die Entwicklung war jedoch nicht linear.

Wirtschaftskrisen, vor allem aber ein Anstieg der Arbeitslosigkeit führte in vielen Ländern zu einer Zunahme der Suizide. Interessanterweise ging der Anstieg der Suizidrate dem der Arbeitslosenrate um etwa sechs Monate voraus. Die Entwicklung auf dem Arbeits­markt wurde offensichtlich antizipiert und bereits die Verunsicherung über die Entwick­lung der ökonomischen Situation scheint negative Konsequenzen zu haben, folgert Kawohl. Der Psychiater vermutet, dass der zunehmende Druck am Arbeitsplatz, etwa durch Restrukturierungen, Suizide begünstigt.

Dass andere Gründe außer der objektiven Notlage einen starken Einfluss haben, zeigt sich auch in einem weiteren Phänomen: In Ländern mit einem niedrigen Ausgangswert der Arbeitslosigkeit von beispielsweise 3 Prozent war die Zunahme der Arbeitslosigkeit auf 6 Prozent mit einem Anstieg der Suizidrate um 6,1 Prozent verbunden. In Ländern, die an eine hohe Arbeitslosigkeit „gewöhnt“ waren, stieg die Suizidrate „nur“ um 2,1 Prozent, wenn die Arbeitslosenrate von 12 auf 15 Prozent zugenommen hatte.

Der Anstieg der Suizidalität betraf nicht nur die Erwerbstätigen, sondern auch die Rentner. Ob hier Sorgen um das soziale Umfeld zum Ausdruck kommen, kann die Studie nicht klären. Vorstellbar bleibt, dass die wirtschaftlichen Folgen auch die Senioren betrafen, sei es weil die Renten sinken oder die Möglichkeiten zu einem Zuverdienst entfallen.

Unabhängig davon, on nun subjektive Befürchtungen oder objektive Notlagen der Auslöser für die Suizide sind, war der Einfluss der Arbeitslosigkeit beträchtlich. Die Forscher schätzten, dass von 233.000 jährlichen Suiziden etwa 45.000 auf eine Arbeitslosigkeit oder die Sorge davor zurückzuführen sind, also etwa jeder fünfte Suizid. Im Jahr 2007, vor dem Beginn der globalen Krise waren es 41.148. Im Jahr 2009 war die Zahl auf 46.131 angestiegen. Das ergibt einen Unterschied von 4.983, so dass jeder neunte mit der Arbeitslosigkeit assoziierte Suizid krisenbedingt war.

© rme/aerzteblatt.de

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