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Vermischtes

Kind stirbt wegen Insulinmangel: Bewährungsstrafen für Eltern

Mittwoch, 11. Februar 2015

Hannover - Zu Bewährungsstrafen hat das Landgericht Hannover ein Elternpaar verurteilt, das seine diabeteskranke Tochter nicht ausreichend mit Insulin versorgt und dadurch den Tod der Vierjährigen verursacht hat. Der 32-Jährige und seine vier Jahre jüngere Frau erhielten am Mittwoch je acht Monate Haft wegen fahrlässiger Tötung. Die Eltern müssen aber nicht ins Gefängnis, weil die Strafen zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Paar vorgeworfen, es habe sein Kind vom Insulin entwöhnen wollen und ihm stattdessen Rohkost gegeben. Laut Anklage sollen die Eltern die Hormongabe bewusst reduziert haben, weil sie an die Heilsvorstellungen der „Neuen Germanischen Medizin“ glaubten. Ein Vertreter dieser Richtung ist der mehrfach verurteilte ehemalige Arzt Ryke Geerd Hamer, mit dem die Mutter Kontakt hatte.

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„Dass man von Herrn Hamer nicht viel halten kann, steht außer Frage“, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch. Es gebe aber keine Beweise dafür, dass die Eltern ihr Kind tatsächlich vom Insulin entwöhnen wollten. Der Richter betonte, solange es um das eigene Leben gehe, sei es in Ordnung, alternative Heilmethoden auszuprobieren. „Sie können sich bei einem Kind aber nicht beliebig irrationalen Vorstellungen hingeben“, betonte er. „Sie hatten eine Pflicht zum Handeln.“

Das Paar habe es versäumt, die Therapie seiner Tochter vernünftig medizinisch begleiten zu lassen. „Aber dass sie liebende Eltern sind, die sich Sorgen gemacht haben, das stellt niemand infrage“, sagte der Richter.

Die Eltern waren im Neonazi-Milieu aufgewachsen, ihre fünf Kinder tragen altdeutsche Namen. Die Mutter wuchs in der vom rechtsextremen Anwalt Jürgen Rieger geleiteten „Artgemeinschaft“ auf, der Vater war Mitglied in der 1994 verbotenen „Wiking-Jugend“, wie beide vor Gericht aussagten. © dpa/aerzteblatt.de

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